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Axolotls rosa Spielwiese
Schuf das erste Logo: Albrecht Dürer. Foto: Gerda Meier-Grolman
Ausstellung

Axolotls rosa Spielwiese

Erlebnisräume der besonderen Art hat Michael Müller in der Staatlichen Kunsthalle in Baden-Baden eingerichtet.

28.12.2016
  • DPA

Baden-Baden. Fantasielosigkeit ist eine Eigenschaft, die dem Direktor der Baden-Badener Kunsthalle, Johan Holten, völlig abgeht. Schließlich war er Bühnenbildner, gehörte einmal zu John Neumeiers berühmter Hamburger Tanztruppe, er weiß also genau, wie man sich große Auftritte vorzustellen hat und wie man sie publikumswirksam inszeniert. Aber als er den Berliner Kunst-Tausendsassa Michael Müller (Jahrgang 1970) für eine Präsentation in seine Kunsthalle an der Lichtentaler Allee eingeladen hat, konnte er sicher nicht ahnen, was da über ihn hereinbrach.

Holten beschäftigen Vorstellungen, wie sich die schon etwas länger mit dem Staub der Geschichte gepuderten Kunst-Herbergen wieder zurückverwandeln lassen in Magie und Charisma spendende Erlebnisräume, die auch die bereits in virtuellen Welten schwebende Internet-Generation in ihren Bann ziehen. Tatsächlich wurde mit Michael Müllers „Skits“, den 13 in neun Räumen der Baden-Badener Kunsthalle arrangierten „Ausstellungen“ eine irrlichternde Wunderkammer aufgetan, die soviel überwältigende optische Anreize bietet, dass man lange damit beschäftigt ist, sein Sinnes-Sensorium daraufhin auszurichten. Zusätzlich hat der einfallsreiche Installationskünstler Michael Müller noch die auf rosa getrimmte Tanz- und Meditations-Performance „Dritte Probe für Nietzsches Geburtstagsparty 2313“ eingebunden, die die Aufnahmefähigkeit der Besucher auf eine weitere Probe stellt.

Zunächst einmal muss man sich seiner Schuhe entledigen, um Müllers Kunst-Universum anzugehen, denn da wurden in der Kunsthalle 16 Tonnen feiner Quarzsand verteilt, auf feuchten Tonplatten kann man seine eigenen Fußabdrücke begutachten, man passiert einen schaurig schönen dunklen Hades, ein Fitnessstudio öffnet sich, die Wände sind mit Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ in einer unentzifferbaren Geheimschrift tapeziert.

Dann wartet ein mit mexikanischen Schwanzlurchen, den Axolotl, besetztes Aquarium auf uns, auch ein sich im Spiegel betrachtender weißbeschopfter Kakadu gibt uns Rätsel auf. Stylisch in Schockfarben gehüllte Schaufensterpuppen posieren vor farblich passenden abstrakten Gemälden, in einem rosa getönten Raum stürmt eine Armada von echten und gefakten Kunst-Utensilien und Kunst-Zitaten auf uns ein. Das schönste Exponat ist der Albrecht Dürer mit der Vuitton-Tasche, die aber mit dem Monogramm AD darauf hinweist, dass der Nürnberger Altmeister längst vor unseren Zeiten wusste, wie man marktmächtige Marken-Logos prägt. Burkhard Meier-Grolman

Info Bis 19. Februar in der Kunsthalle Baden-Baden, Di-So 10-18 Uhr.

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28.12.2016, 06:00 Uhr

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