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Austausch abgesagt

Schüleraustausch Nach 20 Jahren Freundschaft erteilt das ungarische Ady-Endre- Gimnazium dem Karl-von-Frisch-Gymnasium in Dußlingen eine Absage.

16.11.2016

Von Lara Wiebecke

Empfang der ungarischen Austauschschüler vor dem Dußlinger Rathaus im Mai 2013 (in der Mitte Bürgermeister Thomas Hölsch).Bild: privat

Im Gegensatz zu Ländern wie England, Frankreich oder Spanien ist Ungarn eher ein ungewöhnlicher Partner für einen Schüleraustausch. Deshalb war der Ungarn-Austausch am Karl-von-Frisch Gymnasium etwas Besonderes: Alle zwei Jahre, jeweils im September, besuchte eine Gruppe von etwa 30 Schülern die Stadt Ráckeve auf der Csepel-Halbinsel an der Donau. Zusammen erkundeten sie das nahegelegene Budapest, besichtigten Kirchen und trugen Fußballspiele gegen ihre ungarischen Austauschpartner aus. Diese besuchten ihrerseits etwa ein halbes Jahr später für eine Woche Deutschland. Da am Ady-Endre-Gimnazium Deutsch als Profilfach angeboten wird, nutzen viele ungarische Schüler die Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Doch nach 20 Jahren steht der Austausch plötzlich vor dem Aus. Schon zu Beginn der Planung des Austausches 2016/17 stieß der zuständige Lehrer Sebastian Kämper auf Schwierigkeiten. Weder in Deutschland noch in Ungarn fanden sich genug Betreuungspersonen und interessierte Schüler. Als Kämper von seiner ungarischen Kollegin Erika Kiss den Grund für das mangelnden Interesse auf ungarischer Seite erfuhr, war er überrascht. „Sie teilte mir mit, Eltern würden sich wegen der Flüchtlingsproblematik in Deutschland Sorgen machen. Deshalb hätten Sie Vorbehalte, ihre Kinder beim Austausch anzumelden.“

Davon hätten sich beide Lehrer erstmal nicht entmutigen lassen, sondern weiterhin „um den Austausch gekämpft“, bis sie gänzlich unerwartet eine Absage vonseiten der ungarischen Schulleitung erhielten. Der neue Schulträger des Gymnasiums in Ráckeve hätte das Etat der Schule gekürzt, weshalb der Austausch in Zukunft nicht mehr stattfinden könne.

Kämper vermutet politische Gründe hinter dieser Entscheidung. Die Sorgen der ungarischen Eltern würden zum politischen Klima in Ungarn passen. Unter dem ungarischen Ministerpräsident Orbán werde Propaganda gegen Flüchtlinge und ein europafeindliches Bild verbreitet. Die stillose Absage seitens der Schulleitung hinge vielleicht auch mit den Veränderungen des Schul- und Bildungswesens in Ungarn zusammen. Die Politik wolle Gymnasien schwächen und lege mehr Wert auf eine praktische Ausbildung. Letztendlich sei es schwer zu sagen, was der eigentliche Grund für das Ende des Austausches sei. Er bedauert die Entscheidung der Ungarn, da der Austausch immer eine sehr intensive und bereichernde Erfahrung gewesen sei. Von einer anderen Schule hätte er gehört, dass sie ihren Ungarnaustausch unter ähnlichen Bedingungen hätte absagen müssen. Dennoch betont Kämper, dass die Türen des Dusslinger Gymnasiums weiterhin für ungarische Kollegen oder Individualaustausche offen bleiben.

Das Ende des Ungarnaustauschs macht auch die ehemalige Lehrerin Bettina Bökel-Casabianca betroffen. Bevor sie in den Ruhestand getreten war, ist sie, wiesiesagt, „immer gern mit nach Ungarn gefahren“. Für die deutschen Schüler sei der Austausch eine überaus große Horizonterweiterung gewesen. Einzelne von ihnen hätten auch nach Ende des Austausches noch Kontakt zu ihren Austauschpartnern gehalten.

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Erstellt:
16. November 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. November 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. November 2016, 01:00 Uhr

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