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Digital ergänzt anolog

Beim Autokauf bleibt das sinnliche Erlebnis wichtig

Die Digitalisierung macht vor keiner Branche halt. Führende Manager der Automobilindustrie haben beim Tag der Automobilwirtschaft über Apps, Online-Angebote und die Konkurrenz aus Silicon Valley geredet.

05.11.2015

Von MIRIAM KAMMERER

Nürtingen Nach A, B und C kommt bekanntlich D im Alphabet. Und um das D wie Digitalisierung dreht sich beim 16. Tag der Automobilwirtschaft viel, wenn nicht alles.

Daimler-Chef Dieter Zetsche stellt fest, dass in Deutschland oft die Risiken rund um Datenschutz und Datenklau im Vordergrund stehen. Dieser defensive Ansatz könne irgendwann zum Standortvorteil für Deutschland werden. Gleichzeitig müsse auch über die Chancen geredet werden. Denn wer Daten preisgibt, kann auch davon profitieren. Und weil Automobilhersteller keine Kommunikationsunternehmen seien, können sie die Daten der Kunden dafür nutzen, ihnen einige Annehmlichkeiten zu verschaffen. "Der entscheidende Treibstoff der Zukunft sind Daten," sagt Zetsche. Ein Beispiel: Wer sich zukünftig im Urlaub ein Auto leiht, wird in einen Wagen steigen, bei dem die Spiegel schon perfekt eingestellt sind und die Lieblingsmusik läuft.

Die Internetgiganten Apple und Google gelten vielen in der Automobilbranche als große Konkurrenz im Rennen um die Digitalisierung. Autoexperte Willi Diez hat dazu eine entspannte Haltung: "Super, dass die sich damit beschäftigen, das beweist, die Branche hat Zukunft."

Die Zukunft sieht Zetsche auch im "Neckar Valley". Jahrzehntelang habe man hier von der Nähe zu den Zulieferern profitiert, jetzt gelte es, dieses Erfolgsmodell in das digitale Zeitalter zu übertragen. Wichtig sei, die "direkte Schnittstelle zum Kunden in der Hand zu behalten". Und das soll über digitale Kanäle, wie Apps, geschehen.

Auch im digitalen Zeitalter müssen Autos in irgendeiner Form an den Mann oder die Frau gebracht werden. Wayne Griffiths, Vertriebsleiter von Audi, sieht da den Autohandel gegenüber Apple und Google im Vorteil. Die Händler seien nämlich physisch in ganz Deutschland vor Ort, Apple und Google sind das nur bedingt.

Und damit kommt er zu den Grenzen der Digitalisierung. Musikstreaming könne niemals mit einem Live-Konzert mithalten, Flirtportale nie mit richtigem Flirten. Daher ist er auch überzeugt, dass der Autokauf etwas Physisches bleibt. Allerdings: "Digital wird analog ergänzen." So wie es bei erfolgreichen Online-Flirts irgendwann auch zum realen Treffen kommt.

Etwas Entscheidendes hat sich beim Autokauf verändert: Fast alle Kunden, 94 Prozent nämlich, informieren sich vor dem Autokauf online und der Großteil geht danach in ein Autohaus. Meist bleibt es bei einem Besuch; wenn der Kunde sich dann nicht zum Kauf entscheidet, ist er als Käufer verloren.

Und so versuchen große Hersteller, ihren Kunden attraktive, digitale Angebote zu bieten. Hyundai testet mit Rockar eine neue Form des digitalen Autohandels. Mit Audi City hat Audi einen digitalen Showroom geschaffen. Aber auch Service, der nichts direkt mit dem Autokauf zu tun hat, wird geboten: Peter Schwarzenbauer, Vorstandsmitglied bei BMW, erzählt von einer App, die bei der Parkplatzsuche hilft. Auch hinter weiteren Apps stecken die Münchner Autobauer. Opel bietet seinen Kunden auch viele digitale Dienste mit der Plattform Onstar.

Schwarzenbauer erklärt anhand eines erfolgreichen digitalen Modells, wo die Reise hingehen könnte. Das Angebot des Fahrdienstleisters Uber habe sich in den USA durchgesetzt, weil es dem Kunden Komfort biete. "Die Autoindustrie war jahrelang nicht kundenorientiert." In der digitalen Welt werden Kunden anders handelt. Das müsse die Branche jetzt lernen.

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Erstellt:
5. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. November 2015, 12:00 Uhr

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