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Renault kündigte die Verträge

Autohaus Löffler macht dicht / Paul Horn GmbH kauft das Gelände

Das Autohaus Löffler im Gewerbegebiet Steinlachwasen schließt zum 1. Februar 2016. Schuld seien vom Hersteller Renault vorgelegte neue Händlerverträge, die zu „massiven Verschlechterungen“ führen, so Geschäftsführer Michael Löffler, der das Areal nun an die benachbarte Paul Horn GmbH verkauft hat.

12.06.2015
  • Volker Rekittke

Tübingen.Selbst die neuen Papierkörbe wollte der Hersteller und Vertragspartner Renault Autohändlern wie ihm künftig vorschreiben, klagt Michael Löffler: Allein jene Designer-Abfallbehälter würden rund 150 Euro kosten – das Stück. Hinzu kämen in den neuen Händlerverträgen des französischen Autobauers noch weitere genaue Vorschriften etwa zur Gestaltung der Showrooms (Wand- und Fliesenfarbe, Beleuchtung,…).

So haarklein will der Produzent dem Verkäufer ins Geschäft hineinreden, dass Michael Löffler dazu nur noch eins einfällt: „Absurd!“ Und zudem äußerst kostspielig: Löffler müsste in seinen Derendinger Betrieb (Unter dem Holz 37) schätzungsweise 150 000 Euro investieren. Hinzu kämen verschärfte Anforderungen von Renault, wie viele Autos bestellt, welche Modelle ausgestellt und welche Menge an Kraftfahrzeugen mindestens verkauft werden muss. Sei er besser als die Vorgaben, gebe es keinen Bonus – wohl aber Strafen bei Nichterfüllung, ärgert sich Löffler: „Wir hätten Dinge unterschreiben müssen, die unsere Existenz möglicherweise gefährdet hätten.“

Und das wollte der 34-Jährige weder sich noch den 16 Mitarbeiter(inne)n antun. Eine ganze Weile suchte er nach einer Lösung, verhandelte hart mit Renault. Doch der Hersteller zeigte sich unnachgiebig – und kündigte nach Ablauf eines Ultimatums sämtliche Verträge zum 31. Januar 2016. Was tun? Der Verkauf an eine größere Autohaus-Gruppe scheiterte – was nicht zuletzt an den „wirtschaftlich unbefriedigenden Ergebnissen“ des Betriebs in den vergangenen Jahren gelegen habe, heißt es in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter/innen.

Die Übernahme einer anderen Marke kam ebenfalls nicht infrage, so Löffler: „Alle lukrativen Marken sind in der Region bereits vergeben.“ Und eine kleinere Marke, oder auch die Weiterführung als freie Werkstatt, wäre bei der Größe des Betriebes nicht rentabel gewesen, hätte also keine 16 Beschäftigten plus Chef ernährt. Deshalb nun der Verkauf an Horn.

Was wird aus den Mitarbeitern? „Wir haben alle frühzeitig informiert, damit jeder genug Zeit hat, eine neue Stelle zu finden“, sagt Löffler. Er ist zuversichtlich, dass keiner seiner Leute längere Zeit arbeitslos sein wird. Doch Renault-Fahrer aus dem Raum Tübingen werden sich bald nach einer neuen Anlaufstelle umschauen müssen, etwa in Reutlingen, Hechingen oder Herrenberg.

Dass die Hersteller den Druck auf die Händler erhöhen, das beobachtet Löffler schon seit längeren in der gesamten Branche. Wer dabei wie Renault bei den Verkaufszahlen seit Jahren einer der erfolgreichsten ausländischen Autohersteller in Deutschland sei, könne sich das eben leisten. Große Händlerketten hätten bessere Chancen, die Vorgaben dieser Hersteller zu erfüllen, kleine und mittlere Familienbetriebe hätten es oft viel schwerer.

Horn-Sprecher Christian Thiele bestätigt den Kauf durch seine Firma. Der boomende Tübinger Hartmetallwerkzeug-Hersteller will auf dem knapp einem halben Hektar großen Grundstück zunächst 150 Mitarbeiter-Parkplätze schaffen. Das Autohaus selbst soll abgerissen werden. Bei Horn würden etwa 400 Mitarbeiter im Schichtbetrieb arbeiten, so Thiele. Durch die zusätzlichen Stellplätze werde die Parkplatzsituation „entzerrt“. Mittelfristig sei im Spitz zwischen den Straßen Unter dem Holz und Steinlachwasen auch eine bauliche Erweiterung des Horn-Firmenkomplexes denkbar.

Autohaus Löffler macht dicht / Paul Horn GmbH kauft das Gelände
Renault geht, die benachbarte Paul Horn GmbH (oben im Bild) wird sich weiter ausbreiten: Das Autohaus Löffler ist am 1. Februar 2016 dicht. Luftbild: Grohe

Gegründet wurde die Firma von Friedrich und Rosa Löffler 1932 in Unterjesingen – direkt an der B 28. In einer kleinen Werkstatt reparierte und wartete Friedrich Löffler Kraftfahrzeuge aller Art und betrieb nebenan die Esso-Tankstelle. Ab 1956 wechselten die Marken in rascher Folge: Die ersten zwei Jahre war die Werkstatt Fiat-, von 1958 bis 1963 Skoda-Partner. Dann der Wechsel zu Renault.

1972 übernahmen Löfflers Sohn Ernst und seine Ehefrau Renate die Firma. Weil der Betrieb stark expandierte, wurde in Derendingen ein neues Autohaus gebaut – das 1988 eröffnet und 2000 erweitert wurde. 2002 wurde der Betrieb an die Esslinger Firma Fischer verpachtet (Grund war ein „Netzstrukturwandel“ bei Renault) und bereits zweieinhalb Jahre später, 2005, nach der Aufgabe von Fischer in Tübingen, wieder von Familie Löffler übernommen. Was Renault seinerzeit sehr begrüßt habe, erinnert sich Michael Löffler, der ebenfalls 2005 in dritter Generation Chef des Autohauses mit den Marken Renault und Dacia wurde.

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