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Vom Dorf zur Kreisstadt

Ausstellung zeigt Mössinger Stadtbild-Entwicklung

Bilder eines Wandels – vom Dorf zur Großen Kreisstadt – zeigt ab 21. Oktober eine Ausstellung in der Mössinger Kulturscheune. Dazu erscheint ein Bildband mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Fotos.

09.10.2010
  • Ulrich Eisele

Mössingen. Eine Anfrage der Freien Wähler im Gemeinderat brachte das Projekt vor einem Jahr ins Rollen. Seither arbeiten die neue Stadtarchivarin Franziska Blum und Museumsleiter Hermann Berner unterm Arbeitstitel „Vom Bauern- und Handwerkerdorf zur Großen Kreisstadt“ an einer fotografischen Bestandsaufnahme der Stadtentwicklung der vergangenen hundert Jahre. Wie der Arbeitstitel lautet nun auch die Unterzeile der geplanten Veröffentlichung, die dieser Tage in Druck geht. Zur Ausstellungseröffnung soll das Werk unterm Titel „Buchbinderbückele und Geometerhaus“ in einer Auflage von 500 Stück erscheinen.

Freunde alter Stadtansichten dürfen gespannt sein. Der Bildband präsentiert auf 80 Seiten zahlreiche alte Luftaufnahmen und Straßenansichten des historischen Mössingens und seiner vier Stadtteile. Das Buch ist nach einem einfachen Grundprinzip aufgebaut: Fotos von Mössinger Häuserzeilen, Straßen oder Plätzen, aus ähnlicher Perspektive, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen, zeigen, was sich verändert hat und was geblieben ist.

Es ist klar, dass nach diesem Schema keine flächendeckende Dokumentation entstehen konnte, da nicht von jeder Ecke Mössingens Aufnahmen aus der gleichen oder einer ähnlichen Perspektive, jedoch aus unterschiedlichen Zeiten existieren. Vollständigkeit ist aber auch gar nicht beabsichtigt. Vielmehr haben sich Franziska Blum und Hermann Berner exemplarisch auf einige Straßen und Plätze konzentriert,

Aus der Luft und aus der Froschperspektive

Zunächst geben sie aber einen Überblick über die bauliche Entwicklung Mössingens einschließlich seiner fünf Stadtteile in alten und neueren Luftaufnahmen. Kurz wird die historische Entwicklung der sechs Wohnorte beschrieben, die heute die Große Kreisstadt bilden. Schon merkwürdig, wenn man bedenkt, dass Bästenhardt, Mössingens größter Teilort, bis Ende der Fünfziger Jahre noch gar nicht existiert hat. Eindrücklich zeigen die Fotos aus der Vogelperspektive auch die enorme räumliche Ausdehnung Mössingens in den vergangenen siebzig Jahren.

Hauptsächlich konzentriert sich der Bildband aber auf vier Wohnquartiere, in denen der Wandel des Straßenbilds besonders ins Auge sticht – oder auf die das Gegenteil zutrifft: wo die historische Substanz besonders gut erhalten ist. Namentlich sind dies das Viertel zwischen dem Alten Rathaus und der Peter- und Paulskirche, die obere Falltorstraße mit der alten Pausa, an deren Stelle heute die Altenwohnanlage steht, die Kreuzung Bahnhof-/Falltorstraße/Berggasse und die Lange Gasse bis zur Karl-Jaggy-Straße.

Die Fotos dokumentieren den allmählichen Wandel des ehemaligen Bauern- und Handwerkerdorfes zur modernen Gewerbe- und Dienstleistungs-Kommune. Der Blick darauf ist nicht verklärend. In nüchternem Schwarz-Weiß ist festgehalten, was im Gestern noch anders war und was davon übrig blieb. Vom einstigen Ensemble am Hornsteg mit dem alten Spittel (Armen- und Siechenhaus) und der Gipsmühle ist dies nur wenig: In einer Aufnahme aus dem Jahr 1900 scharrt noch das Federvieh in den morastigen Hausgärten. Auf einem späteren Foto sieht man dann, wie die alte Scheune neben dem durch einen Brand vernichteten Spittel abgebrochen wird. Die jüngste Aufnahme zeigt die frisch renovierte Gipsmühle, deren funktionslos gewordenes Schaufelrad mit einer Lichterkette dekoriert ist.

Stark verändert hat sich auch das Straßenbild in der hinteren Falltorstraße (siehe Bild). Dort, wo sich heute die Geschäftsstelle des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS befindet, war ehedem das Kaufhaus Hess mit einem flachen Anbau, dem „Schwanen-Café“. Dahinter erhob sich der Fabrikbau der mechanischen Buntweberei Pausa und gegenüber das Gasthaus „Schwanen“. Beide Gebäude sind abgerissen, rechts der Straße steht heute die Altenwohnanlage „Haus an der Steinlach“.

Nur auf wenigen der Fotos sind Menschen

Nur ein kleiner Teil der Fotos zeigt auch Menschen. Da gibt es beispielsweise einen Nazi-Aufmarsch am Kriegerdenkmal vor der Kirche, einen Festzug, der die Bahnhofstraße entlang marschiert und in die Falltorstraße einbiegt. Das jüngste Kapitel der Stadtgeschichte wird mit dem Abriss der Textilfabrik Merz/Grashoppers an der Ecke Bahnhofstraße/Berggasse aufgeschlagen. Ein Teil davon steht noch, dort residiert der Regionalverband. Nicht mehr lange. Ende dieses Jahres wird er in die Pausa-Tonnenhalle in der Jakob-Burkhardt-Straße umziehen, die soeben umgebaut und renoviert wird. Auch ein Beispiel dafür, wie mit dem städtebaulichen Erbe Mössingens – positiv – umgegangen wird.

Info: Ausstellungseröffnung am 21. Oktober um 19 Uhr in der Kulturscheune. Der Bildband – 80 Seiten, schwarz-weiß – kostet 10 Euro.

Ausstellung zeigt Mössinger Stadtbild-Entwicklung
Bei und in der Falltorstraße ist der Wandel vom Dorf zur Stadt mit am deutlichsten sichtbar – hier im Vordergrund der „neue Schwane“ – heute TAGBLATT-Geschäftsstelle in Mössingen; dahinter die alte Pausa – heute Altenwohnanlage „Haus an der Steinlach“. Links die später abgerissene Schwanenpost. Repro: Franke

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09.10.2010, 12:00 Uhr

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