Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bayerin kämpft für den Brexit
Raus aus der EU: Gisela Stuart macht in Großbritannien Stimmung für den Brexit. Als eingebürgerte EU-Migrantin gilt sie als glaubwürdig. Foto: Actionpress
Gisela Stuart kam als Sprachschülerin nach Großbritannien und fand rasch den Weg in die Politik

Bayerin kämpft für den Brexit

Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib in der EU ab. Gisela Stuart ist das Aushängeschild der Austritts-Kampagne. Die 60-Jährige stammt aus Bayern und hat es längst in die britische Politik geschafft.

19.04.2016
  • HENDRIK BEBBER

Die Kampagne für den Austritt Großbritanniens aus der EU hat die aus Niederbayern stammende Unterhausabgeordnete Gisela Stuart zur Vorsitzenden gewählt. Obwohl ihre Parteiführung offiziell ein "Yes" bei dem Referendum am 23. Juni befürwortet, will die 60-Jährige energisch für "Vote Leave" ("Stimmt für den Austritt") kämpfen.

Stuarts Amt erinnert an den Kalauer "Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche." Im Mai 1997 wurde sie zum Symbol von Tony Blairs Erdrutschsieg, als sie den Wahlkreis Edgbaston in Birmingham für Labour gegen einen betont EU-feindlichen Kandidaten der Konservativen gewann. Der Sieg stand für den Trend der britischen Mittelklasse zu "New Labour", die für eine positivere Zusammenarbeit mit Brüssel eintrat, als die konservativen Regierungen zuvor.

Es war ein langer Weg von dem Bauernhof in Velden (Landkreis Landshut), in dem Gisela Gschaider aufwuchs, in den "Palast von Westminster", wie das britische Parlament heißt. Als sie nach Abschluss der Realschule in Vilsbiburg mit 18 Jahren nach Manchester ging, um ihr Englisch zu verbessern, dachte sie wohl kaum daran, dass sie einmal als Staatssekretärin im Gesundheitsministerium eine Schlüsselrolle in der britischen Politik spielen wird. Die Sprache beherrschte sie so schnell, dass sie das englische Abitur machte. Sie arbeitete als Buchhändlerin, wurde stellvertretende Direktorin der Londoner Buchmesse und Managerin in einem Verlag. Sie heiratete einen Briten, studierte Jura und Sozialwissenschaften und lehrte als Dozentin an den Universitäten von Birmingham und Worcester. Für ihre Wahlheimat kreuzte Gisela Stuart auch die Klinge. 1979 kämpfte sie in der britischen Fechtmannschaft international in Birmingham.

Als Abgeordnete machte sich Stuart ihren Namen im Kampf für gleiche Pensionsansprüche von Männern und Frauen und der Eindämmung des Straßenstrichs in Birmingham. Ihre Popularität wuchs, als BMW die Rover-Werke verkaufte und tausende Arbeitsplätze bedroht waren. Bei den Massendemonstrationen wurde sie vereinzelt wegen ihrer Herkunft angepöbelt. An ihrer Loyalität ließ sie keinen Zweifel. "Aufgewachsen im Schatten eines BMW-Werkes" warf sie den Münchnern in Birmingham vor, dass ihr Verhalten "wenig hilfreich gewesen ist, um sehr höflich zu sein".

1999 wurde sie Staatsministerin im Gesundheitsministerium und setzte Reformen bei den Krankenhäusern in Gang. Als "Außenministerin" ihres Ressorts lehnte sie einen Ausbau der EU-Kompetenzen im Gesundheitssektor ab: "Wie die Gesundheitsfürsorge organisiert ist, welche Standards gelten sollen, wie die Qualität gesichert wird - das sind alles Fragen, die eindeutig Angelegenheit der Mitgliedsstaaten sind." Tony Blair machte sie 2002 zum Mitglied im Präsidium des europäischen Verfassungskonvents. Die Arbeit an einem Verfassungsentwurf für die EU weckte die "Euroskepsis" Stuarts. Seitdem warnte sie vor den Gefahren einer engeren politischen Union. Sie wirft Brüssel Versagen bei der Bewältigung der Schuldenkrisen in Irland, Portugal, Spanien und vor allem in Griechenland vor. Der Umgang mit dem Flüchtlingsdrama zeige wieder eine erschreckende Inkompetenz.

"Ich bin erfreut, jetzt die Kampagne zu führen, die der EU die Kontrolle über uns nimmt. Wir wollen wieder selbst die Leute wählen und abwählen können, die unsere Gesetze machen." Als eingebürgerte EU-Migrantin ist Gisela Stuart für "Vote Leave" ein ideales Aushängeschild, weil sie nicht dem Klischee fremdenfeindlicher "Kleinengländer" entspricht, das der Kampagne anhängt. Sie selbst hat ihre deutsche Herkunft nie als Belastung empfunden: "Ich habe meine formenden Jahre in England erlebt und repräsentiere nicht nur eine kulturelle Pluralität, sondern verstehe mich auch als Teil der Brücke zwischen Deutschland und Großbritannien."

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball