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Beim Wirtschaftsforum gab’s Kritik an der Politik
Gebhart Höritzer
Bildung für Wirtschaft wichtig

Beim Wirtschaftsforum gab’s Kritik an der Politik

Es geht wieder aufwärts mit der Wirtschaft: 3,5 Prozent Wachstum verheißen die neuesten Prognosen. Doch von alleine geht das nicht. Was muss die Politik tun, um die Wirtschaft im Land auf den richtigen Weg zu bringen? Das war Thema des Wirtschaftsforums der Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstag.

16.10.2010
  • sabine Lohr

Tübingen. Es ist vor allem die Automobilbranche, der Baden-Württemberg traditionell seine relativ starke wirtschaftliche Kraft zu verdanken hat. Doch eine Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen zeigt, dass sich die Zeiten geändert haben: Nicht die Autoindustrie, sondern die Umwelttechnologie ist in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen.

Bernhard Boockmann, Geschäftsführer dieses Instituts und Verfasser der Studie, sagte in seinem Impulsreferat vor den rund 50 Besuchern im „Casino“, dass auch die Bereiche Pflege, Information und Kommunikation sowie IT-Dienstleistungen stärker gewachsen seien als die Autobranche. Er forderte von der Politik, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen für wirtschaftliche Aktivitäten, Gründungen zu erleichtern und die Förderungskriterien zu überdenken. „Viele Branchen werden gefördert, die überhaupt kein starkes Wachstum haben“, kritisierte Boockmann und meinte damit etwa die Landwirtschaft. Kurzfristig, räumte er ein, könnte das Förderprogramm wohl nicht geändert werden, langfristig aber durchaus.

Kritik übte Boockmann auch an der Bildungspolitik: Im Vergleich zu anderen Bundesländern gebe Baden-Württemberg viel zu wenig Geld für Bildung aus. Das betreffe auch die Ausbildung in den Betrieben – für die wünsche er sich ein Ausbildungs-Management.

Das war ein gutes Stichwort für TAGBLATT-Redakteurin Renate Angstmann-Koch, die das anschließende Podiumsgespräch moderierte. Einerseits, sagte sie, werde beklagt, dass es zu wenig Fachkräfte gebe, andererseits entlasse die Reutlinger Firma Bosch jetzt wegen eines Fachkräfteüberschusses Mitarbeiter. Wie denn das zusammengehe?

Boockmann ist sich sicher, dass es eher einen Fachkräftemangel gibt. „Die jetzt von Bosch Entlassenen haben exzellente Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt“, sagte er.

Rita Haller-Haid, SPD-Landtagsabgeordnete, schob die Schuld am Fachkräftemangel unter anderem den Arbeitsagenturen zu. Es könne nicht sein, dass arbeitslos gewordene Handwerker keine Chance auf den Besuch der Meisterschule hätten, weil die Arbeitsagentur deren Verfügbarkeit verlange. „Da müssen wir unbedingt etwas tun“, sagte sie. Kreishandwerksmeister Gebhart Höritzer hatte erst kürzlich beklagt, dass Bewerber um einen Ausbildungsplatz immer weniger qualifiziert seien. Ob das denn vielleicht auch an den gestiegenen Anforderungen liege, wollte Angstmann-Koch wissen. Die gebe es durchaus, so Höritzer, doch müssten sich Schulen an diesen Anforderungen orientieren.

Haller-Haid plädierte am Schluss für eine bessere Umverteilung des Geldes durch eine fairere Steuerpolitik und für den Ausbau der Bildung durch mehr Lehrerstellen. Höritzer wünschte sich, dass schon Kinder auf den für sie richtigen Berufsweg geführt werden und forderte den Abbau der Bürokratie: „Lasst uns Handwerker doch einfach mal schaffen.“ Boockmann sieht großen Handlungsspielraum im sozialen Bereich. Lokale Initiativen, Ehrenamt und Schulen müssten gestärkt werden, um zu verhindern, dass Jugendliche auf der Strecke bleiben.

Beim Wirtschaftsforum gab’s Kritik an der Politik
B. Boockmann

Beim Wirtschaftsforum gab’s Kritik an der Politik
Rita Haller-Haid

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16.10.2010, 12:00 Uhr

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