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Elf-Millionen-Erweiterung

Baubeginn am Uhland-Gymnasium

„Die Ära der Käfighaltung ist überwunden – wir brechen auf ins Freiland.“ Mit diesem Ausruf löste Ute Leube-Dürr, die Chefin des Uhland-Gymnasiums, große Begeisterung bei den 300 Schülern und Lehrern aus, die am Montag mit OB Boris Palmer den offiziellen Beginn der Arbeiten für den Erweiterungsbau feierten.

16.07.2012
  • Sepp Wais

Tübingen. Tatsächlich rückte der erste Bautrupp bereits schon vor vier Wochen auf dem Schulgelände in der Uhlandstraße an. Von der Casa Nova, dem Notbehelf mit vier Klassenzimmern aus dem Jahr 2004, sind nur noch Bruchstücke übrig. Und auch vom Anbau aus den 1970er Jahren, von dem nur die Ballsporthalle erhalten und in den Neubau integriert wird, haben die Bauarbeiter bereits große Stücke herausgerissen.

Höchste Zeit deshalb für OB Boris Palmer, Schulbürgermeister Michael Lucke und Baubürgermeister Cord Soehlke, den Einstieg in das „größte und teuerste Schulprojekt meiner Amtszeit“ mit Schülern, Lehrern und Stadträten gebührend zu feiern – erst mit einem rituellen „Spatenstich“, bei dem ein Dutzend weißbehelmter Promis in den Betonbrocken der Casa Nova herumstocherten, und dann mit einem „Baggerbiss“, den sich die umstehenden Schüler von Palmer als Zugabe gewünscht hatten.

In seiner kurzen Ansprache ließ der Oberbürgermeister keinen Zweifel daran, dass die fast elf Millionen Euro, die der neue Trakt kostet, gut angelegt sind. Und das nicht nur, weil er energetisch vorbildlich zum Passivhaus aufgerüstet wird. Mit Blick auf die maroden Baracken hinter dem Altbau, die Palmer schon vor 15 Jahren „unzumutbar“ fand, als er dort seine Graecum-Prüfung absolvierte, rief er den Gymnasiasten zu: „Wir wollen, dass ihr endlich eine richtige Schule kriegt – mit anspruchsvoller Architektur.“

Dieses Versprechen sahen durchaus nicht alle Tübinger eingelöst, als der Gemeinderat vor einem Jahr den Baubeschluss fasste. In zahlreichen Leserbriefen wurde damals die Planung des Ludwigsburger Architekturbüros agn, das in einem breit angelegten Wettbewerb den ersten Preis gewann, heftig befehdet: beispielsweise als „Hochsicherheitstrakt einer Unterrichtsvollzugsanstalt“, als „Quadratschädel-Architektur“ und als „Faustschlag der Hässlichkeit ins Gesicht von Tübingen“.

Von solcher Kritik war gestern nichts mehr zu hören. Ganz im Gegenteil: Wie verschiedene Sprecherinnen der Schülermitverwaltung gab sich auch Ute Leube-Dürr vorbehaltlos der Vorfreude aufs neue Schulhaus hin, verbunden mit dem Wunsch, „dass es hoffentlich so schön wird wie der Entwurf“.

Wie „glücklich“ die Direktorin gestern zum Spaten griff, konnte man leicht erahnen, als sie in ihrer Festrede den steinigen Weg zum Neubau in Erinnerung rief – und die drückende Raumnot, die sie 2008 dem Gemeinderat vorführen durfte. Damals, als die Stadträte sahen, „wie vollgestopft wir hier hausen“, platzte der politische Knoten. Doch auch danach waren noch viele Hürden zu nehmen. Bis zur letzten Etat-Runde musste man an der Schule „zittern und bangen“, ob der Gemeinderat das Geld für das Großprojekt freigibt.

Nach dieser Vorgeschichte, so meinte Leube-Dürr, können die Bauarbeiten am Uhland-Gymnasium niemand mehr schrecken: „Den Dreck und den Lärm halten wir gerne noch zwei Jahre aus.“ Bis zum Sommer 2014, so versicherte agn-Chef Dirk Haecker, wird der Neubau stehen: „Mit dem Zeitplan und dem Kostenrahmen haben wir kein Problem.“ Es sei denn, OB Boris Palmer setzt sich mit seinem Wunsch nach einer Freitreppe zum Neckar hin durch. Dafür würden Haecker zufolge weitere 200.000 Euro fällig.

Baubeginn am Uhland-Gymnasium
Der Erweiterungsbau für das Uhland-Gymnasium wird von der Westfassade des historischen Altbaus (fast) bis zum Eingang der Uhlandhalle (das orange Gebäude im Hintergrund) reichen. Dafür muss der Anbau aus den 1970er Jahren weichen – bis auf die Ballsporthalle, die im Kern erhalten und in den Neubau integriert wird.

Baubeginn am Uhland-Gymnasium
Unten Begegnungsräume, darüber ein Klassenzimmer-Geschoss mit durchgehendem Fensterband, obendrauf ein Kubus mit Fachräumen – so soll sich der Neubau an den Altbau des Uhland-Gymnasiums anfügen. Montage: Architekturbüro agn

Der 10,8 Millionen Euro teure Erweiterungsbau schließt sich zweistöckig an das über 100 Jahre alte Hauptgebäude an. Obendrauf sitzt – an den westlichen Rand gedrückt – ein Kubus, der sich mit zwei weiteren Stockwerken an der Traufhöhe des Altbaus orientiert.
Hier sollen die am Uhland-Gymnasium dringend benötigten naturwissenschaftlichen Fachräume eingerichtet werden. Insgesamt wird der neue Trakt – neben der alten Spielhalle, die komplett umbaut wird – 14 Klassenzimmer, eine Bibliothek, einen Gymnastikraum, eine Cafeteria und weitere Arbeitsräume für die Lehrer beherbergen.

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16.07.2012, 12:00 Uhr

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