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Die Suche führte nicht ans Ziel

Ausstellung zeigt Heinrich Eberhard als Wanderer zwischen Tradition und Moderne

Knapp 50 Arbeiten des Malers Heinrich Eberhard sind bis Juni im Bürgerkulturhaus zu sehen. Es ist die größte Werkschau im Rahmen eines Museums seit 55 Jahren. Dr. Vanessa Sigalas war zur Ausstellungseröffnung eigens aus den USA angereist.

29.03.2014
  • MICHAEL ZERHUSEN

Horb. 1884 in Ellwangen an der Jagst geboren, zog Heinrich Eberhard 1891 mit seiner Familie nach Göppingen und nahm dort erstmals Zeichenunterricht. Vom Herbst 1904 bis zum Frühjahr 1914 besuchte er dann die Königlich Württembergische Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, wo ihn – neben Christian Landenberger – vor allem der Wegbereiter der Stuttgarter Moderne, Adolf Hölzel, beeinflusste.

Die Kunsthistorikerin Dr. Vanessa Sigalas, die am Donnerstagabend unter dem vielsagenden Titel „Ein Maler zwischen Tradition und Avantgarde“ in das Werk Eberhards einführte, äußerte allerdings Zweifel daran, dass er schon seit 1908 Meisterschüler bei Hölzel gewesen sei. Dessen Einfluss sei jedenfalls erst zwei Jahre später erkennbar, als Eberhards Malstil expressiver und seine Farbgebung kräftiger wurde. Insgesamt dokumentierte Sigalas in ihrem bebilderten Vortrag, dass er keineswegs nur ein „folgsamer“ Hölzel-Schüler war. Die Sonderbundausstellung, die 1912 in Köln Werke von van Gogh, Cézanne, Gauguin, Munch und Picasso vereinigte und noch heute als „Wegbereiter der Moderne“ gilt, habe dem jungen Künstler neue Horizonte eröffnet.

Später waren es unter anderem Juan Gris und Georges Braques, Lionel Feininger und Oskar Schlemmer, die ihn inspirierten. Einen geradlinigen künstlerischen Weg haben zudem die Erfahrungen im Ersten Weltkrieg verhindert (Eberhard: „Das war für mich und meine Kunst wie für unser Vaterland der Zusammenbruch“), ebenso wie die Umstände des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.

„Auf der Suche nach einer eigenen Bildsprache“, so Sigalas, sei der Maler gleichsam nicht ans Ziel gekommen. Stattdessen war „der Stilpluralismus das Wesen seiner Kunst“, sein Œuvre changiert zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, kubistischen Einflüssen und expressivem Naturalismus. Eberhard, der während seiner mehr als 60 Jahre andauernden künstlerischen Tätigkeit die lokale Kunstszene wesentlich mitgeprägt habe, blieb zeitlebens „zwischen Tradition und Avantgarde“ gefangen. Die Horber Ausstellung zeigt das eindrucksvoll.

Den Künstler, der in den 1950er Jahren in Stuttgart auf „enorme Resonanz“ (Sigalas) stieß, dann aber in Vergessenheit geriet, verbindet mit Horb freilich nicht viel mehr als ein Auftrag im Jahr 1937 „für vier große Gemälde für die Kasernen“ (er erwähnt ihn vier Jahre später in einem Lebenslauf). Außerdem existieren zwei nahezu identische Stadtansichten, die im selben Zeitraum (1936 und 1937) entstanden sind und beide in der Ausstellung zu sehen sind.

Nach Ansicht Sigalas‘ gehören die beiden Bilder aber nicht zum Kasernen-Auftrag, sondern „waren wohl für den freien Markt bestimmt“. Die ältere Version ist seit den 1990er Jahren im Besitz der Stadt Horb, die jüngere gehört einem Mitglied des Horber Kultur- und Museumsvereins, der im Übrigen den Aufbau der Horber Werkschau tatkräftig unterstützt hat.

Überhaupt stammen viele der knapp 50 Exponate aus Privatbesitz, und so erklärte sich auch der abendliche Andrang im Bürgerkulturhaus: Unter den mehr als 60 Besuchern, von denen manche mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten, fanden sich etliche Leihgeber, außerdem Verwandte des Künstlers. Vanessa Sigalas, die im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Tübingen dem Maler mit einer Monografie samt Werkverzeichnis zu wissenschaftlichen Ehren verholfen hat, war eigens aus Connecticut angereist, wo sie derzeit in Hartford am Wadsworth Atheneum Museum of Art arbeitet.

Ihrer Verbindung zur Kollegin und Horber Museumschefin Agnes Maier ist es zu verdanken, dass die Ausstellung überhaupt am Oberen Neckar zu sehen ist. Unisono würdigten die Referentin, Bürgermeister Jan Zeitler und Museumsvereins-Vize Heiner Raible die Arbeit der „wundervollen Museumsleiterin“ (Sigalas).

Selbstverständlich kamen in Zeitlers Begrüßung auch die übrigen Helfer und vor allem die Leihgeber nicht zu kurz. Und Sigalas, die in ihrem Werkverzeichnis 475 Ölgemälde sowie ein reiches Konvolut an Zeichnungen, Aquarellen, Glasfenstern und Druckgrafiken zusammengetragen hat, habe „mit ihren Kontakten die Leihgaben erst ermöglicht“.

Info Die Ausstellung im Horber Bürgerkulturhaus, Marktplatz 4, ist bis zum 22. Juni montags, mittwochs, freitags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Ausstellung zeigt Heinrich Eberhard als Wanderer zwischen Tradition und Moderne
Gedränge im Bürgerkulturhaus: Zur Eröffnung der Eberhard-Ausstellung fanden sich am Donnerstagabend Kunstfreunde, Leihgeber und Nachfahren des Künstlers ein. Bilder: mz

Ausstellung zeigt Heinrich Eberhard als Wanderer zwischen Tradition und Moderne
Blumen für die Referentin: Die Kunsthistorikerin Dr. Vanessa Sigalas führte zum Start der Horber Ausstellung in das Lebenswerk von Heinrich Eberhard ein.

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29.03.2014, 12:00 Uhr

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