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Planung bleibt weiter unklar

Backsteingebäude bald für EKZ abgerissen / Kinobetreiber äußert sich skeptisch zum Konzept

Beim geplanten Einkaufszentrum ist weiterhin Stillstand. Der Investor legte weder ein endgültiges Konzept vor, noch ist die Kino-Frage geklärt. Dafür hat die Stadt Horb jetzt die Aushub-Arbeiten für das Postareal ausgeschrieben. Bis Ende Februar soll das Gebiet fertig zur Bebauung sein. Auch das Backsteingebäude wird im Zuge der Arbeiten abgerissen.

06.11.2015
  • dagmar Stepper

Horb. Hans-Jürgen Birk hat bis Ende des Jahres Zeit, seine endgültige Variante des Einkaufszentrum zu präsentieren. So wurde es im August im Ansiedlungsvertrag festgelegt. Drei alternative Nutzungskonzepte hat Birk dem Gemeinderat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause vorgelegt. Noch immer ist nicht sicher, welches er verwirklichen kann. Die Kino-Variante wäre mit rund 6700 Quadratmetern nicht nur die größte, sondern auch die Lösung mit dem meisten Charme. Ob ein Lichtspielhaus mit vier Sälen in einer Stadt wie Horb allerdings funktioniert, da gehen die Meinungen auseinander.

Keine Neuigkeiten vom Investor

Stefan Handel (46) ist eher skeptisch. Und er hat Erfahrung: Seit 20 Jahren betreibt er Lichtspielhäuser auf dem Land. Es sind kleinere Kinos, wie Nagold mit zwei Leinwänden oder Freudenstadt mit drei. Mehr wäre seiner Meinung nach in einer Stadt wie Horb nicht realistisch. 100 000 Besucher müssten jährlich kommen, um vier Säle wirtschaftlich zu führen. Um diese Zahl zu erreichen, bräuchte man eine Stadt mit über 30 000 Einwohnern. Horb kommt momentan auf knapp 25 000.

„Doch Städte wie Horb könnten durchaus ein Kino haben“, ist Handel überzeugt. Er selbst beweist in Nagold, dass das möglich ist. 35 000 bis 50 000 Besucher kommen hier jährlich. Handel setzt in Nagold auf Familienkino. Sprich, die Filme sind familienfreundlich – genauso wie der Eintritt, die Getränke und die Snacks. „Allein vom Eintritt kann man heute nicht mehr wirtschaftlich arbeiten“, sagt Handel. Daher braucht er den Umsatz mit Coke und Popcorn. Handel verrät auch sein weiteres Geheimnis: „Kleine Kinos auf dem Lande leben von den Betreibern vor Ort.“ So trifft man ihn meist in Freudenstadt im Kino an, seine Frau kümmert sich um Nagold.

Das Central-Kino in Freudenstadt hat Stefan Handel im März 2013 übernommen. 1,4 Millionen Euro hat er investiert. Er glaubt in Freudenstadt an den Erfolg, weil er ein bestehendes Kino modernisierte. Das sei einfacher, als ein neues Kino zu etablieren. „Ein komplett neues Kino-Konzept halte ich für sehr schwierig“, sagt er mit Blick auf Horb. Eine Wiedereröffnung des Olympia-Kinos würde er als Betreiber eher favorisieren. Aber das seien nur Gedankenspiele, betont Handel. Vor einigen Jahren wurde ihm das alte Horber Kino zur Pacht angeboten. Doch er hat abgelehnt: „Die Besucherzahlen waren zu niedrig, für mich kam es nicht infrage.“

Handel gibt zu, dass ein Kino in Horb für ihn Konkurrenz bedeuten würde. Etliche Horber kommen in seine Lichtspielhäuser nach Nagold und Freudenstadt. „Klar, ich würde mich nicht freuen, aber wir leben in einem freien Land“, sagt er. Activ-Group-Investor Hans-Jürgen Birk ist übrigens nicht an ihn herangetreten, ob er Interesse als Betreiber in Horb hätte.

Birk hatte gestern keine Neuigkeiten zu verkünden, ließ eine Mitarbeiterin ausrichten. Horbs Stadtplaner Peter Klein weiß zumindest, dass der Investor nicht erst am 31. Dezember seine Variante für die Neckar-Arkaden präsentieren wird. „Wahrscheinlich gibt er im November Bescheid“, sagt Klein. Die Stadt hat derweil die Vorbereitungen für die Bebauung in die Wege geleitet. Der Teilaushub am Postareal wurde öffentlich ausgeschrieben. „Das hat nichts mit dem Einkaufszentrum zu tun, sondern mit möglichen Altlasten“, erklärt Klein. Die Stadt muss das Gelände „baulastfrei“ übergeben. Im hinteren Teil des Areals befand sich früher eine Tankstelle, der Boden ist daher teilweise verunreinigt. Wie stark, das lässt sich momentan noch nicht sagen. Aufschluss werden erst Probebohrungen geben. Vorsorglich hat der Gemeinderat aber 480 000 Euro für die Entsorgung bereitgestellt. Die wären fällig, wenn der komplette Aushub Sondermüll wäre.

Neckar-Arkaden müssen 2017 eröffnen

In der Ausschreibung steht, dass spätestens Ende Februar die Aushubarbeiten beendet sein sollen. Gleichzeitig soll auch der alte Backsteinbau abgerissen werden. Er steht eigentlich unter Denkmalschutz, aber im Zuge eines Neubaus – wie mit den Neckar-Arkaden – hat das Regierungspräsidium einen Abbruch genehmigt. Die Stadt schiebt die Bauarbeiten so lange wie möglich nach hinten raus. „Bis die Activ-Group aktiv wird“, erläutert Klein.

Anfang 2016 will sie Birk aber ein baufertiges Gelände zur Verfügung stellen, damit Birk durchstarten kann. Denn der Zeitplan drängt. „Wir müssen spätestens im ersten Halbjahr 2016 anfangen zu bauen“, hatte Oberbürgermeister Peter Rosenberger in der besaglichen Gemeinderatssitzung vor den Sommerferien betont. Denn: „Ende 2017 wollen und müssen wir eröffnen.“ Ansonsten könnten die Anker-Mieter von ihren Verträgen zurücktreten und das ganze Projekt wäre gefährdet.

Backsteingebäude bald für EKZ abgerissen / Kinobetreiber äußert sich skeptisch zum Konzept
Die Stadt hat jetzt die Aushubarbeiten für das Postareal ausgeschrieben. Zeitgleich soll auch das alte Backsteingebäude abgerissen werden. Bild: Kuball

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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