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Horbs Primaballerina

Ballett ist Ginger Streibigs Leben / Große Gala am 14. November

Mit fünf Jahren fing Ginger Streibig mit Tanzen an. Ballett wurde zu ihrem Lebensinhalt. Das ist heute noch genauso, auch wenn sie die großen Bühnen verlassen hat und in die Rolle der Lehrerin geschlüpft ist. Bei der Ballettgala am 14. November stehen nun ihre 125 Schüler im Rampenlicht. Für den ganzen Rest gebührt aber Ginger Streibig die Ehre.

12.11.2015
  • dagmar stepper

Zur Zeit müssen Ginger Streibig vier bis fünf Stunden Schlaf pro Nacht reichen. Ihr ist davon nichts anzusehen. Lebhaft und voller Elan begrüßt sie die kleinsten ihrer Ballettschüler, die artig zum Unterricht kommen. Ihnen ist jedoch eine leichte Unruhe anzumerken: Es sind nur noch wenige Tage, bis zum großen Galabend der Ballettschule Ginger. Manche von ihnen haben dort ihren ersten Auftritt vor großem Publikum. Der Galabend ist auch die Ursache für Ginger Streibigs derzeitigen Schlafmangel. Denn der Galabend ist die Quintessenz aus zwei Jahren Ballettschul-Unterricht. 32 Tänze werden die 18 Klassen aufführen. Es ist eine Mix aus klassischem Ballett, Musical, Jazz- und Showtanz – und damit ein Spiegelbild von Ginger Streibig. Mit fünf Jahren hat sie mit Ballett angefangen, ab 14 besuchte sie die Ballettschule in Berlin. „Ich komme aus einer Künstlerfamilie“, erzählt sie, „und da wusste ich schon als Kind: Das musst du auch machen.“ Ihre Eltern hatten sich im Friedrichspalast in Berlin kennen und lieben gelernt. Sie wuchs mit Pirouetten und fliegenden Röcken auf, als Kind tourte sie mit ihren Eltern durch die Welt.

Ginger Streibig wurde in München geboren und wuchs in der DDR auf. Ihre Mutter stammte aus Leipzig, als die Mauer gebaut wurde, wohnte die Familie gerade dort. „Wir wurden verdonnert, dort zu bleiben“, sagt Ginger Streibig. Was das Reisen betraf, genossen ihre Eltern gewisse künstlerische Freiheiten. Ihr ging es später ähnlich. Auch sie gondelte quer über den Globus. Mit 18 Jahren landete sie beim Berliner Theater, später war sie Mitglied eines Tanzensembles. Sie hatte große Rollen, Charakter-Tänze waren ihre Stärke. „Ich tanzte fast immer die Gute und Liebliche. Dabei hätte ich viel lieber die bösen Rollen übernommen“, erzählt sie. Später war Ginger Streibig freiberuflich unterwegs. Denn mit dem Fall der Mauer 1989 änderten sich auch die Strukturen und die Finanzierung der schönen Künste in der ehemaligen DDR.

Wenn sie erzählt, dringt das Berlinerische durch. Sie lacht: Ja, das hat sie sich bewahrt. Auch wenn sie nun seit über 20 Jahren hier in der Gegend ist. Zu dieser Zeit wagte sie einen großen Schritt: Durch die Vermittlung eines Bekannten gab sie in Rottenburg Tanz-Workshops. „Er hatte drei Tanzschulen“, erinnert sie sich, „Und ich sagte spontan: Verkauf mir eine.“ Es war vielleicht eine verrückte Idee. Streibig musste einen Kredit aufnehmen und sie und ihr Mann umziehen. „Du willst von Berlin weg?“, fragten ihre Bekannten sie ungläubig. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Aber ich habe es nie bereut“, sagt Streibig heute.

Von ihren Tanzerlebnissen in der großen weiten Welt künden die viele Fotos, die in ihrem Büro hängen. Doch Ginger Streibig lebt im Hier und Jetzt. Und das heißt: Jetzt betreibt sie eine Ballettschule mit rund 125 Kindern. Doch ihr Anspruch ist gleich geblieben. Ja, Ballett ist ein Knochenjob, bestätigt sie. „Aber wenn man den Anspruch hat, in der ersten Reihe zu tanzen, dann nimmt man das in Kauf.“ Und sie hat diesen Ehrgeiz, richtig gut zu sein. „Das ist bei der Gala auch nicht anders.“

Daher ist sie die vergangenen Tage rast- und ruhelos. Es stehen die letzten Proben an. Die Kostüme werden verpackt. Für jeden der 32 Tänze gibt es individuelle Gewänder, die sie alle selbst genäht hat. „Es müssen um die 300 sein“, meint Streibig, „aber ich habe nicht so genau gerechnet, sonst bekomme ich einen Schock.“ Froh ist sie über die Unterstützung ihrer Tochter Georgia. Sie hat die künstlerische Tradition in der Familie fortgesetzt, ist Solotänzerin, unterrichtet inzwischen auch an der Ballettschule.

Hunderte von Schülerinnen hat Streibig in den vergangenen 20 Jahre das Tanzen beigebracht. Manche sind sogar die ganze Zeit dabei, wie vier ihrer Ginger-Girls. Andere wiederum hat sie an größere Bühnen gebracht. Ginger-Schülerinnen tanzen in Hamburg und Köln. Sie freut sich über die Erfolge, auch wenn sie „ihre“ Mädchen ungern ziehen lässt. Denn: „Sie sind wie meine eigenen Kinder.“

Info Karten für die Ballettgala am Samstag, 14. November, in der Bildechinger Halle gibt es noch heute im Vorverkauf von 15 bis 18 Uhr in der Ballettschule Ginger. Am Samstag ist die Abendkasse ab 17 Uhr geöffnet. Die Vorstellung beginnt um 18 Uhr.

Ballett ist Ginger Streibigs Leben / Große Gala am 14. November
Die Ballettschule von Ginger Streibig ist in diesem Jahr 20 geworden. Hunderte von Schülerinnen hat sie bereits unterrichtet. Bild: Kuball

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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