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Komische Kameraden

Bei der Tübinger Feuerwehrkneipe scherzte heuer Innenminister Gall

Es gibt anständige, es gibt gute Witze – zu erleben war das verlässlich wieder bei der 52. Tübinger Feuerwehrkneipe. Beim bierselingen Treffen im Spritzenhaus Innenstadt prosteten und sangen sich Kameraden, Lokalprominenz, Bürger und Burschenschaftler zu – und duellierten sich am Mikrophon.

19.11.2012
  • Fabian Ziehe

Reinhold Gall lernt schnell: „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf“, zitierte der baden-württembergische Innenminister seinen Luther – in keiner der drei für eine Tübinger Feuerwehrkneipe so elementaren Disziplinen hatte der SPD-Politiker Defizite. Vor allem nicht in „Mach’s Maul auf“: Da zielte Gall gekonnt auf den prominentesten Abwesenden des Freitagabends: Oberbürgermeister Boris Palmer. Der habe bei seinen Reden als Landtagsabgeordneter die Losung „Hör’ bald auf“ regelmäßig vergessen, stichelte Gall – nicht die letzte Spitze gegen den Schultes.

Es verwundert nicht, dass sich so viel Prominenz in der leer geräumten Garage der Feuerwache Innenstadt tummelte: Präsenz kommt bei den Kameraden an. Und mehr noch: Engagement. Kneipwart Matthias Maser lobte vor der versammelten „Corona“ die Tübinger Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid, die wie auch ihr Grünen-Kollege Daniel Lede Abal gekommen war. Die SPD-Politikerin hatte Parteifreund Gall mitgebracht. „Sie hat damit bewiesen, dass auch im Wahlkampf gemachte Versprechen eingehalten werden können“, sagte Maser.

Spotten und Singen, Trinken und Scherzen

Die Feuerwehrkneipe als Tübinger Traditions-Unikat lehnt sich an die Kneipen der Studenten an. Nach Reglement wird gespottet, gesungen, getrunken – und ein Witz zwischendurch gehört zum guten Ton. Gastgeber und Abteilungs-Kommandant Martin Gaißer etwa berichtete vom Bauer, der nachts um zwei von der Polizei gestoppt wird. Er sei auf dem Weg zu einem Vortrag über Alkoholismus. Wer so spät noch so einen Vortrag halte? „Mei’ Weib“, soll Gaißer zufolge der Mann geantwortet haben.

Zur Qualität der Witze so viel: Man muss sie eben erzählen können – Gaißer war da geübt. Und wer es noch nicht wusste: Tübingens Erster Bürgermeister Michael Lucke ist es auch. Seine zwei anständigen, wenn auch umfangreichen Witze zündeten wie kaum andere.

Selten ging es unter die Gürtellinie, ein Mal war das Gemächt eines Katers Bestandteil des Scherzes. An einen aus Sicht der Kameraden eher schlechten Witz erinnerten mehrere Redner: die Debatte um neue T-Shirts. Erst nach einigem Ringen hat der Gemeinderat im Oktober den Feuerwehrbedarfsplan genehmigt, und somit die umstrittenen Mannschafts-T-Shirts für 25 000 Euro.

Lucke wies aber auch auf die aus seiner Sicht spendablen Ausgaben hin: etwa für Ausrüstung wie ein neues Rettungsboot. Oder Wohnungen der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft GWG nahe der Innenstadt-Wache, auf die Kameraden ein Vorzugsrecht haben. Damit keiner die Wohltaten vergaß, stimmte Richard Heß, Leiter der städtischen Fachabteilung Feuerwehr, auf dem Akkordeon ein Loblied an. Am Ende schunkelte und sang die Kompanie zur Melodie von „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ mit.

Die Bierorgel spielt eine halbe Weise voraus

Überhaupt: die Musik. Die Feuerwehr hatte ein Büchlein ausgelegt, das Kneipen-Reglement und Gesangsbuch in einem war. Dass die „Bierorgel“ (das Klavier) ein paar Takte vorausspielte, musste Maser mündlich ergänzen: „Wenn die Bierorgel eine halbe Weise vorausspielen soll, muss man sie auch lassen“, mahnte er. Der Gesang hätte manchen Pfarrer neidisch gemacht: beherzt und text- wie melodiesicher – ein sehr passabler Chor.

Plaudern ließ es sich in den Pausen, in denen junge Kameraden („Füxe“) Bier und Brezeln servierten. So kam man auch mit einem Innenminister ins Gespräch. Der versicherte, als weiter aktiver Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Obersulm immer noch auszurücken – zumindest bei größeren Einsätzen.

Bei der Tübinger Feuerwehrkneipe scherzte heuer Innenminister Gall
Na dann Prost! – am Ehrentisch der Tübinger Feuerwehrkneipe stießen Lokal- und Regionalprominenz mit Innenminister Reinhold Gall (dritter von rechts) an. Bild: Faden

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19.11.2012, 12:00 Uhr

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