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Beim Rottenburger Sommerleseabend ging es um Reisen zu Fuß
In luftige Höhen und auf die Alb

Beim Rottenburger Sommerleseabend ging es um Reisen zu Fuß

Rottenburger Sommerleseabend Teil zwei: Wie schon am Abend zuvor trieb es die beiden Organisatoren Renate Witte und Ernst Heimes wegen der unsicheren Wetterprognose ins Nepomukhaus. Dieses Mal ging es um Reisen zu Fuß. Die beiden Stadträte Jörn Heumesser und Margarete Nohr lasen Reiseberichte.

18.08.2015
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Während am ersten Abend einige Besucher wegen Überfüllung wieder gehen mussten, fanden am Sonntagabend alle Zuhörwilligen einen Platz. Im Haus sei es zumindest „sehr heimeslig“, sagte Renate Witte in Anspielung auf den Hausherrn Ernst Heimes. Witte, Vorsitzende des Fördervereins Stadtbibliothek, übernahm im vorigen Jahr federführend die Organisation der Abende von Sabine Huber. Reisen zu Fuß lägen wieder im Trend, sagte Witte. So suchten Menschen Entschleunigung vom Alltag auf Pilgerreisen.

Nicht ganz so besinnlich wie auf einer Pilgerreise ging es in der von Jörn Heumesser vorgestellten Geschichte „Die Besteigung des Rum Doodle“ von William Ernest Bowman zu. Heumesser las von einem E-Reader ab. Zur Sicherheit hatte er den Text noch ausgedruckt dabei. Der Autor Bowman parodiert mit dem fiktiven, 1956 erschienen Bericht über die Besteigung des „40 000½ Fuß hohen Bergs Rum Doodle“ den ausschweifenden Schreibstil britischer Expeditionsberichte. Bowman hat Großbritannien nie verlassen. Seine Wandererfahrungen beschränkten sich auf der Lake District, dessen höchste Erhebung 900 Meter beträgt. Der Bowmans Phantasie entsprungene Rum Doodle im Land Yogistan ist 3000 Meter höher als der Mount Everest. Entsprechend aufwendig sind die Vorbereitungen.

Das Expeditionsteam bestehe aus liebenswürdigen Stümpern, sagte Heumesser. Anführer und Ich-Erzähler Binder ist nie ganz im Bilde. Jungle, Pfadfinder und Navigator, verirrt sich auf dem Weg zu jedem Treffpunkt. Pong, als Koch angeheuert, kocht so schlecht, dass die Männer bei seiner Ankunft in höhere Lager flüchten. Constant, der Fachmann für Sprachen, hat eine so fehlerhafte Aussprache, dass er 30 000 statt 3 000 Träger ordert. Der Unterschied könne in Yogistanisch nur durch ein Schnauben am Ende des Wortes ausgedrückt werden und das sei im Telegramm nicht möglich gewesen, verteidigt er sich. Weitere Missverständnisse lassen nicht lange auf sich warten. Und so erklimmen zwei Expeditionsteilnehmer zwar einen Gipfel. Doch es ist der falsche.

Mit diesen Höhenmetern in fernen Ländern könne ihre Geschichte nicht mithalten, sagte Margarete Nohr. Sie las aus dem Buch „Allein über die Alb“ von Bertram Schwarz. „Dafür ist der Autor anwesend.“ Schwarz ist Tübinger und Reporter beim Südwest-Rundfunk. In dem Buch fasste er Erlebnisse zusammen, die er auf einer Tour über die Ostalb machte. Mit Bus und per Anhalter begab er sich von Aalen aus auf den Weg nach Bartholomä. Auf der Suche nach dem „Dorf am Rande des Himmels“ durchquerte er ein Felsenmeer mit Gesteinbrocken so groß wie Gartenhäuser. Mehr noch als die Landschaft interessierten ihn die Menschen, die gar nicht so wortkarg und rau waren, wie er zunächst dachte. Ein Mann erzählt ihm von einer Frau, die schon morgens um zehn Uhr splitternackt auf einem Felsen gestanden habe – als Fotomodell. Sein nächster Gesprächspartner hatte einen Hund dabei. Der beißt Schwarz in den Bauch, als er sein Mikro auspackt. Der eine hat eine liebreizende Begegnung, der andere wird gebissen, sinniert er. „Warum muss ich zu den anderen gehören.“

In der Lesepause bewirtete das „Bistro & Lounge“ passend zum Thema Wandern mit Landjäger und Käse-Vesper. Dazu gab es Wein und Sommerschorle.

Der Spendenerlös der kostenfreien Abende, der in einem herum gereichten Hut gesammelt wird, geht zu gleichen Teil an den Förderverein Stadtbibliothek und an den Sülchgauer Altertumsverein für den Umbau des Amannhofs.

Beim Rottenburger Sommerleseabend ging es um Reisen zu Fuß
Beim zweiter Rottenburger Sommerleseabend lasen Jörn Heumesser (links) und Margarete Nohr im Haus am Nepomuk Geschichten von Reisen per Pedes. Bilder: Bernhard

Beim Rottenburger Sommerleseabend ging es um Reisen zu Fuß
Miriam Polack, Stefan Ebert, Leonie Mauch und Jannis Schwärzli (von links) sangen Popsongs. Cornelia Ernst unterhielt zuvor mit dem Akkordeon.

Das Motto des heutigen Sommerleseabends ist die Reise ins Glück. Die Vortragenden sind zugleich Mitglied im Sextett+, das an diesem Abend sein zehnjähriges Bestehen und seinen hundertsten Auftritt feiert. Zum ersten Mal spielt das Sextett+ zusammen mit den Hurglern, aus denen es hervorging.
Mit dabei ist an diesem Abend auch Astrid Dinkler-Evers mit ihrem Alphorn.
Neben der Musik kommt das Literarische nicht zu kurz: Horst Diehl liest aus dem Buch „Schiffbruch mit Tiger“ des kanadischen Schriftstellers Yann Martel. Der Apotheker Matthias Fuchs trägt von Matthias Claudius die Geschichte „Wenn einer eine Reise tut“ vor.
Gar nicht eilig hat es Gerhard Johner mit der Kurzgeschichte „Mir pressierts net“.
Der Sommerleseabend beginnt um 19 Uhr vor dem Haus am Nepomuk. Bei Regen findet die Veranstaltung im Haus statt. Das „Bistro & Lounge“ bewirtet.

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18.08.2015, 12:00 Uhr

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