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Edvin hat’s geschafft

Avdijaj-Kinder überbringen bei der Gomaringer Open-Air-Filmnacht gute Nachrichten

Ein lauer Sommerabend, erinnerungsträchtige Musik von der Gönninger Band „360 Grad“, ein anrührender Film und nur positive Botschaften von den Kindern der Familie Avdijaj, die vor elf Jahren in den Kosovo ausreisen mussten. Kein Wunder, dass der Schlosshof am Donnerstag bei der 15. Open-Air-Filmnacht so gut besucht war wie noch nie.

02.08.2014
  • Susanne Mutschler

Gomaringen. „Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen“, bedankte sich der 24-jährige Edvin Avdijaj bei seinen Gomaringer Freunden für die jahrelange Unterstützung. Gestern war sein erster Arbeitstag bei der Stuttgarter Firma Hays, wo er als „Account Manager“ einsteigt. Sein Arbeitsgebiet wird die Rekrutierung von freiberuflichen Fachkräften sein. „Edvin hat abgeschlossen, sich beworben und wurde sofort genommen“, sagt seine ein Jahr ältere Schwester Elvira bewundernd. Wie in jeden Sommerferien seit ihrer erzwungenen Ausreise 2003 kamen die – inzwischen erwachsenen – Avdijajs nach Gomaringen, um über ihre Fortschritte zu berichten und um alte Freundschaften zu pflegen.

„Edvin hat’s geschafft“, strahlte Andreas Foitzik vom Gomaringer Unterstützerkreis. Das erste der drei Avdijaj-Kinder steht auf eigenen Füßen und hat für die kommenden beiden Jahre eine Aufenthaltsgenehmigung. Seit elf Jahren setzt sich der Freundeskreis für die Familie ein, die einer Abschiebung nur durch eine „freiwillige“ Ausreise zuvorkommen konnte. Noch immer fließt jeden Monat Geld für ihren Unterhalt in den Kosovo, denn die Eltern haben trotz fachlicher Eignung nie mehr Arbeit gefunden. Die Avdijajs sind Ashkali und gehören damit einer auf dem Balkan wenig angesehenen Minderheit an.

Von Anfang an strengten sich Edvin, Elvira und Elvir Avdijaj an, um über gute Bildungsabschlüsse ihren Weg zurück nach Deutschland zu machen. Gute Noten im Gymnasium und an der Hochschule im Kosovo waren ihre Trittsteine. Elvir, mit 21 Jahren der Jüngste in der Familie, wohnt noch bei den Eltern. Der Business Administration-Student absolviert derzeit ein begehrtes Praktikum an der Procredit-Bank, wo er die Kosovaren vom Online-Banking zu überzeugen versucht. Die Möglichkeit einer späteren Festanstellung sei ihm angedeutet worden, weiß Elvira. Doch auch Elvir zieht es nach Deutschland, um ein Masterstudium anzuschließen.

Seine älteren Geschwister Edvin und Elvira kamen vor zwei Jahren mit Bachelorzeugnissen und Stipendien für Master-Aufbaustudien in der Tasche in Deutschland an. Elvira hat noch ein Studienjahr an der Steinbeis-Hochschule für International Business und Entrepreneurship in Stuttgart-Plieningen vor sich. Durch das dual angelegte Hochschulsystem kann sie sich selbst finanzieren. Neben ihren Seminaren, Vorlesungen und Projekten bewältigt sie das Qualitätsmanagement für die Studienprogramme. Ihre Arbeitstage sind lang, allein die Anfahrt zur Uni dauert morgens und abends jeweils zwei Stunden. Manchmal geht auch der Samstag noch fürs Studieren drauf. „Für einen Freund bleibt da keine Zeit“, sagt sie als fröhlicher Single. Dass sie die freundschaftlichen Kontakte zu den anderen Studierenden ebenso genießt wie die fachlichen Herausforderungen, ist ihr anzumerken. In drei Wochen nimmt sie an einem Studienaufenthalt in Brasilien teil.

Edvin hat seinen Master an der Fachhochschule für Betriebswirtschaft und Management in Sigmaringen gemacht. „Jetzt fange ich da an, wo ich eigentlich hingehöre“, kommentiert er seinen Einstieg ins deutsche Berufsleben. Die Treue, mit der die Gomaringer in den vergangenen Jahren zur Familie der Avdijajs gestanden haben, rührt ihn sichtlich. „Davon hätten wir vor zehn Jahren nicht zu träumen gewagt“, erinnert sich seine Schwester an ihre bedrückende Anfangszeit im Kosovo.

Beim preisgekrönten Film „Deine Schönheit ist nichts wert“ mögen den Geschwistern die Bilder ihrer eigenen Ausreise wieder durch den Kopf gegangen sein. Der Regisseur Hüseyn Tabak erzählt von der Lage einer kurdischen Flüchtlingsfamilie in Wien, wie sie der 12-jährige Sohn Veysel erlebt. Der Junge ist einsam, verwirrt und verweigert jede Integration. Er wird zum Außenseiter und Problemschüler. Erst seit er sich in Ana verguckt hat, beginnt er, sich auch mit der deutschen Sprache anzufreunden. Er lernt ein Liebesgedicht des kurdischen Sängers Asik Veysel auswendig, das ihm sein türkischer Nachbar übersetzt hat. Doch bevor er es Ana vortragen kann, wird deren Familie abgeschoben. In letzter Sekunde steckt Veysel seiner Freundin den Zettel mit den Versen zu.

Info: Spenden gehen an den „Unterstützungskreis Avdijaj“, Kontonummer 25707000, bei der VR-Bank Steinlach-Wiesaz-Härten, BLZ 640 618 54, oder an die Evangelische Kirchengemeinde Gomaringen, Kontonummer 17000, Stichwort: „Studium“ (mit Spendenquittung), ebenfalls bei der VR-Bank Steinlach-Wiesaz-Härten, BLZ 640 618 54.

Avdijaj-Kinder überbringen bei der Gomaringer Open-Air-Filmnacht gute Nachrichten
Elvira und Edvin Avdijaj berichten im Gomaringer Schlosshof, was sich im vergangenen Jahr verändert hat.Bild: Rippmann

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02.08.2014, 12:00 Uhr

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