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Ausweg aus der Teilzeitfalle
Arbeitsminister Hubertus Heil: Rückkehr in Vollzeit erleichtern. Foto: Britta Pedersen/dpa
Arbeitsrecht

Ausweg aus der Teilzeitfalle

Beschäftigte haben künftig einen Rechtsanspruch, für bis zu fünf Jahre die Arbeitszeit zu reduzieren. Auf die genauen Regeln hat sich die Regierung nach längerem Streit geeinigt.

14.06.2018
  • DIETER KELLER

Berlin. Vor allem Frauen bleiben häufig in der „Teilzeitfalle“ hängen, auch wenn sie gerne länger arbeiten würden. Das will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ändern: Mit der „Brückenteilzeit“ sollen sie leichter zwischen Voll- und Teilzeit wechseln können. Nach längerem Streit in der Regierung hat das Bundeskabinett das Gesetz auf den parlamentarischen Weg gebracht. Es soll Anfang 2019 in Kraft treten.

Bereits seit 2001 haben Arbeitnehmer den Rechtsanspruch, zeitlich unbegrenzt in Teilzeit zu wechseln. Die neuen Regeln ergänzen dies: Wenn sie mindestens sechs Monate im Betrieb beschäftigt sind, haben sie künftig auch die Möglichkeit, die Teilzeit von vornherein auf ein bis maximal fünf Jahre zu begrenzen. Danach haben sie die Garantie, wieder auf Vollzeit zurückzukehren, allerdings nicht auf den gleichen, sondern nur auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz.

Um kleinere und mittelständische Unternehmen nicht zu überfordern, gilt die Brückenteilzeit nur für Betriebe mit mehr als 45 Arbeitnehmern. Bei bis zu 200 Beschäftigten gibt es Regeln, wie viele Arbeitnehmer maximal Anspruch auf Brückenteilzeit haben. Bei 100 Arbeitnehmern beispielsweise sind es höchstens acht.

Der Wunsch muss spätestens drei Monate vorher angemeldet werden. Der Arbeitgeber kann ihn ablehnen, wenn „betriebliche Gründe“ dagegen stehen, die die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigen.

Viele Arbeitnehmer wünschen sich mehr Souveränität bei der Arbeitszeit, schließt Heil aus Umfragen: Eine Million Beschäftigte würden gern die Arbeitszeit reduzieren, wenn sie nicht in die „Teilzeitfalle“ geraten. Umgekehrt möchten 1,8 Millionen Teilzeitbeschäftigte länger arbeiten.

Auch der zweiten Gruppe will das neue Gesetz helfen. Schon bisher muss der Arbeitgeber Teilzeitler, die länger arbeiten wollen, bevorzugt beim Besetzen von Vollzeitstellen berücksichtigen, wenn sie gleich gut geeignet sind wie andere Bewerber. Allerdings gilt dies nur, wenn dem weder dringende betriebliche Gründe noch die Wünsche anderer Teilzeitbeschäftigter entgegenstehen. Dies muss der Arbeitgeber nachweisen. Dafür werden die Anforderungen verschärft.

Unabhängig von der Betriebsgröße muss der Arbeitgeber mit Mitarbeitern zumindest reden, wenn sie ihre Arbeitszeit verändern möchten. Dabei können sie einen Betriebsrat hinzuziehen. Schließlich sind Regeln für Arbeit auf Abruf vorgesehen: Sie wird auf maximal 25 Prozent der Wochenarbeitszeit begrenzt.

In das Erarbeiten des Gesetzes hatte Heil Arbeitgeber und Gewerkschaften eingebunden. Der Arbeitgeberverband BDA sieht einen „tragfähigen, aber teils schmerzhaften Kompromiss“, der DGB einen „ersten wichtigen Schritt in Richtung mehr Arbeitszeitsouveränität und Selbstbestimmung“. Dieter Keller

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14.06.2018, 06:00 Uhr

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