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Bei VW droht anhaltender Abbau von Arbeitsplätzen
Eine Botschaft bei der Betriebsversammlung war: Jahr für Jahr könnten mittels Altersteilzeit und Frührente demnächst bis zu 2500 Jobs wegfallen. Auf unserem Bild spricht VW-Chef Matthias Müller. Foto: Bildquelle
Abgasskandal

Bei VW droht anhaltender Abbau von Arbeitsplätzen

Die gewinnschwache VW-Kernmarke muss sparen. Das Management dringt nun auf milliardenschwere Sparziele und Mehrarbeit für Fachkräfte.

21.10.2016
  • DPA

Wolfsburg. Bei VW sind die Beschäftigung und die Wirtschaftlichkeit gleichberechtigte Ziele des Unternehmens. Zumindest bisher. Niemals sollen Jobs nur für die Rendite geopfert werden – das nennen sie in Wolfsburg voller Stolz auch den „Volkswagen-Weg“. Doch dem drohen nun neue Vorzeichen.

Gegärt hatte es bereits seit Monaten. Denn eisern sparen will VW bei seiner Pkw-Hausmarke um Golf und Passat schon seit 2014. Doch der milliardenteure Skandal um 11 Mio. manipulierte Diesel hat die Not der renditeschwachen Marke mit dem VW-Logo vergrößert, Ende 2015 war sie sogar in die Verlustzone gerutscht - trotz solider Verkäufe.

In dem Ringen um Auswege für einen „Zukunftspakt“ weicht bei VW nun eine Mischung aus Sorgen, Gerüchten und Hoffnung einem neuen Gefühl: erster Gewissheit. Was kaum greifbar war, wurde am gestrigen Donnerstag klarer. VW-Markenchef Herbert Diess legte auf größer Bühne bei einer Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk den Finger in die Wunde. „Wir müssen die Mannschaft verkleinern“, sagte er. Mit solchen Sätzen macht sich kein Manager vor Beschäftigten beliebt. Doch Pfiffe und Buh-Rufe gab es nur vereinzelt, sagen Teilnehmer übereinstimmend. Einer meint: „Es war ein bisschen wie beim Arzt, wenn man als Patient merkt, dass jetzt Befürchtungen zu einer Diagnose werden könnten.“

Diess mahnte zur Vorsicht bei der Leiharbeiterübernahme. Er sagte auch, die Experten der Technischen Entwicklung könnten künftig lieber 40- statt 35-Stunden-Wochen schieben. Dafür soll die Grundvergütung steigen und er will das laut Stimmen aus seinem Umfeld vor allem als Wertschätzung für die Arbeit der Ingenieure verstanden wissen. Aber rasch wirken solche Aussagen derzeit wie Sparziele: Mehr machen mit denselben Leuten. Als seien die nicht schon am Anschlag.

Entsprechend in Alarmstimmung wirkte andererseits VW-Arbeitnehmerboss Bernd Osterloh: „Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Vorstand hier in der Halle am liebsten auch über Entlassungen und Werksschließungen reden würde.“ Aber dem schiebe der Betriebsrat auf jeden Fall einen Riegel vor. „Dafür stehe ich persönlich ein.“

Osterloh ist Diess‘ Gegenspieler, nicht nur von Amts wegen. Schon vor einem Jahr warf er Diess, der Mitte 2015 von BMW in die Wolfsburger VW-Spitze eingezogen war, Alleingänge sowie Kommunikationsmängel und fehlendes Teamplay vor. Osterloh sah die Axt an der Mitbestimmung angelegt, was den „sozialen Frieden“ und die „Zukunftsfähigkeit“ bei VW gefährde. Auch am Donnerstag betonte er, dass sich Zugeständnisse und Zukunftsperspektiven für eine Lösung die Waage halten müssten.

Dass der VW-Weg unter dem Druck des Diesel-Skandals leiden könnte, ist schon lange ein Schreckgespenst beim Betriebsrat. Seine Stärke erwuchs aus Jahrzehnten.

Jahr für Jahr könnten mittels Altersteilzeit und Frührente bis zu 2500 Jobs wegfallen. „Wo Aufgaben entfallen, werden wir Stellen nicht wieder besetzen“, sagte Konzern-Personalchef Karlheinz Blessing. Doch für neue Aufgaben werde andererseits aufgebaut.

Unsicherheit geht daher um. Etwa in der Verwaltung, wo Büroaufgaben mit der Digitalisierung entfallen könnten. Oder in Salzgitter bei den Motorenbauern. Denn die künftige Elektromobilität geht auf Kosten von Benzinern und Dieseln. Nicht alle Werker, die das trifft, können nun umgeschult werden auf Jobs von Morgen. Und auch in Frührente mag womöglich mancher nicht gehen, der bald soll.

Diese neuen Vorzeichen und der Diesel-Sparzwang stellen den VW-Weg vor eine Belastungsprobe. Ein Teil der Wolfsburger DNA scheint in Gefahr. Parallelen aus der jüngeren Wirtschaftsgeschichte drängen sich auf: Opel, Nokia oder AEG/Electrolux. Osterloh bürgt für andere Szenarien. Aber reicht das? dpa

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21.10.2016, 06:00 Uhr

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