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Baby-Jumbos sollen die Wilhelma attraktiver machen
Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin ist versiert im Umgang mit Elefanten. Furchtlos füttert er die 50-jährige Pama. Finanzministerin Edith Sitzmann hält lieber etwas Abstand von dem 3,8 Tonnen schweren Tier. Foto: Ferdinando Iannone
Tierhaltung

Baby-Jumbos sollen die Wilhelma attraktiver machen

Der Zoologisch-Botanische Garten baut am Standort des Schaubauernhofs eine Anlage, um die bedrohte Art der asiatischen Elefanten zu züchten.

25.04.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Stuttgart. Thomas Kölpin weiß, was Elefanten mögen. Der Wilhelma-Direktor reicht Pama Leckereien, und sie hebt brav den Rüssel. Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne), die auch mit aufs Bild soll, hält lieber einen Sicherheitsabstand zu der 50-jährigen Elefantenkuh ein. Man kann ja nie wissen, wie die 3,8 Tonnen schwere Pama mit Fremden umgeht. Schließlich hat sie sich kurz zuvor noch mit dem Rüssel Sand auf den Rücken geschüttet. Sand will sich die Ministerin nicht in die Augen streuen lassen.

Pama und die nur unwesentlich jüngere Zella sind die beiden einzigen Elefanten der Wilhelma. Bis 2010 waren es noch vier. Kurz hintereinander starben aber Vilja und Molly. Und Pama und Zella sind ebenfalls in fortgeschrittenem Alter. Die Elefantenhaltung in der Wilhelma droht zu Ende zu gehen. Dabei ist der Elefant das Wappentier des Zoologisch-Botanischen Gartens.

Badebecken für die Dickhäuter

Gerade deswegen war Edith Sitzmann am Montag in der Wilhelma, um eine glorreiche Zukunft der Elefanten-Haltung in Stuttgarts Zoo zu verkünden. Im Mittelpunkt einer neuen Asien-Anlage soll eine neue Elefantenwelt entstehen mit 11 700 Quadratmetern Außenfläche und einem Haus mit 5000 Quadratmetern Platz – zehnmal mehr als bisher. Ziel sei, eine Zuchtherde mit insgesamt 14 Tieren aufzubauen, sagte die Ministerin. Kölpin ging in die Details. Einen Zuchtbullen werde die Wilhelma erwerben, dazu sechs erwachsene weibliche Tiere mit ihren Kindern. Gerade die Babys gelten als Besucher-Attraktionen, und Kölpin erhofft sich davon einen Zuwachs.

Kölpin, der selbst wissenschaftlicher Kurator der Dickhäuter ist, möchte auch die Art der Haltung verändern: „Die Mindest-Haltungsrichtlinien wollen wir wesentlich überschreiten.“ Die Elefanten bekommen Badebecken, und die Tiere werden mehr auf sich bezogen werden, weil die Tierpfleger auf Distanz gehen – „protected contact“ nennt sich das im Fachjargon. Die Elefanten sollen ihrer natürlichsten Beschäftigung nachgehen können neben dem Fressen, und das ist die Aufzucht der Jungen. Dadurch werde das Sozialgefüge unter den Elefanten gefördert.

Die neue Elefanten-Anlage wird mit der Asienanlage einen neuen Standort am oberen Ende des Geländes an der Pragstaße erhalten – dort, wo im Moment der Schaubauernhof steht. Die Verlagerung in die Höhe ist laut Kölpin notwendig wegen des Rosenstein-Tunnels, der unterhalb des Zoogeländes verläuft. Vibrationen durch den Verkehr könnten Stress-Reaktionen bei den empfindlichen Elefanten auslösen, deswegen will man sie in größerem Abstand zum Tunnel platzieren.

Wie viel das Vorhaben kosten wird, steht laut Sitzmann noch nicht fest. Mit einem zweistelligen Millionenbetrag müsse man rechnen. Auf jeden Fall wird der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma dem Land als dem Eigentümer des Zoos beispringen. Nach 9,5 Millionen Euro für das Affenhaus wolle der Verein zehn Millionen Euro zuschießen, kündigte Vorsitzender Georg Fundel an. Eventuell werde der Verein auch bei den Planungskosten in Vorleistung treten.

Unsicher: Flusspferde am Neckar

Doch die konkrete Planung für das neue Elefanten-Gehege hat noch gar nicht begonnen. Der Bau, so Sitzmann, werde frühestens 2020 starten. Mit der Asien-Anlage selbst geht es jedoch früher los. Zunächst entsteht für 1,5 Millionen Euro ein Gehege für asiatische Huftiere. Ab 2019 soll der Bau für ein asiatisches Dorf mit verschiedenen Haustierarten angegangen werden, auch als Ersatz für den Schaubauernhof mit seinen zum Teil einheimischen Tieren. So wird es weiter Tiere zum Streicheln geben, darunter Kaschmir-Ziegen mit weichem Fell, Hängebauchschweine sowie Enten und Hühner.

Beginnen möchte die Wilhelma auch mit einer Zucht des Amur-Tigers, der größten Katzenart der Welt. Bliebe da noch die Idee, Flusspferde am Neckar zu halten. Fundel hatte das Thema zuletzt im Interview mit der SÜDWEST PRESSE am Samstag angesprochen. Doch die Ministerin zeigte sich am Montag reserviert. „Das ist eine Idee. und es bleibt vorerst eine Idee“, sagte sie.

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25.04.2017, 06:00 Uhr

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