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Schweigeminute für Charlie

Auszüge aus der Rede von Oberbürgermeister Boris Palmer

Für eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer des Anschlags auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris erhoben sich am Donnerstag Stadträte, Verwaltungsangestellte und Besucher der öffentlichen Gemeinderatssitzung. Auch die Universität legte am Donnerstag um 12 Uhr eine Schweigeminute ein.

08.01.2015
  • ST

Tübingen. Man könne einen Tag nach den schrecklichen Ereignissen in Paris nicht einfach zur Tagesordnung des Tübinger Haushaltes übergehen, sagte Oberbürgermeister Boris Palmer zu Beginn der Sitzung. Bevor er die Anwesenden darum bat, für eine Schweigeminute aufzustehen, hielt er eine Rede, aus der wir hier Auszüge zitieren:

„In Paris sind nicht nur zwölf unschuldige Menschen ermordet worden. Der Angriff mitten in Frankreichs Hauptstadt galt mehr unseren Grundwerten als den Individuen. Die Freiheit zu glauben und die Freiheit, eine Meinung zu äußern, sind zwei zentrale Errungenschaften der europäischen Aufklärung.

Diese Freiheiten haben wir über Jahrhunderte erkämpft und erarbeitet. Gerade wir Deutschen haben in der Nazizeit eine Barbarei über Europa gebracht, die Meinungs- und Glaubensfreiheit durch einen staatlich organisierten Terror auszulöschen versuchte. Wir kennen die furchtbaren Folgen dieses Irrwegs. (. . .)

Wir können nicht einfach zur Kenntnis nehmen, wie verblendete Terroristen sich missbräuchlich auf Allah berufen und mit der Kalaschnikow eine Zeitungsredaktion auslöschen, weil diese einige Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht hat. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Angst in unserer Gesellschaft breitmacht und die Freiheit der Meinungsäußerung unter Morddrohungen einen schleichenden Tod stirbt.

35.000 Menschen haben am Donnerstag auf der Place de la République in Paris die richtige Antwort gefunden: „pas peur“, „not afraid“ stand auf Plakaten zu lesen. Auch wir dürfen keine Angst haben, dieser unmenschlichen Gewalt entgegenzutreten.

Zugleich dürfen wir nicht zulassen, dass die Terroristen unsere Gesellschaften von innen heraus zerstören. (. . .) Ganz falsch wäre es auch, den furchtbaren Terror zum Anlass zu nehmen, Muslime in unserem Land für den Terrorismus verantwortlich zu machen. Fremdenfeindlichkeit und Pegida-Parolen treten die europäischen Werte der Aufklärung und Toleranz mit Füßen. Es ist auch keine exklusive Idee von Islamisten, unschuldige und unbeteiligte Menschen im Namen einer Ideologie zu töten. Der NSU hat Menschen ermordet, weil sie türkisch aussahen und Döner verkauften. Diese Art von Mord ist nicht islamistisch oder rechtsradikal, sie ist schlicht menschenverachtend.

Wir wollen in unserer Stadt friedlich zusammenleben. Wir wissen, welch ungeheuren Wert eine offene Gesellschaft hat. (. . .) Wir werden unsere Freiheit verteidigen. Auch deshalb sind heute unsere Gedanken bei den Opfern des Terrors in Paris und ihren Freunden und Verwandten.“

Auszüge aus der Rede von Oberbürgermeister Boris Palmer
Je suis Charlie: Die in Algerien geborene und in Tübingen lebende Französin Claudette Schott gedachte am Donnerstag bei einer kurzen Mahnwache vor der Tübinger TAGBLATT-Zentrale der Opfer des Anschlags in Paris.

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08.01.2015, 12:00 Uhr

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