Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bewegung im Alltag durch Kunst

Ausstellung mit Skulpturen von Karl-Henning Seemann und Bildern von Norbert Stockhus eröffnet

Der Backsteinbau bietet ein gutes Ambiente für Kunst, drinnen wie draußen. Davon konnten sich am Sonntag bei der Eröffnung der ersten Ausstellung an diesem Ort rund 200 Interessierte überzeugen. Bis 6. Januar zeigt die Stadt Sulz Skulpturen von Karl-Henning Seemann und Bilder von Norbert Stockhus.

01.10.2012
  • CRISTINA PRIOTTO

Sulz. Bislang kannten Besucher kultureller Veranstaltungen in der Stadthalle vor allem das Grau der Betonwände; dank der Werke des Bildhauers Karl-Henning Seemann und des Malers Norbert Stockhus lohnt sich der Gang in den Backsteinbau in den nächsten drei Monaten auch ohne zusätzliches Event, nur um der Kunst Willen. Das Kunsterlebnis beginnt aber eigentlich schon vor dem Gebäude und auf dem Bahnhofsvorplatz, wo zehn Skulpturen Seemanns Passanten im Alltag zur Auseinandersetzung mit bildhauerischen Werken einladen, ja geradezu herausfordern. „Die Skulpturen passen bestens zu Sulz und zum Backsteinbau“, sagte Bürgermeister Gerd Hieber gestern bei der Eröffnung und stellte in Aussicht, dass die Stadt womöglich die ein oder andere Plastik erwerben wolle, um sie dauerhaft dabehalten zu können.

Obgleich die Figuren erst vergangenen Donnerstag aufgestellt worden sind, bieten sie schon jetzt regen Gesprächsstoff über Ästhetik, und manch einer fühlt sich durch sie an Menschen aus seinem Bekanntenkreis erinnert. „Irgendwie kommen einem die Typen ja alle bekannt vor“, stellte denn auch Manfred Zach in seiner Einführung fest. „Ich denke dabei an Personen, die ich kenne“, verriet auch Karl-Henning Seemann, woher er seine Inspiration nimmt. Dabei ist es gar nicht das primäre Anliegen des Bildhauers aus Wismar, etwas physiognomisch Vertrautes abzubilden, vielmehr gilt das Augenmerk des 78-Jährigen abstrakt konstruierten Bewegungsimpulsen als Folge von Drehungen, Windungen, Streckungen und Krümmungen. Seemann denke die figürliche Plastik von innen her und wolle statische Grenzen durch freie Bewegungsabläufe überwinden, beschrieb Zach den künstlerischen Gedanken Karl-Henning Seemanns. In Sulz gezeigte „Kunst-Stücke“ wie der „Kretische Stiersprung“ oder der einarmige Handstand der „Artisten“ seien Beispiele dieser Formensprache, die Gewichtsmasse praktisch in Luft auflöse und die Figuren nur durch eine schmale vertikale Achse in Balance halte.

Ein weiteres Kennzeichen des Bildhauers sei sein „untrügliches Gespür für die dramaturgische Nutzung öffentlicher Räume“, beschrieb Zach, wie gelungen Karl-Henning Seemann die Umgebung in seine Plastiken einbeziehe. Aus diesem Grund war der in Löchgau lebende Künstler in den vergangenen Monaten auch mehrfach in Sulz, um sich die Freifläche vor dem Backsteinbau und dessen Inneres anzusehen, bevor er sich entschied, welche seiner Werke in Sulz ausgestellt werden sollten. „Die Leute reagieren auf die Figuren, weil diese auch selbst agieren“, beschreibt Seemann die Wirkung seiner Plastiken.

Dass die Bronze-Skulpturen Karl-Henning Seemanns überhaupt den Weg nach Sulz gefunden haben und das öde Grau der Wände im Backsteinbau zumindest vorübergehend in den Hintergrund tritt, ist dem zweiten in der Doppelausstellung vertretenen Künstler zu verdanken: Norbert Stockhus war der Ideengeber der Schau, und der Glatter Künstler stellte auch den Kontakt zu dem Bildhauer her. In Sulz kennt den 64-Jährigen jeder, und auch seine Bilder erkenne man unter tausenden auf Anhieb, würdigte Manfred Zach den unverkennbaren Stockhus-Stil als eine „verstörende Vertrautheit“, die im Betrachter Verwirrung auslöse, weil seine Landschaften, Städteansichten und Gebäude real und irreal zugleich wirkten. Aus den Bildern des Malers aus Glatt lasse sich deutliche Zivilisationskritik herauslesen, lud Zach die Gäste zu genauem Hinschauen ein, um die Botschaften der Darstellungen von Natur und von Menschen Geschaffenem richtig zu deuten. Darüber hinaus schaffe Norbert Stockhus Übergänge und Wandlungen von der belebten zur unbelebten Natur, in denen der Mensch nur eine untergeordnete Rolle spiele. Um seine künstlerische Intention begreifen zu können, müsse man beim Betrachten von Stockhus‘ Bildern selbst schöpferisch tätig werden, forderte Manfred Zach das Publikum zu einem Rundgang durch die Ausstellung auf. „Am Ende werden Sie empfinden, dass Kunst ein wunderbares Lebenselixier ist – es kommt von außen, wirkt im Innern und hat nur positive Nebenwirkungen“, schloss Zach. Dieser Aufforderung kamen die Kunstfreunde gestern gerne nach und ergänzten die geistige Stärkung beim Anschauen der Bilder und im Gespräch mit den beiden Künstlern durch das Bewirtungsangebot des Bürger- und Kulturvereins Glatt.

Info Die Ausstellung im Foyer der Stadthalle im Backsteinbau ist bis 6. Januar freitags, samstags und sonntags, jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Rund 200 Kunstfreunde aus der näheren und weiteren Umgebung kamen zur Eröffnung der Ausstellung mit Skulpturen von Karl-Henning Seemann und Bildern von Norbert Stockhus. Bilder: cap

Sie haben das Foyer der Stadthalle in einen Raum für Kunst verwandelt (von links): Manfred Zach, Karl-Henning Seemann, Norbert Stockhus und Bürgermeister Gerd Hieber. Im Hintergrund zu sehen sind Ansichten des Wasserschlosses Glatt sowie der Städte Sulz und Horb von Norbert Stockhus, im Vordergrund die Seemann-Skulptur „Zwei Raufende mit einem Brett vor dem Kopf“.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball