Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Diskussionen im Landratsamt um den Nahverkehrsplan

Barrierefreie Bus-Debatten

Hundert Leute, hundert Ideen: Am Mittwoch lud der Kreis zur offenen Debatte über den Nahverkehrsplan. In Plenum und Arbeitsgruppen ging es um die künftigen Standards der ÖPNV-Versorgung.

15.06.2012
  • Eike Freese

Kreis Tübingen. Streit in Maßen, zahlreiche gute Ideen und viel Sachkenntnis von engagierten Bürgerinnen und Bürgern: das Anhörungsverfahren für den Nahverkehrsplan geht in die heiße Phase. Am Mittwoch trafen sich Laien und Experten zur offenen Debatte im Tübinger Landratsamt. Zwei Runden im großen Plenum und vier Arbeitsgruppen zu Kernthemen des Nahverkehrs sollten für ausreichende Teilhabe der Öffentlichkeit am aktuellen Entwurf sorgen.

Landkreis-Mitarbeiter zeigten sich begeistert von der Mitarbeit – und auch von Teilnehmern war viel Gutes über das Verfahren zu hören. Behinderten-Aktivist Gotthilf Lorch nutzte als einer von zahlreichen Interessengenossen das Forum: „Wir wollen Fristen für Barrierefreiheit in Bussen und vor allem klare Willensbekundungen im Nahverkehrsplan.“ Die Kreisverwaltung habe in den vergangenen Jahren vieles verschlafen.

Der Nahverkehrsplan regelt die Standards für den Öffentlichen Nahverkehr im Kreis. Für fünf Jahre eigentlich – doch der letzte Plan stammt aus dem Jahr 1998. Und so kamen Busunternehmer und Seniorinnen, Rollstuhlfahrer und Bürgermeister zum Treffen ins Landratsamt, um ins Weichenstellen für Bus und Bahn einzugreifen, bevor der Kreistag im Herbst beschließt.

Starzachs Bürgermeister Thomas Noé sagte fröhlich „Mehr Beteiligung geht nicht“ – und verschwand mit 25 Teilnehmern im Bus-Netz-Workshop um Nahverkehrsplaner Peter Wagner. Wie er sammelte auch Gomaringens Hauptamtsleiter und künftiger Bürgermeister Steffen Heß Informationen für die kommenden Gemeinderats- und Kreistags-Debatten. Heß machte sich im Workshop außerdem für eine bessere Anbindung seiner Gemeinde nach Tübingen stark.

Rund hundert Bürgerinnen, Bürger und Funktionsträger debattierten am Mittwoch. Dementsprechend gingen alle Beiträge in Plenum und Workshops sehr ins Detail. Die Anbindung von Ergenzingen stand genauso auf der Tagesordnung wie die Frage, ob sich Schulstunden am Busfahrplan orientieren sollten – oder umgekehrt. Kreismitarbeiter notierten gewichtige Anregungen und stiegen in die Debatte um Einzelpunkte ein. „Es gibt Anregungen, die wirklich wertvoll sind“, sagte Peter Wagner – und nannte als Beispiel die Idee, dichtere Takte am Samstag nicht von 7 bis 16 Uhr, sondern von 9 bis 18 Uhr anzubieten.

Ab kommendem Mittwoch stehen alle Stellungnahmen zum Thema auf der Webseite des Kreistags, zusammen mit den bereits eingegangenen Stellungnahmen einzelner Gemeinden, Experten und Kreistagsfraktionen. Weniger gut angenommen wird die zentrale E-Mail-Adresse zum Nahverkehrsplan. Der Landkreis meldet bisher acht Eingänge.

Info Noch bis 27. Juli kann jeder Kreisbewohner Ideen und Anregungen beisteuern. Der Entwurf steht im Internet unter www.kreis-tuebingen.de und liegt im Landratsamt aus.

Barrierefreie Bus-Debatten
Lange Bärte im Kreistag. Landrat Joachim Walter (mit Anzug) hört von Aktivist Gotthilf Lorch (Mitte), Elvira Martin, Harald Kersten und Brigitte Duffner (von links), was sie von der bisherigen Behinderten-Politik im Tübinger Nahverkehr halten: „Der jetzige Plan kommt sieben Jahre zu spät“, so Lorch.

Barrierefreie Bus-Debatten

Auf vier Achsen ist die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln im Kreis besonders stark: Von Tübingen jeweils nach Rottenburg, Herrenberg, Reutlingen und Mössingen. Deutlich wird die zentrale Ausrichtung auf Städte und vor allem die Stadt Tübingen – die Unistadt fungiert als Ziel und Umsteigeknoten für Fahrgäste aus anderen Kreisteilen. Und so geht es bei der aktuellen Diskussion auch um die Frage, ob einige Direktverbindungen wie Ofterdingen-Rottenburg nicht besser erschlossen werden sollten. Das Landratsamt sagt, die Nachfrage sei nicht groß genug. Befürworter betonen, Nachfrage könne auch durch verbessertes Angebot geschaffen werden. Beispiel für eine Detailfrage in der aktuellen Anhörung: Ausbau der kurzen Strecke zwischen Oberndorf und den Ammerbuch-Orten. Rottenburger auf dem Weg nach Ammerbuch würden profitieren, Oberndorfer müssten nicht mehr so oft über Rottenburg und Tübingen in Richtung aufs nahe Herrenberg fahren, der Aufwand wäre überschaubar.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.06.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball