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Begegnung am Teufelsloch

Und plötzlich ist der Filsenberg im Nebel versunken. Vor kurzem standen wir noch oben, am Teufelsloch – einer der schönsten Aussichtspunkte im Landkreis.

09.11.2012
  • Ernst Bauer

Hinten, auf der Hochfläche, geht es links weg und dann steil bergab. Drei Bänke, ein dicker Baum, ein Bilderbuch-Panorama-Blick ins Steinlachtal. Da standen zwei Männer auf der Wiese und warnten die Wanderer, die Sonntagsspaziergänger: Vorsicht! Hier blüht der Frühlingsenzian. Häh? Jawohl! Mitten im Herbst lugten da noch ein paar kleine blaue Blüten aus dem Magerrasen hervor. Hatten sich wohl in der Jahreszeit geirrt.

Eine ganze Schar von Albvereinskindern war von Öschingen aus hochgewandert. „Ich schau‘ mal, wo unser Haus ist“, sagte ein Junge. Aber das ist doch Talheim! Ach so. Der Wanderführer erklärte nebenbei auch den interessierten Sonntagsauflüglern, was es mit den Öschinger „Katzenköpfen“ auf sich hat, Spitzname für die Bewohner des Mössinger Vororts; weil die früher offenbar so verkatert ausgesehen haben. Und dass „Schirmscheißer“ eigentlich Talheimer seien. Denn das sei einem Talheimer auf dem Mössinger Rathaus passiert – als es pressierte, machte er in den Parapluie.

Leichtes Muffensausen befällt einen oben am Felsvorsprung, wenn man nicht schwindelfrei ist; nicht ganz ungefährlich, dieser Abgrund. Ein Freund ist hier mal nach unten geklettert und hat eine Höhle entdeckt. Jetzt begibt er sich in die Höhle des syrischen Löwen, berichtet vom Überleben und Sterben der Leute in Aleppo.

Häuser glänzen, glitzern in der Sonne, ganz in der Ferne leuchtet die Wurmlinger Kapelle. Zwischen Berg und Talheim dringt Verkehrslärm herauf, ein unablässiges Brummen und Summen, kein Panzerkettenrasseln. Kurz vor Kriegsende gab es da unten die letzten Rückzugsgefechte. Oben am Teufelsloch, 801,5 Meter über dem Meer, erinnert nichts mehr daran.

Die Albvereinskinder zogen fröhlich weiter. Die beiden Männer standen da immer noch auf der Wiese, als wir zurückgingen; Hüter des Frühlingsenzians, als wollten sie Wurzeln schlagen. Wir umkurvten sie und die kleinen blauen Blüten im Gras vorsichtig – selber auf der Hut. Ja, man muss schauen, wo man hintritt; bevor man womöglich nichts ahnend in einen Abgrund stürzt. Und sei es nur die Kellertreppe hinab (wie Schwiegermama am vergangenen Wochenende, gute Besserung in die BG!).

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09.11.2012, 12:00 Uhr

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