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Regenschauer trübten das Rottenburger Vergnügen

Beim Neckarfest deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren

Deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren, aber schätzungsweise immer noch mehr als zehntausend kamen am Wochenende zum Neckarfest. Wichtigstes Utensil waren Regenschirme. Der Stimmung taten die immer wieder durchziehenden Regenschauer dennoch keinen Abbruch. Über 50 Veranstalter aus Rottenburg und den Partnerstädten zeigten erneut, dass sie auch unter widrigen Bedingungen feiern können.

29.06.2014
  • Martin Zimmermann

Rottenburg. Pünktlich zum Fassanstich begann der Regen. Wegen des wechselhaften Wetters ging es an Flohmarkt-, Essens- und Getränkeständen deutlich ruhiger zu als in den Vorjahren. Dichtes Gedränge herrschte am späten Samstag im Discozelt.

„Wenigstens werden jetzt alle nass und nicht nur die Bürgermeister beim Kanurennen“, witzelte Oberbürgermeister Stephan Neher in seiner Eröffnungsrede. Beim Fassanstich mussten die Holzbläser der Stadtkapelle von Zelten und Schirmen aus spielen, während die Blechbläser im Regen standen. „Blechinstrumenten macht das Wasser weniger aus“, erklärte Ekkehard Kaupp. Nach dem souveränen Fassanstich mit zwei Schlägen retteten sich viele Besucher mit ihren Freibiergläsern ins Haus am Nepomuk, wo Ex-Baubürgermeister Holger Keppel den Gästen aus St. Claude auf Französisch seine Foto-Ausstellung erklärte. Andere Besucher bastelten sich improvisierte Regenjacken aus gelben Säcken.

Kurz darauf hörte der Regen auf; doch die Stände des Kinderflohmarkts im Stadtgraben hatten schon zusammen gepackt, und auch einige professionelle Flohmarkthändler dachten ob des schlechten Wetters an einen Abbruch. „Ich wollte schon heimfahren, aber das ist gegen mein Prinzip, und die Standgebühr ist ja auch schon bezahlt“, sagte Roland Weißflog, der In der Gartenstraße Videos und CDs verkaufte. Der Karlsruher Händler übernachtete von Samstag auf Sonntag auf einer Liege in seinem Stand: „Dann merke ich, wenn mir jemand etwas klauen will, und kann ihm mit der Taschenlampe auf die Finger hauen.“

Beim Neckarfest deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren
Regenschirme waren beim Neckarfest heuer die wichtigsten Utensilien. Unser Bild entstand am Samstagabend im Schänzle-Park.Bilder: Rippmann

Beim Promi-Kanurennen der Beruflichen Schule paddelte inzwischen das Gefängnisteam mit Knast-Direktor Matthias Weckerle und Gerhard Brüssel den anderen Kanus davon, als seien sie auf der Flucht. Die drei Bürgermeister fuhren den anderen Teams als Geisterfahrer auf dem Rundkurs entgegen. OB Stephan Neher schien mehr Spaß an Wasserschlachten mit anderen Teams zu haben als am Paddeln. Kieloben schwamm das Boot der Partnerstädte Gols, St. Claude und Lion-sur-mer. „Wir Normannen haben keine Angst vor kaltem Wasser“, lachte Jean Vaillant, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Kiebingen – Lion-sur-Mer nach seinem unfreiwilligen Bad.

Am späten Nachmittag und Abend kam das Fest langsam in Fahrt. Am Eugen-Bolz-Platz hatten Kinder ihren Spaß beim Rummelplatz des Vereins moderne Jugendkultur mit Schiffschaufel, Karussell und Trampolin. Grundschulkinder durften in luftgefüllte Bälle verpackt auf dem Wasser gehen. Vor dem Martinshof hatte ein Team um den Klimaschutzbeauftragten Jörg Weber einen Kinder-Fahrradparcours aufgebaut.

Beim Neckarfest deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren
Überraschend viele Besucher strömten am Samstagabend zur Showinsel, wo Upsolution spielte.

In der Kirchgasse hatten die Jungen Aktiven eine Strandbar aufgebaut und erstmals in diesem Jahre ihren Stocherkahn zu Wasser gelassen. Walther Puza, seit drei Jahren Bürgermeister im Oberschwäbischen Berkheim stocherte erstmals seit einem Jahr wieder: „Hier kann ich mal den kommunalpolitischen Stress mit dem Kläranlagenbau vergessen.“

Ausdauer bewiesen am Samstagmittag die Blasmusiker aus Seebronn. „Wir spielen heute drei Stunden und morgen vier Stunden“, sagte der 16-jährige Flügelhornist Simon Baur, der bereits seit zwei Jahren in der aktiven Kapelle spielt. Nervös, vor so vielen Leuten aufzutreten sei er nicht, sagte der Jungmusiker: „Wir spielen ja heute nur die Unterhaltungsmappe.“ Nebenan im Zwinger musizierte der Baisinger Musikverein vor dem Eingang zum Folterkeller-Turm.

Teufele-Rennen dieses Mal für die Stadtbibliothek

Gegenüber warb der erstmals vertretene Förderverein „Haus der Nachbarschaft“ um Mitglieder. Aus der Schaufel eines Baggers ließ der Förderverein Stadtbibliothek einige hundert Gummiteufelchen in den Neckar platschen. Sie bildeten auf dem Wasser zunächst eine roten, runden Klecks. Das folgende Teufel-Schneckenrennen hatte wegen der schwachen Neckarströmung den Unterhaltungswert eines torlosen Unentschiedens. Die Feuerwehr hatte auf dem Neckar eine Schlauchbarriere gelegt, mit der sie die Teufele wieder herausfischte. Abends warteten etwa ein Dutzend Eltern und Kinder ungeduldig auf die Preisausgabe. Dabei gab es auch Enttäuschungen. So gewann der siebenjährige Craig das Buch „Luther kurz und knapp.“ Das Förderverein-Stadtbücherei-Team um Josef Fäßler und Renate Witte hatte aber auch an einen Korb mit Trostpreisen gedacht, um die Kinder über die Nieten hinwegzutrösten.

Beim Neckarfest deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren
Stets gut gefüllt war auch das Zelt des Musikvereins Seebronn.

Bald darauf begann der Regen erneut. Die Leute drängten sich in die Zelte. Gut gefüllt war etwa das Zelt bei Reifen-Schiebel in der Gartenstraße. Dort träumte nicht nur das Volksmusik-Duo Schneehühner in seinen Liedern vom Süden und besserem Wetter. Dichtes Gedränge herrschte auch im Diskozelt „Carribean Dream“.

Bei den Motorradfreunden im Schänzle behauptete der Frontmann der Cover-Band Dependent „AC/DC geht bei jedem Wetter.“ Die Lederjackenträger Patrick Schmid und Hannes Tomuschat waren aus Hechingen zu Motorradfreunden gekommen: „Vor einigen Jahren sind wir mal mit einem Rottenburger Arbeitskollegen hergekommen. Seither ist das Neckarfest ein Pflichttermin.“ Für die Headliner-Gruppe Palko!Muski nebenan an der Jugendhaus-Konzertmuschel war Birgit Rüll sogar aus Garmisch angereist. Die Schweizer Balkan-Punk-Gruppe heizte ihren Fans so ein, dass diese nach dem Feuerwerk und kurz vor Mitternacht ausgelassen im Regen tanzten.

Zur Teenager Disko hat sich seit dem letzten Jahr der Eugen-Bolz-Platz entwickelt. Dort sorgte eine Laser-Show für Stimmung. In den Regenphasen standen die jungen Leute an der Bushaltestelle unter. „Nächstes Jahr gibt es ein Dach“, versprach Disco-Veranstalter Andreas Lanz.

Beim Neckarfest deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren
Stadtkapelle im strömenden Regen beim Fassanstich

Am Sonntag stiegen um neun Uhr morgens statt des üblichen Quartetts gleich zehn Blechbläser der Stadtkapelle auf den Domturm, um von dort Choräle zu blasen. „Der Wind dort oben hat unsere Noten gehörig verblasen. Wir mussten sie mit Klammern und Magneten fest machen, damit sie nicht wegwehten“, berichtete Dirigent Tobias Maier. Auch die Beachvolleyballerinnen im Schänzle trugen wegen des kühlen Wetters Neopren-Anzüge statt knapper Bikinis.

Auf der Showinsel sang am Sonntagmittag der Grundschulchor „Laubfrösche“ aus Kiebingen, während die Bläserklasse von Musikverein und Grundschule Ergenzingen vor der Zehntscheuer „Freude schöner Götterfunken“auf Trompeten und Posaunen blies. Am Sonntag kamen besonders viele Besucher zum Mittagessen aufs Fest. Im Garten des Priesterseminars gab es Schweinebraten statt wie in den Vorjahren Ochs am Spieß. Beliebt waren auch Schupfnudeln, Frühlingsrollen und türkische Fladen.

Schupfnudeln ausverkauft, Steak-Wecken übrig

Die Vereine zogen je nach ihrem Essensangebot eine unterschiedliche Festbilanz. Herbert Herrmann vom Musikverein Dettingen hatte sämtliche Schupfnudeln ausverkauft: „Die Kühle ist gut für Schupfnudeln.“ Bernd Oswald vom Musikverein Bieringen verkaufte dagegen nur halb so viele Pommes und Steaks wie im letzten Jahr. Weggeschmissen werden müsse deshalb nichts: „Teilweise geben wir die eingefrorenen Sachen wieder zurück. Teilweise haben wir im Großmarkt am Samstag schon gar nicht so viel mitgenommen wie wir bestellt haben.“ Möglicherweise müsse man auch das Angebot dem Wetter anpassen, philosophierte Oswald: „Wenn nächstes Jahr wieder so ein Herbstwetter ist, servieren wir Schlachtplatte.“

Andreas Lanz vom Verein Moderne Jugendkultur schätzte, dass über das Wochenende nur etwa halb so viele Leute kamen wie letztes Jahr. Ursache für den Schwund sei aber nicht nur das Wetter, sondern auch dass das Neckarfest inzwischen mit mehr Veranstaltungen in den Nachbarstädten konkurriere als noch vor einigen Jahren. Zufrieden mit dem Besuch äußerte sich Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert: Trotz des Regens seien überraschend viele Besucher zu den musikalischen Darbietungen auf der Showinsel und im Schänzle gekommen. Und weniger Besucher bedeute nicht unbedingt weniger Umsatz, das habe sich schon in den vergangenen Jahren mehrfach erwiesen.

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29.06.2014, 12:00 Uhr

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