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Altes Blech vom Feinsten

Automuseum Engstingen bietet für Oldtimer-Freunde einen ganz besonderen Service

Das Automuseum Engstingen zeigt nicht nur viele historische Autos und Zweiräder mit teilweise ganz besonderen Geschichten. Für Oldtimer-Liebhaber bieten die Macher auch noch einen ganz besonderen Service an.

24.08.2015
  • Thomas de Marco

Großengstingen. So souverän wie Beate Beck, 47, über Automarken, Hubraum oder Motoren plaudert, könnte man meinen, die Führerin im Engstinger Museum wäre in einer Auto-begeisterten Familie groß geworden. Doch weit gefehlt: Als sie noch stellvertretende Kämmerin von Engstingen war, wurde sie 2007 quasi dazu abkommandiert, sich um das 1985 eröffnete Automuseum zu kümmern, nachdem der Ausstellungschef gegangen war.

Längst fährt sie auch selber gerne einen Oldtimer, einen VW-Kübelwagen 181. „Das ist eine schleichende Sucht, die einen nicht mehr loslässt“, sagt Beck, die von einem Karmann Ghia träumt. „Ich bin hier ein Automensch geworden, aber richtig!“ Diese Szene bestehe aus ganz besonderen Leuten, „die müssen Sie einfach mögen!“ Sie habe auch nie zu spüren bekommen, dass sie neu in diesen Kreisen sei.

Mittlerweile ist die 47-Jährige als Kämmerin zur Gemeinde Hohenstein gewechselt – und macht trotzdem noch ehrenamtlich ihre Führungen im Museum. Wie es der frühere Engstinger Bürgermeister Klaus-Peter Kleiner bei ihrem Wechsel verfügt hatte: „Das Museum nehmen Sie aber mit!“

Diese Ausstellung ist die einzige in Deutschland, die von einer Kommune betrieben wird, sagt Beck. Das Geld, das die große Konkurrenz der privaten Museen habe – allen voran Daimler oder Porsche –, könne Engstingen nicht aufbringen. „Deshalb gehen wir unseren eigenen Weg mit Autos von Otto-Normal-Verbrauchern mit den entsprechenden Spuren.“ Ergänzt wird die Schau durch Alltagsgegenstände aus der jeweiligen Zeit wie Möbel, Fernseher, Radios, Camping-Ausrüstungen, aber auch Automobilisten-Zubehör von Brillen bis Kindersitzen.

Den Grundstock für das Museum hatte Siegfried Stotz zusammengetragen: 50 Oldtimer, mit denen das Museum in einer 1984 aufgelösten Strickwarenfabrik ein Jahr später eröffnete. 1987 starb Stotz, der seine Fahrzeuge dem Museum zum Nießbrauch hinterließ.

Darunter auch der Porsche 356 A, Baujahr 1956, der den Spitznamen „Dame“ bekam. Denn dieses Auto hatte nur 60 PS und sei deshalb auch von Frauen gut zu steuern gewesen, erklärt Beck die Herkunft dieses Attributs.

Zurück in die Zukunft, heißt es bei einem DeLorean, wie er im gleichnamigen Film zum Einsatz kam. Eines von höchstens 8000 Exemplaren, die 1981/82 im nordirischen Dunmurry serienmäßig gefertigt wurden, steht in Engstingen. Doch was der ehemaligen General-Motors-Vizepräsident John DeLorean als Sportwagen konzipiert hatte, kostete letztlich 21 000 statt 12 000 Dollar – und war sehr fehleranfällig. Als sich der deutsche DeLorean-Klub in Engstingen mal getroffen hat, mussten 4 von 16 der gemeldeten Fahrzeuge zur Reparatur in Werkstätten, erzählt Beck.

Das Museum bietet einen ganz besonderen Service: Wer verrückt ist nach Oldtimern und den entsprechenden Partner gefunden hat, kann dort sogar heiraten. Dann werden die vielen Motorräder, die in Engstingen ebenfalls zu sehen sind, herausgerollt. Sie machen Platz für die standesamtliche Trauung zwischen einem Mercedes 300 Cabriolet, in dem schon Bundeskanzler Adenauer fuhr, einem als Gangster-Limousine bekannten Citroën 11 B von 1952 (links) oder einem Fiat Sport von 1942 (ganz links).

Letzterer ist das einzige übriggeblieben Exponat aus dieser Zeit – und hat auch seine eigene Engstinger Geschichte: 1988 wollte Fiat das Auto nach Italien nehmen, um es im hauseigenen Museum auszustellen. Doch die Engstinger lehnten ab, stattdessen durften die Italiener den Oldtimer vor Ort nur vermessen und fotografieren, um zu Hause Konstruktionspläne für einen Nachbau zu erstellen.

Ungefähr 10 000 Besucher kommen jedes Jahr ins Automuseum auf der Alb, darunter sind 1000 Stammgäste, die in jeder Saison auftauchen, sagt Führerin Beck. Häufig seien die Frauen, die sich nicht für Oldtimer interessieren, vor dem Museum im Auto oder Bus sitzengeblieben, erzählt sie. Um sie doch in die beiden Stockwerke mit den historischen Autos und Zweirädern zu locken, haben sich die Macher etwas einfallen lassen: Mittlerweile wird dort in einigen Vitrinen auch altes Porzellan ausgestellt.

Bilder: de Marco

Automuseum Engstingen bietet für Oldtimer-Freunde einen ganz besonderen Service
Beate Beck mit einem Fiat-Sportwagen, Baujahr 1942. Damals wurden als Prototypen gerade mal drei dieser Fahrzeuge gebaut. Heute ist der Oldtimer ein Unikat. Er misst 1100 Kubikmeter, hat 35 PS und schafft als Höchstgeschwindigkeit 130 Stundenkilometer. Bild: Haas

Automuseum Engstingen bietet für Oldtimer-Freunde einen ganz besonderen Service

Einmal im Jahr lädt das Automuseum Engstingen zum Roller- und Kleinwagentreffen – die 15. Auflage steigt nun am 15. Oktober. Bis zu 1000 Oldtimer rollen dann nach Engstingen. Dabei nehmen die Verantwortlichen auch Kontakte auf zu Sammlern, die ihre Fahrzeuge als Leihgaben für Sonderausstellungen hergeben. Derzeit ist diese den NSU-Prinz-Autos gewidmet. „Fahre Prinz und du bist König“, heißt es im Museum. Die Firma war 1873 in Riedlingen gegründet und 1880 nach Neckarsulm verlegt worden. Ursprünglich wurden Strickmaschinen hergestellt, ab 1886 dann Fahrräder und von 1901 an Motorräder. 1906 begann die Entwicklung von Automobilen, 1911 waren die Hälfte aller Motorräder auf der Welt von NSU. 1930 an Fiat verkauft, produzierte die Firma im Zweiten Weltkrieg Kettenkräder und Volksmotorräder. 1957 wurde die Autoproduktion wieder aufgenommen. Weil der Prinz so gut lief, wurde die Motorradherstellung eingestellt. 1969 fusionierte NSU mit der VW-Tochter Auto-Union zu Audi. Das Automuseum in Engstingen ist noch bis zum 8. November geöffnet, Zeiten siehe unter www.automuseum-engstingen.de im Internet.

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24.08.2015, 12:00 Uhr

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