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Abfall am Abhang

Bei der Mössinger Olgahöhe wird in einer kleinen Schlucht Müll wild abgelagert

Kanister, Kübel, Kartons: In einem abschüssigen Waldstück in der Nähe der Mössinger Olgahöhe stapelt sich haufenweise Unrat. Ein Kavaliersdelikt ist diese illegale Form der Abfallentsorgung nicht: Müll sündern drohen Bußgelder oder sogar eine Freiheitsstrafe.

16.06.2014
  • Amancay Kappeller

Mössingen. Durchaus beklemmend ist der Blick in die kleine Klamm, in der sich Abfall aller Art türmt: Kisten und Kästen, Bretter und Umzugskartons, Reifen, Elektrogeräte, zerlegte Möbel, Grüngut und Dinge, die sich nicht mehr eindeutig identifizieren lassen. An der Verbindungsstraße von Belsen nach Talheim führt gleich in der ersten Linkskurve ein Weg in den Wald. Autos dürfen hier nicht fahren. Die Beschilderung scheint Kraftfahrzeuglenker aber nicht davon abzuhalten, dort zu parken, um kofferraumweise Müll abzuladen – und ihn den nahen Abhang hinunter zu kippen. In der Senke stapelt sich Abfall, der absolut nicht in den Wald gehört.

Förster Joachim Kern ist das Problem seit langem bekannt. Der Platz im Wald habe sich in den vergangenen Jahren als illegale Mülldeponie etabliert: „Das ist ein Dauer-Übel“, so Kern. Die Mulde werde von Leuten „konsequent aufgefüllt“. Hausmüll, Baumüll oder ausrangierte Computer: Abfallsünder schrecken nicht davor zurück, die Umwelt auch mit sperrigen und potenziell gefährlichen Gegenständen zu verschmutzen. In Mössingen gibt es mehrere solcher Stellen, an denen regelmäßig illegal Müll abgeladen wird, so Kern – etwa in Bästenhardt beim Parkplatz am Trinkpavillon oder am Wanderparkplatz Linden. Eine Lösung für das Problem hat der Förster auch nicht parat: „Ich wüsste keine praktikable Handhabe.“

Besonders auffälliger Unrat wird vom Bauhof weggeräumt. Für „Wilde Müllablagerung im Außenbereich“, so der Fachbegriff, ist das Landratsamt zuständig, erklärt Klaus Preisendanz, Sachgebietsleiter Ordnung bei der Stadt. Aus organisatorischen Gründen sammelt der Mössinger Bauhof solchen Abfall ein. Leider komme es immer wieder vor, dass illegal Müll abgeladen werde, so Preisendanz: an Glasmüllcontainern oder eben auch am Waldrand. Eine Zunahme hat der Leiter des Ordnungsamts in letzter Zeit aber nicht beobachtet. Preisendanz kann nicht nachvollziehen, warum sich Bürger auf diese Weise ihres Abfalls entledigen: Schließlich habe jeder die Möglichkeit, Ausgedientes völlig legal zu entsorgen. „Viele denken aber, es sei am einfachsten, den Kofferraum vollzuladen“, so Preisendanz.

Nicht selten ermittelt die Polizei wegen wilder Müllablagerung. Mitarbeiter des Bauhofs durchforsten den eingesammelten Unrat nach Hinweisen auf die Müllsünder. Allerdings sind sie dabei nur selten erfolgreich; die meisten Übeltäter kommen deshalb ungeschoren davon. Fest steht jedoch, dass es sich bei der illegalen Müllablagerung keinesfalls um ein Kavaliersdelikt handelt. Wer erwischt wird, der muss wegen einer begangenen Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld in Höhe von mehreren Tausend Euro rechnen. Werden gar gefährliche Stoffe abgelagert – etwa Altöl oder explosionsgefährliche Abfälle, welche die Umwelt nachhaltig verschmutzen –, können Müllsünder wegen einer Umweltstraftat belangt und verurteilt werden. Bei Boden- oder Gewässerverunreinigung droht laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

Martin Mages, stellvertretender Abteilungsleiter beim Abfallwirtschaftsbetrieb Tübingen, erklärt, man müsse im konkreten Fall unterscheiden, ob es sich um sogenanntes unproblematisches „Littering“ – achtloses Wegwerfen oder Liegenlassen von Müll – handele oder ob die nicht ordnungsgemäße Entsorgung gefährlicher Gegenstände oder Stoffe vorliege.

Für das Wegräumen des Unrats sind je nach Fundort – etwa am Straßenrand, im Ort, an einem Gewässer, im Wald oder auf freiem Feld – verschiedene Stellen zuständig. „Es gibt viele mögliche Beteiligte, das macht die Sache etwas schwierig“, so Mages – auch für Bürger, die wild abgelagerten Müll melden möchten.

CDU-Stadtrat Jochen Schelling ist der Abfall-Abhang im Wald bei der Olgahöhe schon länger ein Dorn im Auge. Bei Spaziergängen stieß er auf die mit Müll gefüllte Senke. Derzeit ist alles bewachsen, man muss schon genau hinschauen, um die Ummengen an Unrat im grünen Dickicht zu entdecken. Im Herbst und Winter aber fällt die unattraktive Ansammlung sofort auf. Wenn erst einmal ein solcher Haufen da sei, dann werde der immer größer, bedauert Schelling. Die CDU stellte unlängst einen Haushaltsantrag zu diesem Thema: Es ging um die Einrichtung eines „Müll-Telefons“. Der Antrag sei abgelehnt worden mit der Begründung, die Leute würden dadurch dazu verleitet, ihren Müll abzuladen und dann anonym anzurufen, um ihn abholen zu lassen, erläutert Schelling.

Bei der Mössinger Olgahöhe wird in einer kleinen Schlucht Müll wild abgelagert
Die Mössinger Olgahöhe ist eigentlich bekannt für ihr naturnahes Idyll und ihren Erholungswert für Einheimische und Touristen. Diese Ecke hier gehört indes gewiss nicht zu den Hauptattraktionen der Stadt. Bild: Rippmann

Wer rund um Mössingen in der Natur oder in der Stadt illegal abgelagerten Müll findet, der kann dies dem Ordnungsamt der Stadt Mössingen melden (Telefon 07473 / 370 201) – oder dem Landratsamt des Landkreises Tübingen, Abfallwirtschaftsbetrieb, Telefon 07071 / 207 13 02.

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16.06.2014, 12:00 Uhr

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