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Regulierung

Banken: Risiko nicht zu hoch bewerten

Noch mehr Eigenkapital vorzuhalten, würde Kredite verteuern. Die Branche warnt vor den Folgen für die Wirtschaft.

29.10.2016

Von ROLF OBERTREIS

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BdB. Foto: dpa

Frankfurt. Der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) und der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) warnen vor einer Verschärfung der Regulierung. Über weitere Kapitalanforderungen wird derzeit im sogenannten Baseler Ausschuss diskutiert. Dort dringen vor allem die USA auf eine strengere Regulierung: Die Risiken in den Büchern der Banken sollen stärker berücksichtigt werden. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BdB, und sein Kollege Lothar Jerzembek von VÖB betonen: Sollten sich die Amerikaner durchsetzen, könnte dies dzu führen, dass Banken und Sparkassen bis zu 30 Prozent mehr Eigenkapital als bislang aufbringen müssen. Die Zinsen für Immobilien-, Projekt- und Infrastruktur-Finanzierungen würden damit steigen, die Laufzeiten würden sich verkürzen. „Letztlich könnte es Engpässe geben“, warnte Kemmer gestern in Frankfurt.

Es geht darum, ob deutsche Geldhäuser auch künftig eigene Modelle zur Bewertung der Risiken verwenden dürfen. Diese Verfahren hätten sich bewährt, sie seien auch von den Aufsehern geprüft, sagt Jerzembek. Die Institute könnten jeweils lokale Gegebenheiten besser berücksichtigen als bei einem einheitlichen Verfahren für alle Banken: „Diese aufsichtsrechtlich anerkannten Verfahren abzuschaffen oder deutlich einzuschränken, wäre ein erheblicher Nachteil für das europäische Finanzsystem und würde die Wirtschaft in Europa treffen.“

Die Regulierung ist nach Ansicht der Bankenvertreter freilich im Prinzip richtig. Sie sei nach der Finanz- und Bankenkrise 2008 notwendig gewesen, betont Kemmer. Die höheren Anforderungen hätten zu einer deutlich besseren Kapitalausstattung der Banken und einer damit besseren Absicherung gegen Risiken gesorgt. „Deshalb haben wir heute deutlich robustere Banken“.

Allerdings drohen die Aufseher inzwischen bei der Regulierung zu überziehen, sagen Kemmer und Jerzembek. Sie sei zu komplex, es gebe sich widersprechende Vorschriften, es fehle die Transparenz und die Geschäftsmodelle der Institute würden tangiert. Die Kosten für die Banken seien sehr hoch. „Damit droht die Regulierung zur Gefahr für die Finanzstabilität zu werden“, warnt Kemmer. otr

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Erstellt:
29. Oktober 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Oktober 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2016, 06:00 Uhr

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