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Peugeot kündigte Verträge: Überall in der Branche nimmt der Druck der Hersteller zu

Bebion übernimmt das Tübinger Autohaus Matejka

Das Autohaus Matejka wird zum 1. Juli von der Bebion-Gruppe übernommen. Frank Matejka hat sich nach langen, letztlich erfolglosen Verhandlungen mit dem Autobauer Peugeot zum Verkauf entschlossen. Der zunehmende Hersteller-Druck auf kleinere Händler ist in der gesamten Branche zu beobachten – wie auch beim Tübinger Autohaus Renault-Löffler (wir berichteten).

17.06.2015
  • Volker Rekittke

Tübingen.Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Matejka-Mitarbeiter, 14 an der Zahl, werden von Bebion übernommen. „Sonst hätte ich nicht verkauft“, sagt Frank Matejka, 52. Lediglich mit zwei Beschäftigten seien Abfindungen vereinbart worden. „Gerettet“, so Matejka, wurde durch den Verkauf auch „die gewachsene Struktur unseres Kundenstammes, aller Lieferanten – und der komplette Service“. Für die Kundschaft geht’s also mit weitgehend gleichem Team weiter. Wie’s bei ihm selbst weitergeht, dazu will Frank Matejka noch nichts sagen.

Doch warum überhaupt der Verkauf, wo das Haus doch laut Matejka finanziell gut aufgestellt ist, dazu in einer „1A-Lage“ im Gewerbegebiet Au Ost direkt an der B 27 beheimatet ist? Das habe vor allem mit zunehmenden Druck durch Peugeot zu tun, mit immer genaueren Vorschriften etwa zu Verkaufszahlen, Präsentation, vorrätigen Modellen, Mitarbeiter-Schulungen und noch einigem mehr. Darüber stritt Matejka zuletzt immer öfter mit Peugeot. Manches erschien ihm wenig sinnvoll. Etwa das Vorhalten von allzu vielen PS-starken Modellen im zwar „frankophilen“, aber eben auch umweltbewussten Tübingen. Man fand nicht mehr zusammen („das war denen zu stressig“) – Peugeot kündigte die Verträge mit Matejka zum Juni 2016.

„Das ist fast schon Sadomaso, was da in der Branche passiert. Der Großteil der Händler unserer Größe macht im Verkauf rote Zahlen“, sagt Matejka, der zugleich betont, dass in seinem Haus der Autoverkauf keinesfalls durch den branchenweit profitableren Service-Bereich „quersubventioniert“ werde. Die „schwarze Null“ im Verkauf habe er durch den hohen Anteil an Gebrauchtwagen (80 Prozent) erreichen können.

Für Frank Matejka unverständlich: „Der Hersteller unterscheidet nicht nach der Größe des Betriebs.“ Denn klar ist: Je größer ein Händler oder gar eine Kette, desto eher könnten die Vorschriften umgesetzt werden. Diese Größe hat die von Senior-Chef Ulrich Bebion und seinem Sohn Christian geführte Gruppe gleichen Namens. Mit Matejka hat Auto Bebion mit Sitz in Magstadt (bei Sindelfingen) nun sieben Standorte im Großraum Stuttgart – und zählt mit 150 Mitarbeitern zu den größten Peugeot-Händlern Deutschlands. In der Au Ost will Bebion in eine neue Werkstatt investieren, die bis Ende des Jahres fertig sein soll, zudem soll der Neuwagenverkauf in Tübingen angekurbelt werden.

„Die Tendenz im Autohandel geht klar zu größeren Einheiten“, sagt auch Axel Maier. Der Chef des Audi- und VW-Autohauses Maier-Wetzel (AMW) beschäftigt an mittlerweile vier Standorten 180 Mitarbeiter: Neben dem Hauptsitz in der Tübinger Schaffhausenstraße gibt es die Niederlassungen in Mössingen und Ofterdingen sowie das erst Ende Januar nach Umbau neu eröffnete Skoda-Autohaus an der Tübinger Europastraße. „Wir sind zufrieden mit dem neuen Standort“, sagt Maier, dessen Gruppe 2014 insgesamt 43 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete, davon 31 Millionen in Tübingen. Am meisten verdient auch Maier mit Service und Ersatzteilen – „deutlich über 50 Prozent“. Und was verdient er an einem verkauften Neuwagen? Wenn 3 bis 4 Prozent des Verkaufspreises hängen bleiben, sei das schon gut, sagt er. Der Rohertrag, von dem noch Löhne, Werbung und andere Ausgaben abgezogen werden müssen, könne aber durchaus auch geringer ausfallen.

Generell beobachtet Maier in seiner Branche, dass man als Händler „eine gewisse Größe braucht, um vom Hersteller ernstgenommen zu werden“. Die kleineren könnten die immer höheren Anforderungen oft nicht mehr bewältigen: „Das ist leider der Gang der Dinge.“ So würden die Anforderungen an die Qualifikation von Serviceberater bis Werkstatttechniker ständig steigen. Er schicke deshalb etliche Mitarbeiter jedes Jahr zu mehrtägigen Schulungen. „Das kostet Zeit und Geld.“

Rund 150 000 Euro im Jahr investiert Martin Häcker in die Schulung der 81 Mitarbeiter. „Die Standards, die die Konzerne vorgeben, sind enorm hoch“, sagt der Geschäftsführer des Mercedes-Autohauses Seeger, ebenfalls an der Tübinger Schaffhausenstraße gelegen. Man könne durchaus über manches diskutieren, nicht jedes Detail der „Corporate Identity“-Vorschriften gut und sinnvoll finden – jedoch: „Ohne das kann man heute nicht mehr Vertragshändler von Premiumherstellern sein.“ Auch bei ihm ist Service (Umsatzanteil: 11 Millionen) die Haupteinnahmequelle.

„Betriebe mit um die 15 Mann werden’s schwer haben“, sagt Häcker. Man brauche als Händler eine bestimmte Größe. „Aber wenn ich die Vorgaben erfülle, verdiene ich auch Geld.“ Also: „Wachsen oder sterben.“ Oder schrumpfen – das „Schrauber-Modell“ eben.

Bebion übernimmt das Tübinger Autohaus Matejka
Seit 1968 ist die Familie Matejka in Tübingen für Peugeot zuständig, jetzt übernimmt Bebion – von links: Christian Bebion, Frank Matejka und Ulrich Bebion. Bild: Metz


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