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Bedenkliche Billig-T-Shirts
Näherinnen in einer Textilfabrik in Colombo in Sri Lanka. Nicht überall an den Standorten in Fernost sind die Arbeitsbedingungen gut. Foto: afp
Berlin

Bedenkliche Billig-T-Shirts

Beim Kleiderkauf achten die Bundesbürger zu wenig auf Umweltfreundlichkeit und Arbeitsbedingungen in Textilfabriken.

14.10.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Ein hoher Preis ist bei Textilien zwar keine Garantie dafür, dass sie mit wenig Chemie und unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt wurden. Aber wenn ein T-Shirt nur 4 EUR kostet, dann erfüllt es keines der Kriterien, ist sich die Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA), Maria Krautzberger, sicher – schon weil es bis zu 20 000 Kilometer zurücklegt, bis es in einem deutschen Laden liegt. Akzeptable Produkte sind schwer zu finden, gab Krautzberger bei der Vorstellung des Jahresberichts ihrer Behörde in Berlin zu. Denn es fehlt weitgehend an einer Kennzeichnung. Der „blaue Engel“ des UBA ist schwer zu bekommen. Daneben gibt es die europäische Blume der EU, aber die ist wenig bekannt.

Im Schnitt kauft jeder Deutsche im Jahr 60 Kleidungsstücke. Das sorgt für 20 Mrd. EUR Umsatz. Das Problem: 90 Prozent der Textilien werden im Ausland hergestellt, die Hälfte davon in China, der Türkei und Bangladesch. Dort gelten nicht die hohen Umwelt- und Arbeitsstandards der EU, im Gegenteil: Häufig herrschen katastrophale Bedingungen.

Baumwolle ist als Naturfaser beliebt. Aber für die Produktion von 1 Kilogramm sind nicht nur 200 Badewannen Wasser nötig, sondern auch viel Chemie: 25 Prozent der Insektizide und 7 Prozent der Herbizide, die weltweit gespritzt werden, landen auf Baumwollfeldern, obwohl sie nur 2,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen ausmachen. Zudem sind zwei Drittel der weltweit angebauten Baumwolle gentechnisch verändert. Krautzberger rät zu Baumwolle aus kontrolliert ökologischem Anbau. Bei ihr sind synthetische Schädlingsbekämpfungs- und Düngemittel verboten.

Das allein hilft aber noch nicht. Denn bei der Herstellung von Garn und Kleidungsstücken wird jede Menge Chemie eingesetzt. Manche Stoffe sind in Europa längst nicht mehr zugelassen, kommen aber auf diesem Umweg nach Deutschland. So wundert sich die UBA-Präsidentin, dass manche mit einer Wetterjacke zum Bäcker fahren, „in der man auch den Mount Everest besteigen könnte“. Die Deutsche seien Weltmeister beim Kauf von Outdoorkleidung. Bei der haben UBA und Greenpeace mehrfach die Chemikalie PFC gefunden. Sie macht die Textilien wasser- und schmutzabweisend, gilt aber als krebserregend und kann die Fortpflanzung negativ beeinflussen.

Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sind ein großes Thema, seit in Bangladesch viele Tote beim Einsturz von Fabriken gab. Krautzberger lobte, dass sich die Hälfte der deutschen Branche dem Bündnis für nachhaltige Textilien angeschlossen hat, das Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) angestoßen wurde. In Indien kooperiert das UBA mit einer Provinz, um bessere Umweltstandards durchzusetzen. Den Verbrauchern legte sie „Slow Fashion“ nahe, also die Kleidung wieder länger zu tragen und nicht dabei mitzumachen, dass es ständig neue Kollektionen gibt. Zudem sollten sie auf Umweltsiegel achten.

Zweites großes Thema des UBA-Jahresberichts sind umweltschädliche Subventionen, die Krautzberger auf 50 Mrd. EUR im Jahr beziffert. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf den Verkehrsbereich, etwa auf die geringere Besteuerung von Diesel, die Entfernungspauschale und das Dienstwagenprivileg. Sie plädierte dafür, alle Vorteile bis 2025 auslaufen zu lassen.

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14.10.2016, 06:00 Uhr

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