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Geschichten im Blitzlicht

Bei einem Ferien-Workshop sammelten Kinder Erfahrungen mit der Kamera

„Welche Heimat trägst du in dir? Was bedeutet Heimat für dich?“ Diesen und weiteren Fragen gingen fünf junge Hobbyfotografen bei einem dreitägigen Workshop auf den Grund – und erzielten dabei sehenswerte Ergebnisse.

12.09.2010
  • Sigrid Pfenning Daniela Rissinger

Kusterdingen. Sie hätten ihre Zeit auch vor dem Fernseher verbringen können. Doch die drei Jungen und zwei Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren nahmen lieber an einem Fotografieworkshop teil, der im Rahmen des Kusterdinger Sommerferienprogramms angeboten wurde.

„Am ersten Tag haben wir bei einem Brainstorming gesammelt, was die Kinder mit Heimat verbinden“, erklärt Jörg Jäger, der den Kurs mit seiner Frau Cordula leitet. Auf der Tafel sind unter anderem Begriffe wie ‚Geruch von Mama und Papa‘, ‚Kuscheltier‘ und ‚Baumhaus‘ zu lesen. „Das Thema ‚Heimat‘ ist immer aktuell. Für Kinder ist es vielleicht ein bisschen abstrakt, aber dennoch spannend.“

Auch lernten die Teilnehmer etwas über die Geschichte der Fotografie. An der Wand hing ein Abzug der ersten Fotografie der Welt. „Wir haben den Kindern auch alte Kameras gezeigt und ihnen erklärt, wie Fotografen früher gearbeitet haben“, so Jäger.

Nach der Theorie ging es mit dem Fotoapparat gerüstet raus ins Freie. Dabei fiel Juans außergewöhnliche Vorgehensweise auf: So fotografierte er von oben in Rohre und hielt die Kamera in die verstecktesten Winkel.

Für Johanna war es bereits der zweite Kurs des Diplomfotografen-Ehepaars. Im letzten Jahr gab es einen Filmworkshop. „Ich mache bei dem Kurs mit, um zu erfahren, was gute Fotografie ausmacht,“ erklärte die 14-Jährige. Ihre Lieblingsmotive sind „die Natur und mein Hund.“

Verschwommenes klarer sehen

Jägers Anliegen ist: „Ich will weg von dem Gedanken, wie man ein schönes Bild macht. Stattdessen sollte es darum gehen, mit Bildern eine Geschichte zu erzählen.“ Als die Kinder gegen Ende des Kurses ihre Motive auf dem Tisch ausbreiten, ist bei dem 14-jährigen Max die chronologische Abfolge eines Spaziergangs entstanden. Juan präsentiert ein Tableau, bei dem sich mehrere Einzelmotive zu einem Gesamtwerk zusammenfügen.

Johanna sieht die Fotografie jetzt mit anderen Augen. Sie hat erkannt, dass gute Bilder nicht nur nach ästhetischen Kriterien zu beurteilen sind. So kann „ein schlechtes Bild bei näherer Betrachtung durchaus gut sein.“ Für Johanna kann ein verschwommenes Bild mehr ausdrücken als ein gestochen scharfes.

Das Künstlerehepaar bietet die Kurse nicht aus finanziellem Interesse an. „Wir wollen, genauso wie die Kinder etwas lernen. Es ist spannend und faszinierend, wenn man selbst sieht, was man eigentlich beruflich macht.“ Jäger stellt fest, dass er „stellenweise schon zu gestalterisch“ denkt. Die authentischen Bilder der Kinder sind für ihn eine schöne Abwechslung.

Cordula und Jörg Jäger haben sich mit ihrem „Büro für Momentanverstricktes“ 2008 selbständig gemacht. Neben dem Alltagsgeschäft soll auch die kreative Arbeit mit Kindern ausgebaut werden: „In der Schule lernt man zwar lesen und schreiben, aber Bilder lesen nur sehr bedingt,“ so Jäger.

Der Workshop war dafür ein guter Anfang. Dennoch wäre Jäger eine Veranstaltung in regelmäßigen Abständen über die Ferien verteilt lieber gewesen. So könnten die Kinder das umfassende Thema besser aufnehmen.

Im Kurs haben die Kinder gelernt, wie das Bild von der Kamera auf den Computer gelangt. Dank der digitalen Fotografie ist es keine Kostenfrage mehr, ein Motiv beliebig oft abzulichten. Man kann zwischen sechs bis sieben Fotos auswählen, welche Einstellung die schönste Geschichte erzählt. „Weg von der kontrollierten Fotografie. Es macht nichts, wenn der Blitz einfach mal losgeht“, sagt Jäger.

Sicher ist, dass es im nächsten Jahr wieder ein ähnliches Angebot der Fotografen im Sommerferienprogramm geben wird. Jäger ermutigt die Nachwuchsfotografen, indem er sagt, dass man „quasi zwischen Fotos herumläuft“. Gute Motive lauern überall. Jäger betont: „Eine gute Idee ist wichtiger als eine gute Kameraausstattung.“

Bei einem Ferien-Workshop sammelten Kinder Erfahrungen mit der Kamera
Ständig auf der Suche nach außergewöhnlichen Motiven und Perspektiven: Cordula Jäger (rechts unten) und die fünf jungen Hobbyfotografen. Bild: Jäger

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12.09.2010, 12:00 Uhr

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