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Drogen-Prozess: Der älteste Angeklagte ist 76 Jahre

Bande soll 130 Kilo Kokain geschmuggelt haben

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen, zwei Staatsanwälte, 14 Verteidiger, fünf Dolmetscher: Mit großem Aufwand begann gestern am Tübinger Landgericht einer der größten Drogenprozesse der vergangenen Jahre im Land.

21.09.2012
  • Jonas Bleeser

Tübingen. Seit gestern müssen sich sechs Männer und zwei Frauen wegen bandenmäßigen Drogenhandels verantworten. Die jüngste Angeklagte ist 24 Jahre, der älteste 76. Alle acht sollen gemeinsam den Schmuggel von 130 Kilogramm Kokaingemisch in die Europäische Union organisiert haben. Die Ermittler gehen von einem Marktwert von rund vier Millionen Euro aus.

Für das Verfahren vor der Zweiten Großen Strafkammer gelten scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Wer in den Schwurgerichtssaal hinein wollte, musste seine Personalien angeben, wurde von Polizeibeamten in kugelsicheren Westen durchsucht. Handys und potenziell gefährliche Gegenstände bis hin zu Feuerzeugen mussten abgegeben werden. Auch im Saal 120 zeigten die Sicherheitskräfte Präsenz: Neben den neun Justizwachtmeistern, die die Angeklagten hereinführten, sicherten fünf bewaffnete Beamte einer Spezialeinheit der Justiz Fenster und Türen. Bis auf den offenbar leicht gehbehinderten 76-Jährigen mussten alle Männer Fußfesseln tragen, die ihnen auch während der Verhandlung nicht abgenommen wurden.

Die acht Angeklagten sitzen über das Land verteilt in Vollzugsanstalten von Hechingen bis Karlsruhe in Untersuchungshaft. Sie werden vor Gericht von insgesamt 14 Rechtsanwälten verteidigt, die teilweise aus Bremen, Frankfurt und Heilbronn kommen. Da die meisten Angeklagten kein Deutsch sprechen, wird simultan ins Spanische, Niederländische und Albanische übersetzt, wofür fünf Dolmetscher im Gerichtssaal sitzen.

Die Angeklagten stammen aus Albanien, Kolumbien, den Niederlanden und Spanien. Laut Anklage sollen sie vergangenes Jahr den Schmuggel von 130 Kilogramm Kokaingemisch beschlossen haben. Im Juli 2011 trafen sich, so die Staatsanwälte, zwei Männer, die derzeit noch auf der Flucht sind, mit einem Kontaktmann. Er sollte den Transport in die Europäische Union übernehmen – für 250 000 Euro. Doch der war ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. Die jüngste Angeklagte, eine 24-jährige Spanierin, übergab ihm in Frankfurt ein Blackberry-Handy. Damit sollte der Kontakt über Textnachrichten gehalten werden. Bei weiteren Treffen mit einem 44-jährigen Kolumbianer und seiner 38-jährigen Freundin soll der genaue Ablauf geplant worden sein: In einem Container mit Palmherzen-Konserven schipperte das Koks von Ecuador nach Antwerpen. Der LKA-Mann übernahm die Ladung und kutschierte sie nach Engstingen in eine ehemalige Fahrzeughalle der Bundeswehr im Gewerbegebiet Haid, wo die Falle der Ermittler im Dezember zuschnappte.

Die Handschellen klickten bei dem 76-jährigen Niederländer und seinem 33-jährigen Adoptivsohn sowie einem aus Argentinien stammenden 45-Jährigen und einem 52-jährigen Kolumbianer. Sie wollten laut Anklage 50 Kilogramm verkaufen, der Spediteur den Rest als Sicherheit in Engstingen lagern, bis er bezahlt worden wäre.

Der offizielle Teil des ersten Prozesstags war kurz: Es wurde wenig verhandelt, dafür viel gefeilscht. Bereits nach einer knappen Stunde wurde unterbrochen, damit Ankläger und Verteidiger nicht-öffentlich Gespräche über Geständnisse gegen Anträge auf niedrigere Strafen führen konnten. Weitere Unterhaltungen darüber sind auch für heute Vormittag geplant.

Außerdem gab das Gericht bekannt, dass die Staatsanwaltschaft am Montag überraschend fünf weitere Ordner mit Telefonprotokollen sowie Durchsuchungsergebnissen aus den Niederlanden nachgereicht hatte. Die Akten konnten noch nicht an die Verteidiger übermittelt werden. Damit die Zeit haben, sich einen Überblick zu verschaffen, soll der Prozess nach dem heutigen Verhandlungstag erst am 9. Oktober fortgesetzt werden.

Richter am Landgericht: Martin Streicher (Vorsitzender), Diana Scherzinger, Thomas Geiger; Schöffen: Horst Schmid, Horst Weisenburger; Staatsanwälte: Bernhard Henn, Nicolaus Wegele; Verteidiger: Walter Bronn, Anke Stiefel-Bechdolf, Gabriele Rittig, Claus-Michael Ullrich, Bernd Schultheiß, Andreas Eggstein, Stephan Lohrmann, Urs Heck, Johannes Omari, Christian Niederhöfer, Thomas Weiskirchner, Antonio Torralba Villaverde, Lars Wunderlich, Philipp Döringer.

Bande soll 130 Kilo Kokain geschmuggelt haben

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21.09.2012, 12:00 Uhr

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