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Keine Trinkwasserqualität

Baden-Badener Schlag ins Heilwasser

Schön wär's gewesen: Fast sieben Jahre lang mühte man sich in Baden-Baden um die amtliche "Herstellungserlaubnis für Thermalwasser zum Trinken", einfacher könnte man sagen: um eine Schankerlaubnis für ihr mineralreiches Wasser aus der Tiefe. Das warme Nass füllt in der Kurstadt nicht nur Thermalbäder für Gesundheitsbewusste, sondern sprudelt auch aus sieben Trinkbrunnen. Der Versuch war allerdings ein Schlag ins Wasser.

05.11.2015
  • STEFAN JEHLE

Dabei war das Ziel ehrgeizig: im Januar 2009 stellten die Bäderbetriebe beim zuständigen Regierungspräsidium Tübingen den Antrag auf Erteilung besagter Herstellungserlaubnis. Wenig später hatten sich Bäderverwaltung und Rathausspitze noch höhere Ziele gesetzt: das Prädikat Heilwasser, als Auslöser für den zusätzlichen Antrag auf arzneimittelrechtliche Genehmigung. So sollten an den Brunnen mit dem mineralhaltigen Wasser irritierende Schilder mit der Aufschrift "Kein Trinkwasser" vermieden werden.

Sieben Trinkbrunnen hat die Bäderstadt, im Renaissance-Saal des Friedrichsbades zum Beispiel oder am Fettbrunnen vor dem Bäderbau. Zwölf natrium-chloridhaltige Einzelquellen fördern in Baden-Baden Wasser aus bis zu 1800 Meter Tiefe mit einer Temperatur zwischen 56 und 69 Grad Celsius an die Oberfläche - mithin die heißeste und mineralreichste Quelle im ganzen Südwesten. Täglich werden 800 000 Liter ausgeschüttet und vor allem zum Baden genutzt.

Aus dem Heilwasser-Prädikat für die Baden-Badener Trinkbrunnen wurde nun doch nichts. Schlimmer noch: Nächsten Monat werden an den Trinkbrunnen der Kurstadt Warnhinweise angebracht. Informiert wird dann darüber, dass "das unbehandelte Thermalwasser naturbedingt Arsen und eventuell Legionellen und andere Keime enthält, die Erkrankungen verursachen können. Arsen hat eine kanzerogene Wirkung." Auch wenn es gefährlich klingt, läuft aus den Hahnen einfach wieder Thermalwasser aus dem Untergrund in ganz natürlicher Qualität. Unbehandelt, wie aus manchen der Baden-Badener Quellen schon seit Jahrhunderten.

Das Problem: Mitten im Antragsverfahren galten 2011 plötzlich nach EU-Richtlinien neue Grenzwerte für Arsen, die man in Baden-Baden auch mit einer Wasserbehandlung nicht in den Griff zu bekommen schien. Die Anlage zum Entarsenieren kostete rund eine Million Euro, die Betriebskosten wurden auf 200 000 Euro jährlich geschätzt. Eine weitere Hürde für die "Schankerlaubnis" kam hinzu: Die Zahl der Keime in teilweise uralten Zuleitungen war zu hoch. Seit Januar 2013 hatte man deshalb sämtliche Trinkbrunnen stillgelegt.

Für eine Kurstadt mit dem Renommee Baden-Badens sind trockengelegte Trinkwasserbrünnlein allerdings ein Unding. Auf Dauer jedenfalls. Oberbürgermeisterin Margret Mergen hatte sich zu Jahresbeginn "eine weitere Saison ohne die Thermalquellen nicht vorstellen wollen". Seit April 2015 sprudeln die Brunnen wieder - auf Probe. Und jetzt also wieder auf Dauer. Das hätte man vermutlich schon viel früher haben können.

Endgültig Abschied genommen von allen Wasserträumen haben die Verantwortlichen aber erst jetzt - mit dem formalen Rückzieher von dem Antrag auf "Trinkwasserqualität" und dem Ansinnen, das mutmaßliche Baden-Badener Heilwasser auch noch als Arzneimittel anerkannt zu bekommen. Von Dezember an wird zudem auf die Entarsenierung verzichtet.

Weil dann das Thermalwasser nicht mehr mit anderem Wasser vermischt wird, wird auch wieder wärmeres Nass aus dem Hahn fließen. Ein Pluspunkt im Winter. Am Ende bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich am mineralstoffhaltigen Wasser labt. Und ob er das als "Arznei" nimmt.

Baden-Badener Schlag ins Heilwasser
Von wegen Heilwasser: Schilder warnen an den Brunnen, aus denen das Thermalwasser sprudelt. Bald wird auch noch auf Arsen hingewiesen Foto: Stefan Jehle

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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