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Bahn legt Börsengang
ihrer Töchter auf Eis
Rüdiger Grube, der Vorstandschef der Deutschen Bahn, sieht keinen Sinn mehr in einem Börsengang seines Unternehmens. Foto: dpa
Staatsunternehmen

Bahn legt Börsengang ihrer Töchter auf Eis

Der Verkauf von Schenker und Arriva sollte Geld für Investitionen in die Kasse spülen. Wegen des Brexits jedoch wäre das nicht mehr lukrativ.

05.11.2016
  • DPA

Berlin. Die Bahn will ihre Konzerntöchter Arriva und Schenker vorerst doch nicht an die Börse bringen. Der Vorstand werde dem Aufsichtsrat bei der Sitzung am 14. Dezember sagen, „dass wir auf Basis der aktuellen Einschätzung einen Börsengang nicht empfehlen können“, sagte Vorstandschef Rüdiger Grube. Zustimmung dafür kam aus der Politik.

Hintergrund des Kursschwenks ist das Votum der Briten für einen EU-Austritt ihres Landes. Die Bahn wollte bis zu 45 Prozent ihrer britischen Tochter Arriva an die Londoner Börse bringen. Zusammen mit dem Teilverkauf der internationalen Logistiksparte Schenker sollte das zusätzliche 4,5 Mrd. EUR für ein groß angelegtes Investitionsprogramm einbringen.

„Durch den Brexit hat sich die Welt leider grundlegend verändert“, sagte Grube und verwies auf die Abwertung des britischen Pfunds. „Wir würden also Geld aus dem Fenster werfen – und ein solches Handeln wäre töricht.“

Der Aufsichtsrat hatte vom Vorstand im Mai ein Konzept für eine Kapitalbeteiligung Dritter an den Töchtern verlangt. Nun werde der Vorstand im Dezember Stellung beziehen und einen Börsengang nicht empfehlen, kündigte Grube an.

Positive Reaktion aus der Politik

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterstützte Grubes Brexit-Argument. Zudem senke die jüngst angekündigte Finanzspritze des Bundes für die Bahn den Druck, zusätzliche Einnahmen zu erzielen. „Deswegen ist es wahrscheinlich eine richtige Idee von Herrn Grube zu sagen: Momentan steht der Börsengang von Schenker und Arriva nicht an“, sagte Dobrindt in München.

Die SPD im Bundestag begrüßte die Entscheidung der Bahn. „Die SPD war von Anfang an skeptisch, ob ein Börsengang der richtige Weg ist, um so neue Investitionen der Bahn in Züge und Service zu generieren“, teilte Fraktions-Vize Sören Bartol mit. Der Bund hatte im September eine Finanzspritze in Höhe von 2,4 Mrd. EUR für die Bahn angekündigt. „Damit öffnet sich eine Tür, mit der wir nicht gerechnet haben“, sagte Grube damals.

Das Staatsunternehmen soll 1 Mrd. EUR für ihr Eigenkapital erhalten, zudem will der Bund in den nächsten vier Jahren auf je 350 Mio. EUR seiner jährlichen Dividende von der Bahn verzichten. Darüber entscheidet der Haushaltsausschuss des Bundestags am Donnerstag nächster Woche.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel sprach von „milliardenschweren Rettungspaketen“. „Die Bundesregierung meint, die Probleme der Deutschen Bahn mit viel Geld überdecken zu können.“ Es sei ein Konzept für die Bahn in Deutschland nötig, „anstatt Logistikgeschäften in Übersee Milliarden hinterherzuwerfen“.

Die Bahn braucht trotz Investitionen von 55 Mrd. EUR in den nächsten fünf Jahren zusätzliches Geld, damit die Schulden nicht aus dem Ruder laufen. Von der Summe trägt der Bund insgesamt 35 Mrd. EUR. Der Großteil des Geldes fließt in die Eisenbahn-Infrastruktur in Deutschland. Die Schulden der Bahn lagen Ende 2015 bei 17,5 Mrd. EUR. „Rund 20 Mrd. EUR sind hier die Obergrenze“, sagte Grube.

Die Börsengänge von Arriva und Schenker wären nicht vergleichbar mit jenem, der im Herbst des Jahres 2008 an den Finanzmarkt-Turbulenzen rund um die Pleite der US-Bank Lehman Brothers scheiterte.

Seinerzeit sollten bis zu 24,9 Prozent der Geschäftsfelder des Personen- und Güterverkehrs versilbert werden. Dazu wurde eigens der Teilkonzern DB Mobility Logistics gegründet, den die Deutsche Bahn inzwischen aufgelöst hat. dpa

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05.11.2016, 06:00 Uhr

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