Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Nahverkehr

Bahn verliert die Stuttgarter Netze - und damit die Strecke nach Tübingen

Überraschung für die Deutsche Bahn: Sie fährt, obwohl billigster Anbieter, künftig auf keiner der durch Stuttgart führenden Nahverkehrsstrecken.

18.11.2015
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart Noch während Verkehrsminister Winfried Hermann gestern der Öffentlichkeit das mit Spannung erwartete Ergebnis mitteilte, welches Nahverkehrsunternehmen künftig die so genannten Stuttgarter Netze bedient, gab es bei der Regionaltochter der Deutschen Bahn lange Gesichter. Die DB-Regio bedient bislang das eine Milliarde Euro und 15 Millionen Zugkilometer umfassende Netz allein - ist vom Jahr 2019 an aber gänzlich außen vor. Der Grund, so Hermann nicht ohne Bedauern: Man habe die Bahn wegen eines Formfehlers aus dem Bieterverfahren werfen müssen.

Worum geht es? Die Stuttgarter Netze umfassen mehrere Abschnitte im Land, sie sind in drei Lose zusammengefasst: Los eins führt nach Bruchsal, Mannheim/Osterburken und Tübingen, Los zwei nach Crailsheim und Ulm, Los drei geht nach Aalen, Karlsruhe und Würzburg. Bislang werden alle diese Strecken von der DB Regio bedient.

Gestartet war der Vertrag im Jahr 2003 mit durchschnittlich 8,20 Euro pro Kilometer, heute liegt der Kilometerpreis bei 11,70 Euro. 2016 läuft der Vertrag aus, deshalb wurde neu ausgeschrieben - zu deutlich niedrigeren Preisen: Von 2019 an zahlt das Land unter sechs Euro pro Kilometer, bekommt dafür aber neueste Züge mit Internetanschluss. 75 Millionen Euro jährlich, verspricht Hermann, spare das Land so ein. Mit dem Geld, wie der gesamte Nahverkehr aus Zuschüssen des Bundes bezahlt, seien 20 Prozent mehr Nahverkehr auf der Schiene und kürzere Zeittakte zu finanzieren.

Die neuen Vertrags-Bedingungen gestehen jedem Unternehmen Anlaufkosten zu, die im ersten Jahr nicht über zehn Prozent zusätzlich liegen dürfen. Die DB, so Hermann, habe 11,5 Prozent zugrunde gelegt. So kam beim Los eins Abellio Rail zum Zug, eine Tochter der niederländischen Eisenbahn.

Die anderen beiden Lose gingen an Go-Ahead, ein britisches Privatunternehmen. Die Bahn, die bis 2028 den S-Bahn-Verkehr rund um Stuttgart betreibt, will nun, sagte ein Sprecher, weitere Schritte sorgsam prüfen. Sie könnte zunächst die Vergabekammer anrufen, letzte Instanz wäre das Oberlandesgericht. Sollte die DB Regio diesen Weg beschreiten, wäre fraglich, ob der neue Vertrag über die Stuttgarter Netze noch in der laufenden Legislaturperiode wasserdicht wird.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball