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Noch einmal den Sommer einfangen

Bei hohen Temperaturen erlebte das Freibad am Wochenende einmal mehr Hochbetrieb

Es könnte das letzte richtig heiße Wochenende dieses Sommers gewesen sein. Am Samstag verzeichnete das Tübinger Freibad noch einmal eine hohe Zahl Badegäste, Sonnenanbeter und Sportler.

30.08.2015
  • Michael Sturm

Bei hohen Temperaturen erlebte das Freibad am Wochenende einmal mehr Hochbetrieb
Es gab noch Platz am Samstag im Tübinger Freibad. Aber voll war es schon.

Heute soll das Thermometer noch einmal die 30-Grad-Marke erklettern, ab morgen dürfte es mit der Sommerhitze erst mal vorbei sein, wenn man den Prognosen glauben darf. Am Samstag aber war im Tübinger Freibad nochmals Hochbetrieb. Vielen ging es wie Stefanie Rall, die „noch einmal den Sommer einfangen“ wollte und mit ihrem Sohn Maximilian im Kinderbecken der Badeanstalt plantschte.

Anfang der Woche sei die Stimmung schon herbstlich gewesen, so Bademeister Bernd Gugel. Das Wochenende nannte er „die Genießertage“ für das Stammpublikum, das morgens, beziehungsweise gegen Abend schwimmen ging. Die beiden Hailfinger Kerstin Dlugosch und Matthias Rothmund schwärmten, das Tübinger Freibad sei das beste und sauberste in der Gegend. Ein Beispiel: der gepflegte Rasen. Es gebe genügend Platz, sowohl in den Becken, als auch draußen. „Heute war es noch einmal Wellness-mäßig“, schwärmte Kerstin Dlugosch. Es kamen auch einige, die in diesem Sommer noch nicht da waren. Wie der Tübinger Ralf Keller, der den Menschenmassen normalerweise lieber aus dem Weg geht – „aber heute war das Wetter so einladend“. Oder Fatih Haslama aus Eningen, der mit seiner Frau Ebru und Töchterchen Elisan meist nach Filderstadt ging – „zur Abwechslung sind wir heute hierher gekommen.“

Bei hohen Temperaturen erlebte das Freibad am Wochenende einmal mehr Hochbetrieb
Da freut sich das Kind überm und das Kind im Manne.

Schattenplätze unter Bäumen und Sonnenschirmen waren gesucht. Mehr Besucher lagen jedoch in der prallen Sonne. Betrieb gab es im Kiosk. Wer essen wollte, holte vorwiegend Pommes. Besonders beliebt aber war Eis. Die Kirchentellinsfurterin Daniela Deh schob den Deckel der Truhe alle paar Sekunden zurück, um Eis am Stiel daraus hervor zu holen. „Es gab schon schlimmere Wochenenden“, sagte sie lachend.

Neben (jungen) Familien waren wieder viele Jugendliche da, die in Gruppen kamen. Als sich der Morgennebel gelichtet hatte, textete Julian Pleli seine WhatsApp-Gruppe an, alles Schulfreunde aus Tübingen: „Heute Freibad?“ Insgesamt vier Jungs und zwei Mädchen trafen sich so zum Baden, Schwätzen und zuguterletzt auch zum Volleyball spielen: „Sie haben mich dazu genötigt“, behauptete Freddy Munz unter dem Gelächter der anderen.

Bei hohen Temperaturen erlebte das Freibad am Wochenende einmal mehr Hochbetrieb
Und los geht’s: Die Rutsche war rund um die Uhr gefragt.Bilder: Faden

Einige der Badbesucher machten Sport. Hinter der Liegewiese gab es ein Beach-Volleyball-Match. Gleich daneben setzten fünf Jugendliche akrobatische Elemente, die sie vorher am Becken unter dem Sprungturm herum geübt hatten, auf trockenem Untergrund um. „Für uns ist das Freibad im Sommer der Trainingsplatz Nummer eins“, sagte der Tübinger Daniel Martins-Hegele. Seit zwei Jahren etwa übe die Gruppe zusammen, so die ebenfalls 16-jährige Pauline Riehle, die einige Turnübungen vormachte. Vor allem ihre Radwende beeindruckte den gleichaltrigen Leo Scheule: „Das sah so perfekt aus, mein Gott!“

Jenseits der Hecke, auf der Liegewiese, trainierte eine 18 Köpfe starke Cheerleader-Gruppe. Ihr Kopf, der Stuttgarter Trainer Alessandro Caliandro, hatte Mitglieder verschiedener Vereine nach Tübingen eingeladen, wo sie nachts im Garten seiner Großmutter zelteten. Die Cheerleader kamen aus verschiedenen Regionen, bis hin nach Thüringen. Es komme durchaus vor, dass auch Jungen darunter seien, so die Regensburgerin Mona Espinosa: „Das kommt auf die jeweilige Stadt an.“ . In Regensburg seien allerdings keine dabei. Die Jungen wechselten meist aus der Leichtathletik zum Cheerleading, verriet die Stuttgarterin Susanne Giese. Ihre beiden Kinder Sebastian und Marina seien über die Baseballer der Stuttgart Scorpions an den Sport gekommen. Marina wurde einarmig von Trainer Caliandro gestemmt oder an höchster Stelle der Pyramide platziert. „Es hat viel mit Vertrauen zu tun“, so die 13-Jährige.

Bei allem Bewegungsdrang neben dem Becken – ins Wasser sprangen sie alle. Vier Bahnen wurden für die Sportschwimmer reserviert. Im restlichen, größeren Berech des Schwimmerbeckens ging es aber auch manierlich zu. „Die Vollchaoten, die an den ganz heißen Julitagen da waren, sind in den letzten Tagen nicht mehr gekommen“, stellte Bademeister Gugel fest. Zwanzig dieser Sorte hätten mehr Stress gemacht, als 2000 Andere zusammen.

Gerade wollte sich Gugel wieder an den Beckenrand aufmachen, als es an die Tür der Bademeister-Kabine klopfte. Dort standen der Tübinger Landschaftsgärtner Andreas Buck und seine Tochter. Buck streckte eine Hand nach vorne. Darauf robbte eine ungewöhnlich große Raupe. Die hatte Bucks Schwester Susanne unter ihrer Badetasche gefunden. Nach erster Panik fand sie ihren Humor wieder: „Das ist die Raupe Nimmersatt!“ Umstehende traten zusammen. Doch keiner konnte das Tier bestimmen. „Giftig ist sie nicht“, stellte Andreas Buck fest, ehe er den interessierten Kindern die Saugnäpfe und Kauwerkzeuge der Raupe zeigte. Danach setzte er das Tier wieder dort aus, wo es gefunden worden war.

Als sich die Sonne allmählich hinter den Spitzberg verzog, richteten sich die Blicke einiger gen Himmel: Sechs Heißluftballons, einer startete scheinbar auf dem Festplatz, zogen vorüber. Zur Freude der Jettenburgerin Leni Catliff und ihrer Kinder Jayme und Amelie Wilke. Weil sie in diesem Sommer so oft hier gewesen seien, so Leni Catliff, überlege sie, nächstes Jahr eine Saisonkarte für das Tübiger Freibad zu kaufen. Der Besucherandrang am Samstag machte sich auch für den Tübinger Wirt Roberto di Ragusa bezahlt: Zusammen mit einem Helfer bestückte er innerhalb einer halben Stunde so ziemlich alle Autos, die ums Schwimmbad herum parkten, mit Werbung für sein Restaurant. Gut 70 Prozent der Autobesitzer, so seine Erfahrung, kämen dann auch mal zum Essen vorbei.

Etwa 4000 Besucher kamen am Samstag ins Tübinger Freibad, das ist ein guter, aber kein rekordverdächtiger Wert. Am Sonntag waren es 6000 Badefreunde. So richtig Stress bekommen die Bademeister, wenn die Zahl in Richtung 9000 geht, was in diesem Jahr schon vorgekommen ist. Den Alltime-Rekord hält weiterhin der Jahrhundertsommer 2003. Dort sollen einmal 12 400 Leute gekommen sein. Eine Zahl, die allerdings auch einem technischen Fehler geschuldet sein könnte, wie es bei den Stadtwerken heißt.

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30.08.2015, 12:00 Uhr

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