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Wer bin ich und was kann ich?

Beim Career Service der Universität bekommen Studierende Orientierung für Beruf und Bewerbung

Wenn das Ende des Studienjahrs naht, stellt sich Studierenden oft verschärft die Frage: Studiere ich überhaupt das richtige Fach? Und was für einen Beruf kann ich später damit ausüben? Wer mit solchen Zweifeln nicht alleine klar kommt, findet an der Uni Tübingen kompetenten Rat beim Career Service.

15.07.2014
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Der englische Begriff ist in diesem Fall möglicherweise etwas irreführend – und dann doch wieder zutreffend. Denn anders als das deutsche „Karriere“ bedeutet „career“ nicht gleich Aufstieg und Erfolg, sondern einfach Berufs- und Lebens-Laufbahn. Und so ist es auch gemeint, wenn etwa die Beraterin Gudrun Straßburger einen Studenten vor sich hat, der kurz vor dem Bachelor-Abschluss steht, aber keinen Plan hat, wie es danach weitergehen soll.

Der Career Service ist gewissermaßen ein Begleitboot des Bologna-Prozesses, der europaweiten Umstrukturierung der Studiengänge an Universitäten. Seit Herbst 2011 wird unter dem Motto „Erfolgreich studieren in Tübingen“ (Esit) an der Uni auch speziell Coaching und Beratung für den Berufseinstieg angeboten. „Niederschwellig“ soll es sein, weshalb die Beraterinnen regelmäßig am Info-Point in der Mensa Wilhelmstraße präsent sind – um mal schnell eine Bewerbungsmappe durchzusehen oder Fragen zu einem Praktikum zu beantworten.

Der Career Service organisiert auch Möglichkeiten, Firmen von innen kennen zu lernen. Die Psychologin Constanze von Gültlingen, Kontaktfrau für Unternehmen in der Region, hat in diesem Semester zum Beispiel einen „Karrierebus“ zur Firma Kärcher (Hochdruckreiniger) in Winnenden organisiert. Die Studenten konnten dort mit dem Personaler sprechen und sich ein Bild davon machen, welche Qualifikationen in einem solchen Betrieb gewünscht werden.

„Die Wirtschaft formt die Leute lieber selber“, sagt von Gültlingen. Unternehmen suchen junge Menschen mit Schlüsselkompetenzen, die sie dann in ihre interne Weiterbildung schicken. „Da geht es eher ums Durchhalten.“

Deshalb ist der anfangs in der Wirtschaft eher geschmähte Bachelor-Abschluss nach der Beobachtung des Career Service inzwischen kein Starthindernis mehr. Einsteiger mit BA verdienen zwar weniger als frühere Diplomierte. Neuere Studien belegen jedoch, dass sie diesen Rückstand in etwa zwei Jahren aufholen.

Gudrun Straßburger und das Team des Career Service fühlen sich für all jene Studenten zuständig, die vom Zweifel geplagt werden, ob aus ihnen jemals etwas wird – auch wenn sie innerhalb der Uni durchaus erfolgreich sind. Straßburger, Soziologin und Politikwissenschaftlerin, hat das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und bringt Verständnis mit für Umwege im Lebenslauf. Sie selbst entdeckte Beratung als Beruf während ihres Studiums.

„Die Redegewandten, die sich gut präsentieren können“, sagt Straßburger, „die finden sich bei uns nicht ein.“ Es sind eher die Unsicheren, die Schüchternen, Studenten von Nischenfächern, internationale Austauschstudierende, die sich im deutschen Arbeitsmarkt nicht auskennen. Zur Zeit auch wieder vermehrt Lehramtsabsolventen, die plötzlich feststellen, dass sie im Schuldienst nicht übernommen werden. „Die Leute sind oft richtig gut,“ sagt Straßburger, „aber sie haben keine Ahnung davon, was sie können.“

Straßburger und ihre Kolleginnen (siehe Kasten) versuchen dann, mit den Studenten deren individuelle Stärken herauszuarbeiten: „Wer bin ich und was kann ich?“ Zur Eingrenzung der Möglichkeiten auch: „Worauf habe ich überhaupt keine Lust?“ Dann wird überlegt, wo der Absolvent sich bewerben, welches Profil er dafür schärfen könnte.

Der größte Orientierungsbedarf über die berufliche Zukunft herrscht nach der Beobachtung des Career Service derzeit bei Sozial- und Kulturwissenschaftlern. Aber auch Mediziner, Betriebswirtschaftler, Volkswirte sind unter den Ratsuchenden. „Wir machen kein Recruiting“, betont Straßburger. Der Career Service arbeitet nicht im Auftrag von Arbeitgebern. Aber die Berater geben Tipps, wo man es versuchen könnte. „Manchmal klappt es eben nicht mit dem Traumjob“, sagt Straßburger. Sie sieht ihre Aufgabe eher darin, zu entdecken, was in den jungen Leuten steckt, ihnen den Rücken zu stärken, sie manchmal „auf den Boden der Realität“ zurückzuholen. „Wie sieht Ihr Plan B und C aus?“ fragt sie dann.

Abgesehen von der professionellen Evaluation haben die Berater immer wieder persönliche Erfolgserlebnisse: Kürzlich hat Straßburger einem brasilianischen Austauschstudenten, der ein Praktikum suchte, den deutschen Arbeits- und Stellenmarkt verklickert. Der Career Service beriet ihn beim Abfassen einer Bewerbung – inzwischen hat er eine Zusage von einem Unternehmen in der Region. Eine frühere Studentin der Erwachsenenbildung bedankte sich gerade erst für die Verbesserung ihres professionellen Auftritts. Dies und ein Insidertipp verhalfen ihr zu einer Stelle in einem Bildungs- und Beratungsunternehmen.

Bis zu sechs Monaten nach der Exmatrikulation

Andere finden durch den Career Service den Mut, ihren wahren Berufswunsch zu verfolgen. Wie jene Philologin, die eigentlich kam, um für die Bewerbung um ein Verlagslektorat fachliche Hilfe zu suchen. Straßburger hatte den Eindruck: „Das ist gar nicht ihr Thema“ und fragte: „Was wollten Sie eigentlich als junges Mädchen werden?“ Autorin, war die schüchterne Antwort. „Dann probieren Sie das doch“, sagte die Beraterin und verwies die Studentin an Treffpunkte für kreative Schreiber im Brechtbau. Jetzt kam die gute Nachricht: Die Studentin hat mit einer Jugendgeschichte den ersten Preis in einer Verlags-Ausschreibung gewonnen.

Für Studenten und Promovierte steht der Career Service bis sechs Monate nach der Exmatrikulation zur Verfügung. Die Beraterinnen empfehlen jedoch, möglichst frühzeitig zu kommen, mindestens sechs Monate vor Ende des Studiums. Das nimmt den Druck heraus, man kann den Arbeitsmarkt in Ruhe erkunden und vielleicht noch eine Zusatzqualifikation im „Studium professionale“ der Uni erwerben.

Geduld sollte man außerdem mitbringen. Denn der Career Service ist so gut ausgelastet, dass die Wartefrist für eine Einzelberatung zur Zeit acht Wochen dauert.

Beim Career Service der Universität bekommen Studierende Orientierung für Beruf und Bewerbung
Wegweiserinnen an der schwierigen Schnittstelle zwischen Studium und Beruf: Gudrun Straßburger, 56 (links), und Constanze von Gültlingen, 40, vom Career Service der Universität, hier am Info-Point in der Mensa Wilhelmstraße. Bild: Sommer

Neben Gudrun Straßburger und Constanze von Gültlingen gehören noch vier weitere Berater zum Team des Career Service: Sylvia Kieselbach, Sabine Sambeth, Annette Mauch, Ruven Wiljan. Die Berater haben jeweils unterschiedliche Schwerpunkte: Promotion, Vorbereitung aufs Bewerbungsgespräch, Auftreten, Studienfachwechsel, persönliche Stärken.
Jede/r Studierende und Absolvent/in der Uni kann bis zu drei Beratungen in Anspruch nehmen und sich außerdem in einer Gruppensitzung über seine beruflichen Möglichkeiten und Ziele Klarheit verschaffen.
Der Career Service hält auch Kontakt zu Unternehmen in der Region, vermittelt Praktika und Stellenangebote für Berufseinsteiger.
Kontaktaufnahme über den Infopoint in der Mensa Wilhelmstraße, unter der Telefonnummer 0 70 71 / 2 97 70 90 / -91 oder über www.career-service.uni-tuebingen.de.

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15.07.2014, 12:00 Uhr

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