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Perlenglanz ermattet

Bei Bosch-Rexroth in Horb müssen bis Jahresmitte Pläne zur Verschlankung vorliegen

Besonders in den Krisenjahren 2008/09 glänzte die Horber Niederlassung der Bosch-Rexroth AG trotz massiver Umsatzeinbußen mit einer schwarzen Null als die „Perle im Schwarzwald“. Diesen Glanz genießt der Hersteller von Antriebshydraulik noch immer, doch er scheint etwas ermattet. Auch hier sollen Strukturen verschlankt werden, was konkret heißt, dass 35 Stellen abgebaut werden sollen.

10.01.2015
  • Gerd Braun

Horb. Vor dem Hintergrund der schlechten Nachrichten, dass im Bosch-Rexroth-Konzern bis Ende 2016 die Streichung von mehr als 500 der Deutschland-weit rund 6000 Stellen geplant ist, sind empfindliche Reaktionen auf gewisse Entscheidungen nachvollziehbar: So war beispielsweise die aktive Horber Belegschaft bis zum Mittag des 18. Dezember davon ausgegangen, am 19. Dezember mit den Ruheständlern des Unternehmens wie 2013 eine gemeinsame Weihnachtsfeier zu zelebrieren – um dann kurzfristig davon zu erfahren, dass diese für die aktiven Beschäftigten gestrichen ist.

Auf Nachfrage erklärt Unternehmenssprecherin Jana Benzinger, dass die gemeinsame Feier im Jahr 2013 eine Ausnahme gewesen und man mit der kurzfristigen Absage für 2014 lediglich zur früheren Regelung zurückgekehrt sei: „Wir hätten es auch dieses Jahr gerne wieder so gemacht, angesichts der wirtschaftlichen Lage unseres gesamten Unternehmens sind aber alle Bereiche aufgefordert, auf die Kosten zu achten.“

35 Stellen sollen abgebaut werden

Grundsätzlich steht man auch am Standort Horb unter Druck. 35 Stellen sollen sozialverträglich bis Ende 2016 eingespart werden, und dies vor allem im „indirekten Bereich“, also beispielsweise in Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung. Jana Benzinger bestätigt auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE, dass wie an allen Standorten auch in Horb seit Ende 2013 so genannte weiche Maßnahmen wie Altersteilzeit- oder Vorruhestandsregelungen zur Anpassung der Mitarbeiterstruktur laufen.

Insgesamt, berichtet Jana Benzinger laut Informationen der Horber Werkleitung, sei man beim Vorhaben, Strukturen zu verschlanken, im Plan: „Wichtig ist bei solchen Maßnahmen, dass man sie frühzeitig startet und dann über einen längeren Zeitraum laufen lassen kann. Genau das haben wir getan, daher sind wir hier auch auf einem guten Weg.“ Heißt: Es gebe immer wieder Kollegen, für die Vorruhestandsregelungen infrage kämen. In einzelnen Abteilungen, wird indes von Insidern berichtet, werde durchaus Druck auf Mitarbeiter ausgeübt.

Dass es bei „weichen Maßnahmen“ bleibt, wenn am Ende gesetzte Ziele zur angestrebten „Effizienzsteigerung“ nicht erreicht werden, scheint ungewiss. Die Unternehmensführung schließt dies nicht kategorisch aus. „Das ist derzeit nicht geplant, aber wir arbeiten intensiv an der Verbesserung und Verschlankung unserer Prozesse – vor allem in Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb“, sagt Jana Benzinger, „wie sich das weitere Jahr in Summe entwickeln wird, kann ich heute noch nicht sagen.“

Allgemein, heißt es aus der Unternehmenszentrale, hätten Marktentwicklungen den Handlungsdruck erzeugt. „Die Märkte haben sich nicht entwickelt wie prognostiziert“, sagt Sprecherin Benzinger, zudem gehe von den Märkten ein erhöhter Druck aus, schneller und flexibler zu agieren. Auf der anderen Seite, sagt Jana Benzinger weiter, seien „Personalkapazitäten aufgebaut worden, die nicht mehr ausgelastet werden können.“

Dies deckt sich mit der Aussage eines Informanten, der der Unternehmensführung vorwirft, zu viel Personal aufgebaut zu haben – was sich nach dem Rekordjahr 2012 im konjunkturell deutlich bescheidener verlaufenen Geschäftsjahr 2013 schon gerächt habe. Er führt weitere „hausgemachte“ Probleme ins Feld, die zu Ertragsproblemen geführt hätten. Er beklagt, dass beispielsweise Bereiche ausgelagert werden, für die intern genügend Personal zur Verfügung stünde. Und weiter will er erfahren haben, dass die Verlegung des Materiallagers nach Empfingen in Verbindung mit Verbindlichkeiten der Investoren und längerfristig vertraglich gebundenen Geschäftspartner den Bereich Logistik um 30 Prozent verteuert hätten. „Nein, das ist nicht der Fall“, dementiert Jana Benzinger nach Rücksprache mit der Horber Werkleitung, „die Umstrukturierung war Anfang 2014 abgeschlossen, und die Logistik ist seither nicht teurer – im Gegenteil.“

Seitens des Betriebsrates bestätigt man die von der Unternehmensseite kommunizierten Fakten, mehr möchte Betriebsrat Michael Engel dazu nicht sagen. Bei der IG Metall hat man Kenntnis von den innerbetrieblichen Verhandlungen im Zuge des „Fit for the TOP“-Strategieprozesses. Gewerkschaftssekretärin Dorothee Diehm kündigte an, das Vorgehen kritisch zu begleiten.

Investition in Gebäude für neue Kantine

In die schlechte Stimmung in der Belegschaft, von der aus unterrichteten Kreisen berichtet wird, mischen sich auch positive Nachrichten: Beispielsweise hat das Unternehmen das ehemalige Ceratizit-Gebäude in der Dresdner Straße erworben, um dort die neue Kantine unterzubringen. Auch Erweiterungen im Jahr 2014 und die im Konzern prestigeträchtige Fertigungstagung, die in Horb stattfand, fallen darunter.

Bei Bosch-Rexroth in Horb müssen bis Jahresmitte Pläne zur Verschlankung vorliegen
Positiv in der jüngeren Geschichte des Bosch-Rexroth-Standorts Horb war 2014 die Ausrichtung der konzernweit prestigeträchtigen Bosch-Fertigungstagung, die hier auch entsprechend inszeniert wurde. Bild: Kuball

Die Bosch-Rexroth AG, ein im Bereich der Antriebs- und Steuerungstechnik (Werbespruch: The Drive & Control Company) produzierender Konzern, beschäftigt weltweit 36 500 Mitarbeiter in 80 Ländern. Das Unternehmen entstand am 1. Mai 2001 durch den Zusammenschluss der Mannesmann Rexroth AG mit dem Geschäftsbereich Automatisierungstechnik der Robert Bosch GmbH und ist seitdem eine 100-Prozent-Tochter der Robert Bosch GmbH. Rund 6000 Stellen befinden sich in Deutschland, die meisten davon am Hauptstandort in Lohr am Main. Der Horber Standort, der 2009 vollends aus der einstigen Firma Brueninghaus an Bosch-Rexroth überging, ist mit rund 1100 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Horb.

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10.01.2015, 12:00 Uhr

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