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Bahn treibt Umrüstung voran
Etwa 80 Mitarbeiter rüsten die Züge in der Bahn-Werkstatt um. Unter anderem werden die Polster ausgetauscht. Foto: Bahn
Flottenumbau

Bahn treibt Umrüstung voran

Die DB Regio will aus den Negativschlagzeilen kommen und verweist auf Millioneninvestitionen zur Erneuerung der Fahrzeuge. Die Lage sei bereits deutlich stabiler.

06.04.2017
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Massive Zugausfälle und Verspätungen: Die Deutsche Bahn ist in den vergangenen Monaten gehörig unter Druck geraten, weil vor allem im Großraum Stuttgart auf der Schiene chaotische Zustände herrschten. Das Ganze gipfelte in einer Abmahnung des Landes, das obendrein einen Sonderbeauftragten einsetzte, der zusätzlich Dampf machte. Offenbar mit Wirkung. Jedenfalls sieht die Bahn seit drei Wochen eine Trendwende in Sachen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit eingeleitet. „Wir fahren stabiler, es sieht so aus, dass wir das nachhaltig hinkriegen“, sagte Martin Selig, Regionalleiter Produktion und Technik, am Mittwoch. Um das zu demonstrieren, hatte die Bahn in ihre Werkstatt im Stuttgarter Norden eingeladen. Neben der Werkstatt in Freiburg wird die Flotte dort nach und nach flott gemacht.

Diskrepanz im Land

Im vergangenen Jahr hatte das Verkehrsunternehmen den Betriebsauftrag für die Stuttgarter Netze verloren, bekam bei den Übergangsverträgen jedoch den Zuschlag. Eine Kernforderung des Landes in den Verträgen war, das alte Zugmaterial auszutauschen. Denn in den Augen von Kritikern fuhr gerade in Baden-Württemberg viel „Schrott“ herum. „Das kann man so nicht sagen“, stellte Alexander Burkhardt, der Leiter der Instandhaltung der DB Regio Baden-Württemberg, am Mittwoch fest. „Aber in der Tat hat es in den vergangenen zwei, drei Jahren eine Diskrepanz gegeben.“ Das sei dem Umstand geschuldet gewesen, dass die Verkehrsverträge später als in manch' anderen Ländern ausgelaufen seien, wo die Erneuerung somit schneller vonstatten gegangen sei.

Im Zuge der Übergangsverträge, die zum 1. Oktober in Kraft traten, wurden auf der bahninternen Börse etwa 200 Fahrzeuge aus anderen Teilen Deutschlands geordert, die jedoch teilweise auch nicht auf dem neuesten Stand waren. Sie werden jetzt nach und nach aus dem laufenden Betrieb genommen und aufgerüstet. Darunter sind 136 Doppelstockwagen, die die alten Silberlinge mit den schwer aufzustemmenden Türen ersetzen werden. 2020 sollen die alten Wagen der Gattung „n“ endgültig Geschichte sein.

Um die 200 hinzugezogenen Fahrzeuge auf Vordermann zu bringen, investiere man rund 23 Millionen Euro, erläuterte Martin Selig. Von den 136 Doppelstockwagen müssen 115 ertüchtigt werden, wobei nur noch 22 fehlen. Sie verkehren beispielsweise auf Franken-, Fils- und Remsbahn. Dabei werden unter dem Stichwort Redesign Polster und Fenster ausgetauscht, WC-Anlagen aufgewertet und LED-Leuchten eingebaut. Auf der Strecke Stuttgart – Lindau werden die Wagen zudem mit Videoüberwachung, WLAN und einem neuen Fahrgastinformationssystem versehen. Dort habe man auch bereits mehr Plätze für Fahrräder geschaffen. Rund die Hälfte der 200 Fahrzeuge wird obendrein mit Klimaanlagen ausgestattet.

Die Verjüngungskur sei objektiv gut gelungen, sagte Alexander Burkhardt, auch wenn er um die Beschwerden von Pendlern weiß, die seit Monaten marodes Wagenmaterial beklagen. Der Umbau der Flotte sei knifflig, verteidigten Burkhardt und Selig Schwierigkeiten bei der Erneuerung. Die Wagen aus anderen Bundesländern seien teils anders gestaltet und elektronisch ausgerüstet als die baden-württembergischen. Selig umschrieb es so: „Die Wagen sprechen nicht miteinander.“ Auch habe teilweise das Wissen über technische Feinheiten etwa bei der Türtechnik gefehlt.

Bei den Doppelstockwagen gebe es bundesweit an die 40 verschiedenen Bauarten, sagte Alexander Burkhardt zur Verdeutlichung. Das liege daran, dass die Bauaufträge mittlerweile europaweit ausgeschrieben würden, und jedes Bundesland unterschiedliche Anforderungen stelle. So dauert es zwischen zwei und vier Wochen, bis ein Fahrzeug angepasst ist. Spätestens bis Ende dieses Jahres soll das Umrüstungsprogramm jedoch abgeschlossen sein, sagte Alexander Burkhardt.

Der Bahnverkehr in Baden-Württemberg und vor allem im Großraum Stuttgart soll freilich schon früher wieder rundlaufen. In puncto Ausfälle gebe es bereits deutliche Verbesserungen. Selig: „Da haben wir jetzt eine Quote von 0,5 Prozent.“ Das sei in Fußballsprache annähernd Champions-League-Niveau. Umgerechnet sind das rund 50 ausgefallene Züge pro Woche im Land. Zum Vergleich: In den ersten vier Wochen des Jahres waren 478 Züge ganz und 472 teilweise ausgefallen. Bleibt noch das Sorgenkind Pünktlichkeit, zu deren Verbesserung Verkehrsministerium und Bahn bei einer Pressekonferenz am Montag mehr sagen wollen.

Bessere Kommunikation

Der Qualitätsbeauftragte für den Bahnverkehr, Gerhard Schnaitmann, wird ebenfalls dabei sein. Er habe geholfen, die Kommunikation zwischen beiden Parteien zu verbessern, finden Selig und Burkhardt. Auch mit Blick auf die erzielten Effekt sind die beiden daher überzeugt, dass eine zweite Abmahnung durch das Land abgewendet werden kann.

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06.04.2017, 06:00 Uhr

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