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Mamas auf dem Laufsteg

Beim Pferdezüchten kommt es auf den richtigen Riecher an

Kommenden Dienstag zeigen die Pferdezüchter aus der Region ihre Stuten in Herrenberg bei der Faschingsprämierung. Auch der Reustener Eugen Schill ist dabei.

13.02.2010
  • Uschi Hahn

Reusten. Sie steht nicht gerne still. Vor allem nicht im Schneegestöber. Ungeduldig trippelt Weroni hin und her. Beruhigend spricht Eugen Schill auf die hoch gewachsene Fuchsstute mit den feinen Gesichtszügen ein, bis sie schließlich gnädig ein paar Sekunden in die Kamera scheut. „Vom Temperament her ist die schon am oberen Limit“, sagt der 66-jährige Schill über die 14-jährige Vierbeinerin, der er seinen bisher größten Zuchterfolg zu verdanken hat. Gleich ihr erstes Fohlen, das sie vor zehn Jahren zur Welt gebracht hatte, ist heute auf dem besten Weg zur Weltmeisterschaft der Reiter, die in diesem Spätsommer in Kentucky/USA stattfindet.

Als der Wallach, der heute Douglas heißt, im Frühjahr 2000 zur Welt kam, nannten die Schills ihn der Einfachheit halber D’r Eugen – nach Eugen Schill. Schon bald erwies sich das Pferd als ausgesprochen talentiert für die Dressur. Ausgebildet von Schills Tochter Friderike, wurde Weronis Sohn mit sechs Jahren nach Bayern verkauft, wo er von der zweifachen Olympiasiegerin und Weltmeisterin Ulla Salzgeber den letzten Schliff bekam. Im Sommer wurde er in die USA verkauft. Er und sein Reiter sind für Kentucky nominiert.

Beim Pferdezüchten kommt es auf den richtigen Riecher an
Auf seine Zuchtstuten ist Eugen Schill besonders stolz. Hier hat der Reustener Müller und Pferdezüchter die 18-jährige Angelique (links) und die 14-jährige Weroni an der Hand. Die zwei routinierten Pferdemütter erwarten im April ihre nächsten Fohlen. Bild: Sommer

An dieser Geschichte lässt sich ablesen, was einen guten Pferdezüchter ausmacht, nämlich vor allem ein guter Riecher. „Man muss die Stuten sehr gut kennen“, sagt Schill, „und dann versuchen, das, was die Stute nicht hat, vom Hengst zu bekommen“. Wobei man manchmal auch ein Wagnis eingehen muss. So hat sich Eugen Schill vor elf Jahren Dr. Jackson als ersten Partner für Weroni ausgesucht – einen damals vierjährigen Hengst, bei dem noch niemand wissen konnte, welche Eigenschaften er seinen Nachkommen weitergibt. „Er war eher ein ruhiger Typ“, begründet der Reustener Müller und Pferdezüchter Schill die damalige Wahl. Heute gilt der Württemberger Dr. Jackson als erfolgreichster Vererber Süddeutschlands.

Eugen Schill und seine Frau Irene züchten seit gut 40 Jahren Pferde. Ihr erstes gemeinsames Eigentum war ein Fohlen, das sie noch vor der Hochzeit kauften. Seither sind auf dem Gelände der Getreidemühle in Reusten an die hundert Pferde zur Welt gekommen. Viele Jahre war Schill der Vorsitzende des Pferdezuchtvereins Herrenberg, zu dem auch die 33 im Landeszuchtverband eingetragenen Mitglieder aus dem Landkreis Tübingen gehören. Wie viele davon tatsächlich noch in der Pferdezucht engagiert sind, weiß Schill nicht – „gut eine Handvoll“ schätzt er. „Das hat schwer abgenommen.“ Nicht nur in und um Tübingen: Noch vor ein paar Jahren hatte der Herrenberger Zuchtverein 300 Mitglieder, heute sind es 230.

Der Markt ist zusammengebrochen

Das Pferdezüchten ist mit vielen Risiken verbunden. Bevor ein Fohlen zum Reitpferd wird, kann viel passieren. Die Aufzucht und Ausbildung ist teuer, zumindest, wenn man fremde Hilfe braucht und dafür bezahlen muss. Die meisten Züchter verkaufen den vierbeinigen Nachwuchs deshalb schon sehr früh. Doch gerade dieser „Markt ist zusammengebrochen“, berichtet Schill. In den Boomjahren vor der jüngsten Wirtschaftskrise habe auf dem Fohlenmarkt in Riedlingen Spitzenfohlen bis zu 20 000 Euro erzielt. Im vergangenen Herbst dagegen lag der Spitzenpreis, so Schill, zwischen 6000 und 7000 Euro.

Wer dennoch weiter macht mit der Zucht, schaut jetzt noch genauer hin, welcher Hengst zu seiner Stute passt. Eine Möglichkeit sich zu informieren bietet die traditionelle Faschingsprämierung in Herrenberg (siehe „Eine Miss auf vier Beinen“). Dort führt das Marbacher Landesgestüt einige seiner Zuchthengste vor. Beim Schaulaufen der Pferdemamas kommt es nicht nur auf Temperament und Aussehen an oder darauf, wie sie sich bewegen. Es geht auch um die Zuchtlinien. Selbst der „mütterliche Ausdruck“ werde bewertet, erzählt Schill.

Er selbst schickt drei Stuten in den Ring. Weroni ist nicht dabei. Er will nicht, dass sich die werdende Mama zu sehr aufregt bei der Schönheitskonkurrenz. Neben ihrem sollen in diesem Frühjahr zwei weitere Fohlen im Stall Ammergold auf der Reustener Mühle zur Welt kommen.

Eugen Schill will bei jeder Geburt dabei sein. Deshalb ist im Stall eine Videokamera samt Mikrophon installiert. „Der Monitor hängt im Schlafzimmer“, berichtet Irene Schill. Denn Pferdemütter bringen ihre Fohlen meist nachts zu Welt. Wenn die Müllerin das erste Stöhnen vernimmt weckt sie ihren Mann: „Eugen, es ist so weit.“ Es könnte ja sein, dass wieder ein Weltmeisterkandidat geboren wird.

Eine Miss auf vier Beinen

Die Stutenprämierung in Herrenberg beginnt am Faschingsdienstag, 16. Februar, um 8 Uhr. Vorgestellt werden die Pferdemütter auf der Festwiese bei der Stadthalle. Die Siegerehrung beginnt um 11 Uhr. Zum ersten Mal wird dabei der Titel „Miss Herrenberg“ verliehen. Angemeldet sind 88 angemeldeten Stuten. Dem insgesamt 230 Mitglieder zählenden Pferdezuchtverein Herrenberg, dessen Einzugsgebiet vom Schwarzwald bis Nürtingen und Leonberg reicht, gehören 33 Züchterinnen und Züchter aus dem Landkreis Tübingen an.

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13.02.2010, 12:00 Uhr

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