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Wunsch und Realität liegen weit auseinander

Bei der palliativen Versorgung geht es um bestmögliche Begleitung sterbender Menschen

Wie kann man sterbende Menschen bestmöglich betreuen, was muss man beim Umgang mit diesen Menschen wissen und beachten? Einblicke in dieses sensible Thema lieferte Pflegedienstleiterin Bärbel Leiser bei ihrem Vortrag zum Thema: „Palliative Versorgung – Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen“ bei der Mitgliederversammlung des Krankenpflegefördervereins in Dornstetten.

12.11.2015
  • Monika Schwarz

Dornstetten. Beim Thema „Sterben“ liegen Wunsch und Wirklichkeit häufig weit auseinander. Währens sich drei Viertel aller Befragten den schnellen Sekundentod wünschen, ist der tatsächlich nur fünf Prozent der Sterbenden vergönnt. Die Mehrheit erleidet indes einen „nur mittelschnellen Tod“ aufgrund fortschreitender Erkrankung oder gar den langsamen Tod, der sich aufgrund einer Demenz oder Ähnlichem über Jahre zieht, informierte die Referentin. Auch der große Wunsch, möglichst zuhause zu sterben, wird nur bei rund 25 bis 30 Prozent der Menschen tatsächlich erfüllt. Die Mehrheit von über 40 Prozent stirbt nach wie vor im Krankenhaus.

Ziel der auf Pionierin Cicely Saunders zurückgehenden Hospizarbeit und des „Palliative Care“ war es deshalb stets, den unheilbar erkrankten Menschen ein würdiges, schmerzfreies und möglichst selbstbestimmtes Leben bis zum Tod zu ermöglichen. Die Gründung des ersten Hospizes im Jahr 1967 in London und das Wirken Saunders strahlten in viele Länder aus. Anfang der 1980-er Jahre entstand deshalb auch in Deutschland die Hospizbewegung.

Diakoniestation hat bisher zwei Palliativkräfte

Pflegekräfte haben in Deutschland deshalb seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, sich zur Palliativfachkraft ausbilden zu lassen. Zwei von ihnen – und eine weitere in Ausbildung – gibt es derzeit auch bei der Diakoniestation Dornstetten-Glatten-Schopfloch. Diese treffen sich zum Austausch und zur Beratung, nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. Unumgänglich bei dieser Arbeit ist das Verständnis für die Prozesse, die der Sterbende nach der niederschmetternden Prognose erlebt. „Reaktionen und Verhaltensweisen lassen sich dann nämlich viel besser einschätzen“, erklärte Leiser.

Die US-amerikanische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross hat die Phasen des Sterbens klar unterteilt. Los geht es über die Phase des „Nicht-wahrhaben-Wollens und der Isolierung“ über „Zorn“ und „Verhandeln“ bis hin zur „Depression“ und schließlich „Akzeptanz“. Wichtig für die Pflegekräfte sei einerseits die Symptomkontrolle, andererseits die seelsorgerische Begleitung in dieser Zeit. Im Vordergrund aller Bemühungen stehen dabei stets die Bedürfnisse des Palliativpatienten, betonte die Referentin.

Schmerzmittel in unterschiedlicher Stärke, aber auch die alternative Schmerztherapie, können helfen, wenn Schmerzen die sowieso permanent schwindende Lebensqualität negativ beeinflussen. Der teilweise zunehmenden Unruhe in der Sterbephase könne man durch Hinzuziehung eines Seelsorgers oder durch die Unterstützung der Hospizgruppe begegnen.

Bei der Symptomkontrolle in der Sterbephase bestehe die Gefahr der Medikalisierung, über die man aber den würdevollen Umgang und Respekt vor dem natürlichen Prozess des Sterbens nicht vergessen dürfe, betonte Bärbel Leiser. Sie schilderte Symptome wie die für Sterbende typische Rassel-Atmung, den häufig eingeschränkten Hunger und Durst in der letzten Lebensphase oder auch die Notwendigkeit einer kompetenten Mundpflege, die weniger der gezielten Reinigung als vielmehr der Förderung des Wohlbefindens dienen sollte.

Wichtig ist Integration von Angehörigen

Die Integration von Angehörigen in den Pflegeprozess gehöre bei alledem ebenso zu den Aufgaben der Pflege wie die Kompromissfindung zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Beteiligten. Insgesamt handle es sich bei der Begleitung Sterbender um eine Tätigkeit, die sehr viel Empathie, Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, aber auch Zeit erfordere. Der Gesetzgeber – und damit auch die Krankenkassen – hätten dafür aber bedauerlicherweise keine ausreichende Finanzierung vorgesehen. Besonders den Krankenpflegefördervereinen sei man deshalb dankbar für die gewährte finanzielle Unterstützung. Abschließend gab Leiser ihren Zuhörern ein paar Literaturtipps rund um das Thema mit auf den Weg und stand für Nachfragen bereit.

Bei der palliativen Versorgung geht es um bestmögliche Begleitung sterbender Menschen

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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