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Rote Beeren und Riechdrüsen

Beate Sellin stellt ab Samstag im KMZ Glatt Bilder aus – als erste Frau in 14 Jahren

Milbengalle oder die Riechdrüse einer schwarzen Johannisbeere gehören zu den Motiven, deren sich noch nicht viele Künstler angenommen haben. Beate Sellin ist nicht nur deshalb eine Ausnahme. Die Künstlerin aus Heidelberg präsentiert ab 13. Juni im Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt rund 50 Werke. Damit ist die 69-Jährige die erste Frau, die in der Reihe der Stadt Sulz dort ausstellt.

11.06.2015
  • cristina priotto

Glatt. Wer die oberste Etage des Wasserschlosses in Glatt betritt, wähnt sich wie ein Zwerg in einem Märchengarten: An den Wänden hängen meterhohe Ölgemälde von überdimensionalen Blumen und Beeren auf Leinwänden. So ungewöhnlich wie die Größe sind auch die abgebildeten Motive, denn Beate Sellin malt die Natur auf eine Art und Weise, wie das bloße Auge Blumen und Blüten gar nicht zu Gesicht bekommen kann. „Ich bin einfach näher rangegangen“, erklärte die gebürtige Ulmerin am Mittwoch bei der Vorab-Besichtigung mit der SÜDWEST PRESSE.

Um Motive wie die Riechdrüse einer schwarzen Johannisbeere wiedergeben zu können, bedurfte die 69-Jährige freilich der Unterstützung durch einen Wissenschaftler, der die Teile mit einem Elektronenmikroskop aufnahm und der Malerin in Schwarz-Weiß zur Verfügung stellte. „Ich interessiere mich sehr für die Biologie und für Pflanzen“, begründet Sellin die besonders nahe Perspektive.

Die Hälfte des Fürstensaals ist als „Beeren-Ecke“ gestaltet: Johannisbeeren, Stachelbeeren und Holunderbeeren beeindrucken nicht nur durch ihre Handballgröße sondern auch durch die realistisch glänzenden Oberflächen. Die Wirkung entfalten die Gemälde vor allem aber auch auf Grund der meisterlich einbezogenen Wirkung des Lichts: Ob als Auflicht, Gegenlicht oder weil die Früchte durchleuchtet erscheinen, oszillieren Beate Sellins Beeren zwischen Realität und Geheimnis. Das Spiel mit dem Licht hat die Wahl-Heidelbergerin bei diversen Aufenthalten in Italien studiert. „Es geht mir eigentlich um das Licht“, erklärt die Malerin.

Deshalb muss die 69-Jährige etwa für die Beeren viele Schichten übereinander auf Leinwand bannen, um die gewünschten plastischen Rottöne zu erzielen. Vielfältig ist auch das Spektrum der Grüntöne der Blätter, weil der Lichteinfall jedes Mal variiert.

Als Grundlage für die fast fotorealistisch erscheinenden Bilder verwendet Beate Sellin Fotografien, wobei viele der Pflanzen im eigenen Garten aufgenommen sind.

In weiteren Serien widmet sich die Künstlerin, die erst spät ihre eigentliche Berufung fand, Bäumen und Konstruktionen aus Holz.

Aus dem Rahmen fällt die „Nanowelt“-Reihe: Die Details von Pflanzen wie die am Elektronenmikroskop vergrößerte Riechdrüse einer schwarzen Johannisbeere hat die Künstlerin mit Farben so gestaltet, dass diese Werke oft fast außerirdisch bizarre Formen wiederzugeben scheinen.

Eine Signatur sucht man auf den Bildern vergeblich: „Ich signiere grundsätzlich nur auf der Rückseite, denn mein Kürzel würde die Vorderseite eines Gemäldes zerstören“, ist die Malerin überzeugt.

Beate Sellin ist übrigens die erste Frau, die in den vergangenen 14 Jahren seit der Eröffnung des Kultur- und Museumszentrums (KMZ) Schloss Glatt bei einer städtischen Ausstellung ihre Werke zeigt. „Es war höchste Zeit“, räumte Initiator Norbert Stockhus am Mittwoch ein, während der Maler aus Glatt mit Karl Josef Sickler, Museumsleiter Cajetan Schaub und der Künstler-Kollegin die Bilder aufhängte. In der Region war die Wahl-Heidelbergerin zuletzt 2011 mit „Power Flower“ in Horb vertreten.

Info Die Vernissage ist am Samstag, 13. Juni, um 18 Uhr im Fürstensaal des Wasserschlosses in Glatt. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Gerd Hieber spricht zur Einführung die Journalistin Annette Maria Rieger.

Beate Sellin stellt ab Samstag im KMZ Glatt Bilder aus – als erste Frau in 14 Jahren

Beate Sellin stellt ab Samstag im KMZ Glatt Bilder aus – als erste Frau in 14 Jahren
„Nanowelt II“ zeigt die Riechdrüse einer schwarzen Johannisbeere.

Geboren ist Beate Sellin 1946 in Ulm.
Ein Musikstudium im Fach Violine absolvierte Sellin von 1966 bis 1974 an den Staatlichen Hochschulen für Musik in Stuttgart und Heidelberg-Mannheim.
Als freiberufliche Geigerin war die Musikerin von 1971 bis 1998 tätig.
Ein Studium der Malerei schloss die Tochter aus einer musikalisch-künstlerischen Familie von 1998 bis 2005 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart an.
Als freischaffende Künstlerin lebt die Ulmerin seit 2005 in Heidelberg.

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11.06.2015, 12:00 Uhr

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