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Rottenburger Fallzahlen: Mehr Stress in der Kernstadt

Bei Verbrechen 2013 starkes Stadt-Land-Gefälle

Die Rottenburger Stadtteile sind sicher. In der Kernstadt sind die Kriminalitätszahlen allerdings durchaus auf urbanem Niveau.

15.10.2014
  • Michael Hahn

Rottenburg. Einmal im Jahr stellt Hans-Peter Tausch, der Leiter des Rottenburger Polizeireviers, die örtliche Kriminalitätsstatistik den Gemeinderäten vor. Am Dienstagabend präsentierte er die aktuellen Zahlen im Verwaltungsausschuss.

„Für Rottenburg sieht es mehr als gut aus“, sagte Tausch angesichts der seit Jahren relativ niedrigen Kriminalitätszahlen – zumindest im Vergleich zum Landesdurchschnitt. 2039 Straftaten registrierte das Rottenburger Revier im Jahr 2013 in der Großen Kreisstadt. Das entspricht dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. 2012 wurden noch 2454 Straftaten in Rottenburg erfasst – allerdings schlug damals ein einziger groß angelegter Immobilienbetrug gleich mit 580 Fällen in die Statistik ein.

Zum Vergleich errechnet die Polizei eine so genannte Häufigkeitszahl (Straftaten je 100 000 Einwohner): Im vergangenen Jahr betrug diese „HZ“ in Gesamt-Rottenburg 4925, der Landesdurchschnitt war 5450. Krimineller Spitzenreiter im Landkreis war Tübingen (HZ 6351), Schlusslicht war Neustetten (HZ 1851).

Aber auch innerhalb Rottenburgs gibt es ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: Fast zwei Drittel aller Straftaten (1305) werden in der Kernstadt verübt; die Häufigkeitszahl liegt hier über 7200 (Berechnung durch das TAGBLATT). In Bad Niedernau, wurden 2013 gerade mal sechs Straftaten registriert. In Frommenhausen ebenfalls. In Weiler waren es acht.

Naturgemäß gibt es immer auch eine Dunkelziffer – also Straftaten, von denen die Polizei erst gar nichts erfährt. Revierleiter Tausch nannte ein Beispiel: „Kaum jemand wird aufs Polizeirevier kommen und sagen: Ich habe für mein Gramm Gras zehn Euro zu viel bezahlt.“ Anders herum gesagt: Wenn die Polizei besonders aktiv ist, wenn die Beamten besonders eifrig auf der Straße (oder auch im Internet) unterwegs sind, dann gehen auch die Fallzahlen nach oben – weil die Beamten eben auch mehr Straftaten feststellen.

Bei den einzelnen Delikt-Arten gibt es immer mal wieder Abweichungen nach oben oder unten, erläuterte Tausch. 338 „Roheitsdelikte“ (dazu gehören auch Körperverletzungen) zählte die Rottenburger Polizei im vergangenen Jahr in der gesamten Stadt. Mord und Totschlag tauchen dagegen überhaupt nicht auf. „Da gibt es höchstens mal ein oder zwei im Jahr“, sagte Tausch dem TAGBLATT mit Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre.

931 Tatverdächtige konnte die Rottenburger Polizei im vergangenen Jahr ermitteln (wie viele davon tatsächlich verurteilt wurden, wird nicht erfasst). Stark zugenommen hat die Zahl der Straftaten durch Kinder, von 31 (2012) auf 53 (2013). Das sei vermutlich nur Zufall, sagte Tausch. Die Altersgruppe 14 bis 21 tauchte im vergangenen Jahr 230 mal in der Statistik auf – genau so oft wie im Jahr davor. Anders gesagt: Die große Mehrheit aller Tatverdächtigen sind gestandene Erwachsene über 21.

SPD-Stadträtin Margarete Nohr lobte die Arbeit der beiden Jugendsachbearbeiter bei der Rottenburger Polizei. „Ich hoffe, dass diese zwei Stellen nicht gefährdet sind“, sagte sie. Die Prävention sei „sehr gut“, sagte die Sozialpädagogin.

Die Zahl der gemeldeten Diebstähle ging 2013 deutlich zurück (auf insgesamt 561). Immerhin 44 Wohnungseinbrüche registrierte die Polizei – deutlich mehr als in früheren Jahren. Aber dafür, dass Rottenburg an einer Autobahn liegt (Fluchtweg!), seien 44 Einbrüche immer noch sehr wenig.

Andererseits sei ein Wohnungseinbruch ein besonders drastischer Eingriff in die Privatsphäre, sagte Tausch: „Das geht an das Ur-Eigenste. Der Einbrecher macht sogar die Schublade auf, an die sonst nicht mal die Ehefrau ran darf.“ Das neue Polizeipräsidium Reutlingen habe deswegen eine eigene Abteilung geschaffen, die sich ausschließlich um Wohnungseinbrüche kümmert.

Wegen der neuen Präsidiums-Struktur sei die Polizei ja wohl landesweit „eher mit sich selbst beschäftigt“, sagte CDU-Stadtrat Hermann Sambeth – selbst ehemaliger Polizist. Grünen-Stadtrat Jörg Bischof wollte wissen, ob die Auswirkungen der Polizeireform auch in Rottenburg spürbar seien. Nein, antwortete Tausch. Neu seien nur einige interne Abläufe, „aber der Bürger wird kaum Auswirkungen feststellen“.

Immerhin habe er für das Revier Rottenburg nun zwei zusätzliche Stellen erhalten (von denen aber bisher nur eine besetzt ist). Insgesamt verfügt das Revier über 72 Stellen, inklusive der Außenposten in Ergenzingen, Entringen und Bodelshausen. Damit decke die Rottenburger Polizei mehr als die Hälfte des Landkreises Tübingen ab, sagte Tausch. „Ich bitte deswegen um Verständnis, wenn es bei einer Ruhestörung auch mal länger dauert“, bis eine Polizeistreife vor Ort eintrifft.

Bei Verbrechen 2013 starkes Stadt-Land-Gefälle
Hans-Peter Tausch, Leiter des Polizeireviers Rottenburg Archivbild:Mozer

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15.10.2014, 12:00 Uhr

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