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Unterschiede im Detail

Beide Bürgermeister-Kandidaten versprechen Bürgern und Betrieben direkten Draht

Markus Appenzeller oder Bernd Haug – einer von beiden wird wohl am Sonntag neuer Bürgermeister von Kirchentellinsfurt. Das TAGBLATT sprach mit ihnen über den Wohnungsbau und den Baggersee, übers Gewerbe und über die Kultur.

16.10.2014
  • Stephan Gokeler

Kirchentellinsfurt. Es wird ein knapper Ausgang, sind sich Beobachter einig. Markus Appenzeller (40), Brandschutzbeauftragter am Uni-Klinikum, FWV-Gemeinderat und Feuerwehrkommandant, holte im ersten Wahlgang 31,9 Prozent, Bernd Haug (46), Diplom-Finanzwirt und Geschäftsführer der hessischen Ingenieurkammer, kam auf 39,5 Prozent.

Wohnungsbau: Die große Nachfrage nach Baugrundstücken am Ort sehen beide Kandidaten gegenwärtig noch durch die Erschließung des zweiten Bauabschnitts am Billinger Weg gedeckt. Um dem Siedlungsdruck und steigenden Mieten entgegenzuwirken, findet Appenzeller ausdrücklich auch den Geschosswohnungsbau unverzichtbar. „Das ist heute ja auch ganz ansehnlich möglich“. Außerdem sollte die Gemeinde im Sozialen Wohnungsbau aktiv sein und sich wegen der demografischen Entwicklung auch für kleine und barrierefreie Wohneinheiten engagieren. Als einzige weitere Entwicklungsachse für die Zukunft sieht Appenzeller die Südringverlängerung.

Haug wünscht sich ein städtebauliches Konzept, das auch die alte Bausubstanz im Ortskern mit einbezieht: „Die Gemeinde sollte das Immobiliengeschäft am Ort intensiver begleiten und stets über ein aktuelles Verzeichnis verfügen, wo etwas zum Verkauf steht oder in den Verkauf kommen könnte.“ Durch die kommunale Förderung von Mehrgenerationen-Häusern oder Senioren-WGs könnten ältere Menschen geeignete Angebote finden. Immobilien, die eigentlich für allein lebende Senioren zu groß geworden sind, kommen wieder auf den Markt und würden rechtzeitig saniert. Einig sind sich beide Bewerber, dass die Gemeinde kontinuierlich mit Eigentümern von Baulücken-Grundstücken oder sanierungsbedürftigen Gebäuden im Gespräch sein sollte.

Gewerbe: Haug und Appenzeller betonen, dass ihnen der direkte Draht zu den ortsansässigen Betrieben ein besonders wichtiges Anliegen als Schultes wäre. Mit Blick auf das gemeinsame Gewerbegebiet mit Reutlingen sagt Appenzeller: „Die Wirtschaftsförderung der Stadt Reutlingen ist recht nah am Puls der Zeit, Kirchentellinsfurt bisher eher nicht.“ Mehrere Betriebe seien deshalb abgewandert, was hätte verhindert werden können.

Auch Haug verlangt, dass die Unternehmen die Chance erhalten müssten, „ihre Wünsche und Vorstellungen möglichst frühzeitig einbringen zu können“. Gerade Handwerksbetriebe, die eher kleine Baugrundstücke benötigten, seien bisher zu kurz gekommen. Gut findet er, dass ihnen bei der Planung im Mahden jetzt entgegengekommen wurde. Sollten die Plätze dort vollständig vergeben sein, sieht Appenzeller in einem Gewerbemischgebiet zwischen Braike und Südring ein Thema für die nächsten Jahre. Haug glaubt, dass die Gemeinde in einer geeigneten Leerstands-Immobilie mit einem Gründerzentrum für hochschulnahe Firmengründer erfolgreich sein könnte.

Kultur: Einigkeit herrscht bei den Kandidaten, dass Kirchentellinsfurt über ein sehr reges Vereinsleben verfügt, das jede Unterstützung verdient. Appenzeller möchte ehrenamtliches Engagement von der Gemeinde stärker gefördert sehen. Immer neue Gesetze und Verpflichtungen machten den Vorständen zu schaffen, hier sollte die Gemeinde die Vereine ganz praktisch unterstützen. Beim Dorfstraßenfest solle die Gemeinde künftig die Organisation und das Rahmenprogramm übernehmen – „auch wenn das dann halt 5000 Euro kostet pro Fest“. Was zusätzliche Angebote angeht, möchte Appenzeller eine „vorausschauende Nutzungsplanung“, die auch die Bücherei und die Ganztagsbetreuung einbezieht. Zusammen mit der energetischen und Bauzustands-Analyse der gemeindeeigenen Gebäude lasse sich dann eine Prioritätenliste erstellen. Das Engagement des Zehntscheuervereins findet er löblich und respektabel, er sieht aber dieses Gebäude nicht ganz oben auf der To-Do-Liste.

Haug verweist darauf, dass es an Treffpunkten für die kleineren Vereine am Ort mangele, es außer dem Rittersaal wenig geeignete Räume für Veranstaltungen gebe. Weil sich durch den starken Zuzug von Familien auch die Bedürfnisse immer wieder änderten, könnte er sich die Zehntscheuer als Ort, der „multifunktional bespielt“ werden kann, durchaus gut vorstellen.

Schönbuch und Baggersee: Mehr Orte zum Verweilen und mit Aufenthaltsqualität im Schönbuch, das wollen beide. Die künftige Nutzung des Baggersees will Haug durch einen Bürgerentscheid klären lassen.

Für Appenzeller hingegen ist klar, dass es mit einen Sommer-Kiosk, einem ordentlichen Badeufer und naturverträglichen Wanderwegen genug sein müsse. Ein dauerhafter Kiosk sei nicht denkbar. „Die 700 000 Euro für eine feste Frischwasserleitung kann man sich sparen.“Archivbilder: Metz

Beide Bürgermeister-Kandidaten versprechen Bürgern und Betrieben direkten Draht
Rund 5600 Einwohner von Kirchentellinsfurt warten auf ihren neuen Schultes. Am kommenden Sonntagabend um 19 Uhr wissen alle mehr. Bild Grohe

Beide Bürgermeister-Kandidaten versprechen Bürgern und Betrieben direkten Draht
Markus Appenzeller

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16.10.2014, 12:00 Uhr

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