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Rotoren in Beratungsrunde

Bei Windkraft bleibt Bronnweilers Bezirksbürgermeisterin die Luft weg

Die Reutlinger Stadtverwaltung ist auf Informations-Tour wegen möglicher Windkraftstandorte. Beim ersten Stopp in Bronnweiler waren gleich mal Sorgen, Ängste und Einwände zu hören.

10.11.2012
  • Mario Beisswenger

Bronnweiler. Etwas ruckelig drehen sich die Rotoren überm Käpfle. So zeigt es eine Simulation der Reutlinger Stadtentwickler. Die hatte Amtsleiter Stefan Dvorak zur Sitzung des Bezirksgemeinderats Bronnweiler am Donnerstagabend mitgebracht. Die Simulation gab ein Gefühl dafür, wie Windkraftanlagen entlang der Südseite des Käpfle bis rüber zur Erddeponie aussehen könnten.

Die Reaktion darauf von Bezirksbürgermeisterin Friedel Kehrer-Schreiber: „Wenn man die Bilder sieht, das verändert die Landschaft dermaßen, dass mir die Luft wegbleibt.“ Bezirksgemeinderat Gerd Schwarz war noch deutlicher: „Das ist ein Angriff auf unsere Kultur.“

Seine Kollegen äußerten ebenfalls Einwände gegen die Kraftwerke, auch das Publikum im Sitzungssaal mischte sich ein. Für Schwarz ist Baden-Württemberg kein Windkraftland. Horst Schöllkopf sah auch auf der Alb nur Windräder, die stehen – und da sollten ausgerechnet auch noch vor dem Käpfle welche hin. Da sei doch selbst bei Rotoren mit einer Nabenhöhe von 140 Metern nicht viel Ertrag möglich.

Schwarz hielt so einen Kleinstandort für vielleicht vier Rotoren für unsinnig. Wenn, dann brauche es Windparks wie in Norddeutschland. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass einzelne Rotoren in der hügeligen Landschaft stehen.“ Die würde man dann ja überall und ständig sehen.

Aus dem Publikum kam der Vorschlag, die regionale Windenergie komplett auszubremsen, bis bessere Formen der erneuerbaren Energien verfügbar sind. Die Stromproduktion sei besser in der norwegischen Nordsee oder in Nordafrika mit dem Wüstenstrom-Projekt Desertec aufgehoben. Kehrer-Schreiber sagte zu diesem Schlag der Diskussion: „Alle sollen Windräder haben, nur wir nicht“, sei vielleicht keine so richtige Haltung.

Schöllkopf vermutete dagegen: „Der Standort am Käpfle bleibt der einzige. Das ist schon eine beschlossene Sache.“ Bei den anderen Standorten müsse Wald fallen, außerdem seien die Rotoren am Käpfle leichter ans Netz anzuschließen, wegen der Biogas-Anlage am Alteburger Hof.

Dvorak hatte Mühe, seine Position rüberzubringen. „Die Stadt Reutlingen hat nicht entschieden, dass am Käpfle gebaut wird.“ Die Fläche sei eine von den wenigen übrig gebliebenen. Ob sie sich wirklich eigne, werde nun bei der Behördenbefragung und bei Untersuchungen geprüft. Dieses Arbeit sei notwendig, um „Konzentrationsflächen“ für Windkraftanlagen auszuweisen. Ohne diese Vorarbeit gelte ab 2013, dass Rotoren im Außenbereich grundsätzlich zulässig sind.

Die Stadt, eigentlich ja der Nachbarschaftsverband, müsse ein Verfahren einleiten, damit sie Bauanträge für Windräder zurückstellen kann. „Machen wir nichts, ist die Entwicklung ungesteuert.“ Die Stadt lege es auch nicht aufs Geldverdienen an mit Grundstückspacht für Rotoren. Aus dem Publikum hieß es, die Stadt würde pro Rotor bis zu 100 000 Euro jährlich bekommen und könne sich mit dem Geld die Kanalisation vergolden lassen. Der Betrag sei viel zu hoch, antwortete Dvorak. Er gelte für Hochertragsstandorte. Auf der Alb kenne er Beträge von um die 20 000 Euro, am Käpfle seien es eher weniger.

Lothar Heinrich, Projektmanager beim Sonnenbühler Windpark-Entwickler Sowitec, hält den Standort beim Käpfle durchaus für „wert, sich das mal anzusehen“. Er war selbst auch im Publikum in Bronnweiler. Wenn alles glatt liefe, könnten dort bis 2015 Windräder gebaut werden, schätzt Heinrich. Wer dabei dann zum Zuge komme, hänge aber von Entscheidungen der Stadt als Grundstücksbesitzerin ab.

Neben dem Käpfle könnten Rotoren auf Reutlinger Markung auch auf dem Bergrücken Sondelfinger Töbel zwischen B 28 und Achalm stehen sowie am nördlichsten Gemeindezipfel bei Mittelstadt. Alle anderen Flächen, auch die windträchtigen am Albtrauf, sind ausgeschlossen – viele wegen des europäischen Vogelschutzes. Das Verfahren zur Standortsuche hat der Nachbarschaftsverband in der Hand. Für ihn organisiert die Stadt Anfang kommenden Jahres eine erste Bürgeranhörung. Dann beginnen Untersuchungen, die auch noch dazu führen können, dass die drei noch möglichen Gebiete eingeschränkt werden. Eine endgültige Genehmigung, wenn dann noch Flächen übrig bleiben, wird es kaum vor 2014 geben.

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10.11.2012, 12:00 Uhr

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