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Der Tourist

Bald Poetikdozent: Christoph Ransmayr

Mit Christoph Ransmayr hat die Poetikdozentur in ihrem 26. Jahr wiederum eine Galionsfigur weltumspannenden Erzählens gewonnen. Er kommt im Dezember nach Tübingen.

08.08.2012

Tübingen. Der Österreicher und Wahl-Ire Christoph Ransmayr ist, wie auch die Literatur-Kollegen Ilija Trojanow (Poetikdozent 2007) oder Raoul Schrott, ein passionierter Globetrotter. Sein neuestes, Ende Oktober erscheinendes Buch heißt „Atlas eines ängstlichen Mannes“ und soll eine „einzigartige, in siebzig Episoden durch Kontinente, Zeiten und Seelenlandschaften führende Erzählung“ werden. Ein „Weltbuch“, wie der Fischer Verlag mitteilt.

Mit seiner Ovid-Paraphrase „Die letzte Welt“ schaffte Ransmayr vor knapp 25 Jahren als Autor den Durchbruch. Als er den Roman 1988 in Tübingen vorstellte, war die Buchhandlung in der Gartenstraße vollgepfercht bis auf den letzten Platz. Im TAGBLATT-Gespräch gab sich Ransmayr als hart ringender Schreiber zu erkennen, der sich auch schon mal eine einzige Buchseite in sechs Wochen abtrotzen musste.

In Wertheimers Dream-Team

2004 holte der damalige Organisator der Poetikdozentur, Prof. Jürgen Wertheimer, Ransmayr auf ein Neues nach Tübingen. Und zwar für ein Literaturen-Forum – jene „Trainingseinheit“ zur Fußball-WM 2006, im Auftrag von André Heller als Heimspiel an der Tübinger Uni ausgerichtet. Eine Aufstellung mit so illustren Namen wie Imre Kertesz, Robert Schindel. Tankred Dorst (Poetikdozent 1997), Claudio Magris und Herta Müller (Poetikdozentin 2001).

Ransmayrs Poetik ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt offiziell noch so wenig umrissen wie seine Tübinger Begleitung. Denn die Poetikdozentur, die seit sieben Jahren unter der Leitung von Prof. Dorothee Kimmich steht, lädt sich inzwischen in der Regel zwei, manchmal sogar drei Gäste ein. Zuletzt waren dies Brigitte Kronauer, Dieter Asmus und Otto A. Böhmer, zwei Jahre zuvor das starke Trio Jonathan Franzen, Adam Haslett und Daniel Kehlmann.

In seiner Gedankensammlung „Geständnisse eines Touristen“ deutet Ransmayr ein paar poetologische Überlegung an, „Ein Dichter?“, heißt es da, „Nein, ich erhebe keinen Anspruch auf solche Titel. Ein Erzähler? Nennen Sie mich, wie Sie wollen. Auf Formularen, gebe ich zu, schreibe ich der Einfachheit halber gelegentlich Autor, aber das könnte ja auch der Verfasser der Gebrauchsanweisungen sein.

Auf Formularen sind mir die Felder am liebsten, in die sich einfach Tourist setzen lässt, denn Ahnungslosigkeit, Sprachlosigkeit, leichtes Gepäck, Neugier oder zumindest die Bereitschaft, über die Welt nicht bloß zu urteilen, sondern sie zu erfahren, zu durchwandern, von mir aus: zu umsegeln, erklettern, durchschwimmen, notfalls zu erleiden, gehören wohl mit zu den Voraussetzungen des Erzählens.“

Zur Zeit ist Christoph Ransmayr auf den Salzkammer-Festwochen in Gmunden zu Gast, wo er in vier Tagen am „Fest für Robert Menasse“ teilnimmt und über das Thema „Should I stay or should I go“ debattiert. Und kurz vorm Tübinger Auftritt vom 10. bis 14. Dezember (im Audimax) ist der Autor noch fürs Münchner Literaturfest gebucht.

Wilhelm Triebold

Bald Poetikdozent: Christoph Ransmayr
Christoph RansmayrArchivbild

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08.08.2012, 12:00 Uhr

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