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Automobile Gedankenspiele

Wer fährt eigentlich was? Man erfährt wenig von den automobilen Vorlieben und Macken von Menschen, die mit Firmenwagen unterwegs sind, wie wir etwa mit unseren kleinen blauen TAGBLATT-Flitzern. Sage mir, welches Auto du fährst, und ich sage dir, was für ein abgefahrener Typ du bist?

05.07.2015
  • Ernst Bauer

Wenn man diese schönen Modelle, kleine Wunderwerke der Ingenieurskunst, so nebeneinander stehen sieht wie jetzt am Wochenende bei der großen Automobilschau in Tübingen, fragt man sich unwillkürlich: Warum fahre ich eigentlich nun seit Jahren schon dieselbe Automarke? Die Hersteller und Händler nennen sowas wohl Markentreue. Aber mein Nachbar schaut mich immer etwas mitleidig an: ein „Japaner“. Er ist „Opelaner“, wie ich in meinen frühen Anfängerjahren.

Wozu braucht man überhaupt ein Auto? Um von A. nach B. zu kommen, klar. Mit Koffern, über lange Distanzen; im Urlaub. Oder jetzt am Samstag, um einzukaufen, die Getränkekisten heimzutransportieren. Haben von Köln nach B. jüngst sieben Stunden gebraucht. Vor allem um Karlsruhe und Pforzheim herum im Stau gesteckt. Das neue Navi führte uns zwar zielsicher auf die Umgehungsstraße – aber direkt in den nächsten Stau hinein. Das alte Navi habe ich entsorgt, weil es mir letzten Sommer auf der Autobahn empfahl: Bitte wenden! Helene Fischer sorgte in Stuttgart für zusätzliche Verstopfungen.

Aber dennoch macht mir das Autofahren – schon immer – Spaß. Schaue mir auch nach wie vor gerne Formel 1-Rennen an. Mein kritisches Verhältnis zur Marke mit dem Stern beginnt sich meist dann zu entspannen, wenn ich – wie dieser Tage in der Uhlandstraße – eines dieser großen alten Mercedes-Cabrios entdecke. Als Lehrling bei Daimler geriet ich früher gelegentlich in Kollision mit den Parkplatzwächtern, wenn ich mit meinem kleinen Renner vor der Konzernzentrale vorfuhr: DKW-Junior, mit großem Peace-Zeichen statt Mercedes-Stern auf der Fahrertür.

Nix wie weg da!, scheuchten sie mich von der Bildfläche, bevor die dicken Vorstandslimousinen anrollten. Fuhr selber dann später Opel, wie jeder bürgerliche Popel – so spöttelte man damals. Erst einen weißen Kadett A, dann einen roten Kadett B. Und nun, seit Jahren schon, halt „Japaner“. Es ist schon seltsam, was für ein enges Verhältnis manche Leute zu ihrem Automobil entwickeln. Sie nennen es Ede oder Toni; oder schwören auf ihre skandinavische Marke: alter Schwede! Will mich da gar nicht ausnehmen; hatte auch mal einen „weißen Hai“ und zwischendurch einen schnellen Passat, polizeigrün. Meine Frau mahnt mich gelegentlich noch heute, meine Fahrweise endlich meinem Alter anzupassen.

Der grüne Ministerpräsident des Landes bekam im RTL-Journal jüngst – so erschien es mir wenigstens – fast glänzende Augen, als er erzählte, wie stark der C02-Ausstoß seines Dienst-Daimlers während seiner Amtszeit bis jetzt schon abgenommen habe. Dank dieser fortschrittlichen Hybridtechnik, der unglaublichen Ingenieurskunst, die in so einem Fahrzeug stecke.

Man muss ihm beipflichten: Theoretisch ist da alles drin, technologisch offenbar nichts mehr unmöglich. Grenzenlose E-Mobilität, öffentliches Carsharing, entspannte Bewegung von B. nach A., mit ausgeklügelten Programmen elektronisch gesteuert. Eigentlich müsste man nur noch die postfordistische Produktionsweise etwas umsteuern; so dass künftig nicht immer wieder Leute überfahren, ausgebremst, ganze Betriebe platt gemacht werden, Händler unter die Räder kommen.

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05.07.2015, 12:00 Uhr

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