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Bei Paketboten drohen Engpässe
Menschen wie er haben immer mehr zu tun: Ein DHL-Paketbote trägt ein Päckchen des Onlinehändlers Zalando aus. Foto: dpa
Onlinehandel

Bei Paketboten drohen Engpässe

Der anhaltende Bestellboom im Internet bringt Lieferdienste zunehmend in Nöte. Drohnen, Privatleute und ehemalige Bundeswehrsoldaten sollen die Lücken füllen.

20.04.2017
  • DPA

Bonn. Wenn es auf die letzte Meile geht, sind alle von Menschenhand abhängig – trotz schönster Innovationen im Zeitalter der Digitalisierung. Zwar mag die Auslieferung von Paketen per Drohne oder Roboter genauso wie in den Autokofferraum spektakulär daherkommen, doch sie ist weit vom täglichen Massengeschäft entfernt. Und so bleibt die Paketzustellung, das wissen Tausende von Boten aus ihrem Alltag, vor allem eines: knochenharte Schwerstarbeit.

Und die ist nicht sonderlich beliebt. Angesichts des anhaltenden Booms im Paketgeschäft suchen die Unternehmen inzwischen händeringend nach Arbeitskräften. „Das ist für uns eine Herausforderung, wir haben zunehmend Nachwuchssorgen“, klagt Ingo Bertram vom Paketzusteller Hermes. Das Hamburger Unternehmen beschäftigt rund 11 000 Mitarbeiter, hinzu kommen derzeit im Jahresschnitt weitere 11 000 Zusteller, die auf der Gehaltsliste von Subunternehmen stehen.

Da das verschickte Volumen in der Paketbranche in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird – Experten rechnen bis 2025 gar mit einer Verdoppelung – werde sich der Mangel an Arbeitskräften auch mittelfristig kaum ändern, glaubt Bertram. Umso wichtiger wird für alle Unternehmen, Ausschau zu halten nach Alternativen. Die Bedeutung von Paketshops werde zunehmen, man müsse über Crowd-Delivery, also die Zustellung durch Privatpersonen, oder auch über den Einsatz von Robotern nachdenken. Doch das ist Zukunftsmusik.

Der Branchenprimus Deutsche Post DHL zapft eine andere Quelle an: So vereinbarten die Bonner erst vor wenigen Wochen mit der Bundeswehr eine Kooperation über die Integration von ausscheidenden Soldaten in den zivilen Arbeitsmarkt. Jährlich verlassen nämlich zwischen 10 000 und 15 000 Menschen die Streitkräfte. „Gerade vor dem Hintergrund des stark wachsenden Paketmarktes sind wir immer auf der Suche nach zuverlässigen, motivierten und gut qualifizierten Mitarbeitern“, sagt Jürgen Gerdes, der im Vorstand für Pakete zuständig ist.

Aber auch bei der Post verlief der Aufbruch ins goldene Zeitalter des Paketgeschäfts nicht ohne Widerstände: Vor genau zwei Jahren um die Osterzeit begann wegen der Gründung neuer regionaler Paketfirmen ein monatelanger harter Streik. Verdi wandte sich mit dem Arbeitskampf vor allem gegen die mögliche schlechtere Bezahlung der Paketzusteller. Das Postmanagement pochte auf Anpassung der Kosten an die des Wettbewerbs. Inzwischen haben sich die insgesamt 46 Zustellfirmen zu einer starken Säule im Unternehmen entwickelt.

Nach Angaben der Post haben bereits 9000 Menschen in den vergangenen Jahren in den Paketfirmen einen festen Job gefunden. Etwa 5000 seien vom externen Arbeitsmarkt rekrutiert worden, die übrigen seien ehemals befristet Beschäftigte der Post, sagt eine Sprecherin des Konzerns. Insgesamt kommt der gelbe Riese auf 103 000 Menschen, die mit der Paketzustellung befasst sind.

Bis 2020 hatten die Bonner die Schaffung von 10 000 neuen Jobs versprochen und bis 2025 sogar eine Verdoppelung auf 20 000 in Aussicht gestellt. „Wir erwarten, dass die positive Entwicklung anhalten wird“, sagt Postchef Frank Appel. dpa

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20.04.2017, 06:00 Uhr

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