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Azubis dringend gesucht
Ein Auszubildender demonstriert in einer Werkstatt des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer in Erfurt (Thüringen) das Gasschweißen. Bundesweit haben die Lehrverträge ein Rekordtief erreicht. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Der Abwärtstrend bei der dualen Ausbildung setzt sich fort

Azubis dringend gesucht

Die neuen Ausbildungszahlen bestätigen den Trend: sachte, aber stetig bergab. Immer weniger junge Leute gehen in eine Lehre. Das Handwerk in Baden-Württemberg entwickelt sich aber gegen diesen Trend.

14.04.2016
  • DPA/MK

Berlin. Im Ausland bewundert, von jeder Bundesregierung in den höchsten Tönen gelobt - und bei Schulabgängern immer unbeliebter. Dem deutschen dualen Ausbildungssystem von Lehrbetrieb und Berufsschule geht es wie dem sprichwörtlichen Propheten, der im eigenen Land nichts gilt. Es wird immer schwieriger für die Wirtschaft, Nachwuchs zu gewinnen. Flüchtlinge sind in der Statistik noch nicht wirklich angekommen.

Wie sehen die aktuellen Lehrlingszahlen aus ? Das Statistische Bundesamt meldet seit Jahren ein Rekordtief nach dem anderen. Noch nie starteten in Deutschland so wenige Menschen in eine duale Ausbildung wie 2015 - mit 516 000 waren es noch einmal 0,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Die meisten jungen Frauen und Männer gingen in die Industrie (309 000), wo der Rückgang mit 1,1 Prozent aber auch besonders spürbar war. Das Handwerk (137 000) hatte mit 0,2 Prozent ein geringeres Minus zu verkraften. Die baden-württembergischen Handwerkskammern haben vergangenes Jahr 19 480 Lehrverträge abgeschlossen. Das waren 0,9 Prozent mehr als 2014. Die Industrie- und Handelskammern im Land vermeldeten für das Jahr 2015 einen Rückgang von 30 Ausbildungsverträgen auf 44 364.

Warum schafft es, das Handwerk in Baden-Württemberg Lehrlinge zu gewinnen? "Die Handwerksorganisationen investieren viel in Fachkräftesicherung", sagt Rainer Reichhold, Landeshandwerkspräsident. "Die Maßnahmen im Bereich der Nachwuchsgewinnung beginnen zu wirken. Das Handwerk ist vom Kindergarten bis an die Universität präsent und spricht Jugendliche mit Migrationshintergrund gezielt an." Darüber hinaus seien die Aussichten für Handwerker im Land "supergut", sagt Reichhold.

Welche Lehrberufe werden gern gewählt? In Baden-Württemberg sind die Ausbildungen zum Kfz-Mechatroniker oder zum Anlagenmechaniker recht beliebt. Auch Handelsberufe werden gern gelernt. Mangel herrscht hingegen in den Berufen des Gastgewerbes.

Wie haben sich die Studentenzahlen entwickelt? Gegenläufig zur den Azubi-Zahlen. Exakt 2 759 267 Studenten gab es im Wintersemester 2015/16 an deutschen Hochschulen. Vor 15 Jahren waren es nur knapp 1,8 Mio. Studenten.

Ist der Ruf der dualen Ausbildung denn so mies? Im Gegenteil - zumindest offiziell. Kanzlerin Angela Merkel und Bildungsministerin Johanna Wanka schwärmen bei jeder Gelegenheit, wie gut das System funktioniere. Viele ausländische Staatsgäste sind begeistert und würden die Kombination Lehrbetrieb/Berufsschule am liebsten in ihrem Land übernehmen. Auch die OECD sieht zum Studium "eine attraktive Alternative durch eine berufliche Ausbildung" in Deutschland, wirbt aber dennoch weiterhin für die Hochschulbildung.

Ist ein Studium für Job- und Verdienstchancen die bessere Lösung ? Die OECD verweist auf Zahlen, wonach der Anteil der Erwerbstätigen unter Hochqualifizierten bei 88 Prozent liege. Ein abgeschlossenes Studium sei der zuverlässigste Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Skeptiker wie der gegen einen "Akademisierungswahn" in Deutschland zu Felde ziehende Ex-Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, aber auch Wirtschaftsverbände halten dagegen. "Mit völlig absurden Botschaften wie "Wer studiert, verdient im Lauf seines Lebens eine Million Euro mehr"" werde jungen Leuten der Kopf verdreht, sagt Nida-Rümelin.

Könnten Hunderttausende junge Flüchtlinge gegen den Mangel helfen? Darauf setzen Wirtschaft, Arbeitsämter und Regierung. So sollen rund 10 000 junge Flüchtlinge rasch mit einem Qualifizierungsprogramm für die Ausbildung im Handwerk fit gemacht werden. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) stellt dafür 20 Mio. EUR zur Verfügung. Die Bundesagentur für Arbeit zieht mit. Auch die Industrie- und Handelskammern haben ein Aktionsprogramm gestartet.

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14.04.2016, 06:00 Uhr

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