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Mobil ohne Auto: 30 000 auf voller Fahrbahn

Autos weg, dafür Gefahr durch Rennradler

50 Kilometer Straße waren gestern auf voller Breite für Autos gesperrt: ein Paradies für Freizeit-Radler und Inline-Skater. Ganz ungefährlich war es trotzdem nicht. Der sonnige Tag wurde am Ende von einem tödlichen Sturz überschattet.

20.09.2010
  • Werner Bauknecht

Rottenburg/Horb. Rund 30 000 Leute beteiligten sich gestern am Aktionstag „Mobil ohne Auto“ im Oberen Neckartal, schätzten die Veranstalter vom Tourismus-Verband „Neckar-Erlebnis-Tal“. Manche radelten oder inlinerten die gesamten 50 Kilometer von Sulz bis nach Rottenburg; die meisten absolvierten kürzere Etappen oder ließen es einfach neckarabwärts rollen. Vorwiegend Fahrradfahrer waren unterwegs, viele im Familienverbund. Dazu Inline-Skater und einige wenige Fußgänger. Sogar zwei Reiter waren auf der Strecke.

Die Bahn setzte mehrere Sonderzüge mit Gepäckwagen für den Fahrradtransport ein. Die Verbindungen nach Horb waren am späten Vormittag brechend voll. In den Anfangsjahren gab es dabei häufig Probleme. Doch beim achten Durchlauf von „Mobil ohne Auto“ hat sich auch der Fahrradtransport eingespielt. Selbst vom Umsteigebahnhof in Horb, der beim Transport der Fahrräder Schwierigkeiten macht, wusste man Gutes zu berichten. „Die Helfer dort“, so Gunter Schilling, „haben den Kindern die Räder sogar in den Zug getragen.“

An den Unterwegs-Bahnhöfen und in den Zügen halfen Mitglieder der Volleyball-Abteilung des TV Rottenburg. „Keine Beschwerden“, berichtete Kathrin Neu. „Wir haben alle Räder gut untergebracht.“

Der Schwalldorfer Hans Fischer fährt jedes Jahr mit ein paar Freunden mit: „Da nehmen wir uns den ganzen Tag Zeit, kehren ein, wenn’s sein muss auch ein paar Mal. Und abends sind wir müde.“

In Bad Niedernau war schon vor elf Uhr Betrieb auf dem Bobbycar-Parcours. Daneben präsentierte der Oberndorfer Solar-Unternehmer Thomas Hartmann sein Elektromobil „Twike“: „Es ist bis zu 95 Stundenkilometer schnell“, sagte er stolz.

Auch viele Elektro-Radler waren gestern unterwegs. Der Tübinger Arzt Wolfgang Raiser, der mit seiner Ehefrau nach Horb radelte, findet das gut: „Dadurch kommen viele wieder zum Radfahren zurück, denen es bisher nicht möglich war.“

Am Obernauer Buswartehäuschen standen Kai Thoma und Peter Schaal von „Dust Bike“ aus Rottenburg (siehe Foto rechts). „Kleine Reparaturen machen wir sofort“, sagte Thoma. „Wir haben unsere halbe Werkstatt mitgebracht.“ Bis zum Mittag gab es aber nur eine Bremse und eine Schaltung nachzustellen.

Aber auch ohne Verbrennungsmotoren war es auf der L 370 nicht ganz ungefährlich. Viele Freizeitradler ärgerten sich über formationsfahrende Inline-Skater und Rennradler, die im Höllentempo über die Asphaltpiste brausten. Elvira Bäumer, Mutter eines Sechsjährigen, ärgerte sich: „Endlich kann Marc in aller Ruhe auf der Straße fahren. Und jetzt muss ich aufpassen, dass kein Rennradler in ihn reinfährt.“

Zum Einkehren gab es in jeder Ortschaft Gelegenheit. An einigen Stellen ging allerdings schon am frühen Nachmittag das Essen aus. Geradezu idyllisch war es in Eyach beim Vereinsheim des „Angel- und Naturschutzvereins“ Weitingen (ANV). Dort konnte man sich in den Garten setzen und zuschauen, wie die Forellen zubereitet werden. „Wir haben 180 Forellen zum Backen und 100 zum Räuchern gekauft“, sagte Harald Dold, Vorsitzender des Vereins und Leiter der „Neckartal Ranger“.

Wie berichtet, steht die Finanzierung (und damit die Fortsetzung) des Aktionstags jedes Jahr auf der Kippe. Verständnis dafür hatte gestern keiner, der vom TAGBLATT danach gefragt wurde. Neckartal-Ranger Dold etwa meinte, man müsse die Veranstaltung alleine schon deshalb erhalten, um damit den Menschen den Naherholungswert der Region nahe zu bringen. Zur Finanzierung müsse man halt örtliche Sponsoren finden.

Auch Kai Thoma von „Dust Bikes“ hofft, dass der Aktionstag erhalten bleibt. Die Vereine und Firmen entlang der Strecke wären sicherlich bereit, eine Art Standgebühr zu bezahlen.

Elke Spielvogel von der mitveranstaltenden Rottenburger Wirtschaftsförderungs- und Tourismusgesellschaft (WTG) war gestern Nachmittag optimistisch. Der diesjährige Tag sei schließlich „perfekt“ gewesen (zu diesem Zeitpunkt war der tödliche Fahrrad-Sturz in Rottenburg noch nicht bekannt). Unter den Veranstaltern kursierte gestern sogar schon ein möglicher Termin für den neunten Aktionstag „Mobil ohne Auto“: Sonntag, 25. September 2011. Bilder: Mozer

65-jähriger Radler aus Horb stürzt und stirbt

Er war fast schon am Ziel: In der Niedernauer Straße in Rottenburg (beim Edeka) stürzte gegen 17 Uhr ein 65-jähriger Fahrradfahrer und starb kurz darauf an seiner Kopfverletzung. Der Mann war im Rahmen von „Mobil ohne Auto“ in Richtung Bahnhof unterwegs. Nach dem Sturz sei er noch ansprechbar gewesen, berichten Zeugen, habe dann aber das Bewusstsein verloren. Der Notarzt versuchte vergeblich, den Verletzten wieder zu beleben. Warum der 65-Jährige gestürzt war, blieb gestern unklar. Der Mann war wohl alleine unterwegs. Zeugen hatten keine Fremdeinwirkung beobachtet.

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20.09.2010, 12:00 Uhr

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