Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Glosse

Bahnfahren für Stoiker

Die Deutsche Bahn ist immer für ein paar Lacher gut. Die Züge kommen oft zu spät und manchmal einfach gar nicht.

16.02.2019

Von MORITZ CLAUSS

Beim Spotten übersieht man aber schnell: Eine Bahnfahrt ist ein Kurs für angehende Stoiker. Wer etwa mit der Bahn nach Stuttgart pendelt, lernt Gelassenheit und Selbstbeherrschung.

Da wären zum Beispiel die vielen Mitreisenden, die unbedingt als erste einsteigen wollen, auch wenn sie als letzte kommen. Sie drängeln wie Fünftklässler am Schulbus. Der stoische Pendler steht entspannt daneben und steigt als letzter ein. Die Sitze sind angeschraubt, sie laufen nicht weg.

Im Zug machen sich manche Bahnfahrer so breit, als hätten sie das Abteil für sich gebucht. Natürlich braucht der eigene Rucksack im vollen Wagen einen Sitzplatz. Immer ein interessanter Moment: „Ist hier noch frei?“ Die Augen des Blockierers sagen nein, seine Stimme sagt ja – er beugt sich dem gesellschaftlichen Druck. Wie schön.

Und erst all die Verspätungen. Verpasste Anschlusszüge, Zugausfälle. Die umgekehrte Wagenreihung, wegen der die Reisenden am Hauptbahnhof von Gleisabschnitt A zu D hetzen und umgekehrt. Oder der ICE, der statt in Stuttgart einfach mal in Esslingen hält – ist ja ungefähr dasselbe.

Der Philosoph im Pendler bleibt ruhig. Wenn ein Zug kommt, steigt er ein. Wenn kein Zug kommt, na dann eben nicht. Irgendwann kommt immer ein Zug. Doch wenn am Ende all die Gelassenheit nichts mehr hilft, dann – aber erst dann – regt sich der angehende Stoiker auf. Über die verdammte Deutsche Bahn! Immer dasselbe.

Zum Artikel

Erstellt:
16. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen