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Der Rosé war sommer-süffig

Beim Wurmlinger Weinbergfest ging zeitweise der Wein aus

Weincocktails, schönes Wetter, französische und schwäbische Spezialitäten zogen viele Hundert Menschen am Wochenende nach Wurmlingen. Dieses Jahr gab es zwei Winzerstände weniger – die Hagelschäden vom letzten Jahr spüren die Wengerter immer noch.

15.06.2014
  • Katharina Tomaszewski

Wurmlingen. Dass die Fußball-Weltmeisterschaft begonnen hat, war auf dem Wurmlinger Weinfest spürbar. Der ganz große Ansturm auf die Weinstände blieb aus. Vorteil: Die Besucher mussten nicht lange Schlange stehen. Trotzdem ging einigen Anbietern am Samstagabend der Wein aus. Schuld daran ist der Hagel im vorigen Jahr, der Wurmlinger Wengertern mehr als die Hälfte ihrer Trauben zerstörte.

Am Fuß des Kapellenbergs schenkte Anton Brenner mit seiner Familie aus. Seine Söhne David und Philip bauen selbst Wein an und betreiben Weinbesen in Tübingen und Reutlingen. Dieses Jahr probierte Philip Brenner etwas Neues aus: Einen Teil der Riesling-Trauben erntete und presste er bereits im Juli.

Der Saft der grünen, sauren Trauben heißt Verjus und ist in Frankreich eine beliebte Alternative zu Zitronensaft und Essig. Aus dem Verjus machte Philip Brenner eine Vinaigrette für Salate, kalten Braten und Backsteinkäse. „Verjus ist weniger sauer und dadurch bekömmlicher“, sagte Philip Brenner, der einige Zeit in Roquebrune-Cap-Martin in Südfrankreich gearbeitet hat.

Anton Brenner sieht weitere Vorteile im Verjus-Pressen. Wenn ein Teil der Trauben früher geerntet wird, bekommen die restlichen Früchte vom Stock mehr Nährstoffe, und der Wein kann noch geschmackvoller werden, so Anton Brenner.

Der Hagel vernichtete teils die halbe Ernte

Wer den Berg ein Stück hoch lief, konnte auch Dieter und Siegfried Nolls Wein degustieren. „Roséwein ist perfekt für Sommerabende“, sagte Siegfried Noll. Weil der Rosé Jahrgang 2013 so schnell weg ging, brachte Noll vorsorglich auch Müller-Thurgau und Schwarzriesling von 2012 mit. „Der Hagel hat uns letztes Jahr den Großteil der Ernte gekostet,“ sagte er. Es war 22 Uhr. „Unser Wein ist bald aus, wir müssen heute Abend bei Kollegen nachfragen, ob sie uns aushelfen“.

Entspannter wirkten Rainer Böckle und Dietmar Schäuble, die seit zwei Jahren gemeinsam einen Stand auf dem Weinbergfest betreiben. Böckle: „So trägt jeder nur noch die halbe Verantwortung und hat den halben Stress.“ Schäuble hatte im Gegensatz 2013 keine Hagelschäden. Seine Reben stehen auf dem Pfaffenberg in Wendelsheim.

Der Wurmlinger Secco wurde jedoch nur aus Trauben gepresst, die auch in Wurmlingen gewachsen sind, versicherte Dietmar Schäuble. Gegen 23 Uhr waren an diesem Weinstand und der Würstchenbude die meisten Besucher/innen. Weil die Bänke nicht reichten, saßen Leute am Wegrand oder neben den Rebstöcken, schlotzten an ihrem Viertele und aßen Grillwurst im Wecken.

Ðie Tübinger Studenten Fabian Everding und Frederico Elwing fanden keine freien Plätze und liefen deshalb von Stand zu Stand. Obwohl die beiden keine Fans deutschen Weines sind, fanden sie die Rosé- und Weißweine an allen Ständen „süffig und gut trinkbar“. Beim Rotwein war ihr Urteil herb: „Wer hier Rotwein trinken möchte, sollte ihn lieber selbst mitbringen,“ sagte Everding und schmunzelte.

Der 19-jährige Gymnasiast Daniel Böckle konnte dieses Jahr nicht mehr am Stand seines Vaters helfen, denn er hatte einen eigenen Cocktailstand. Die Getränkekarte war mit Hugo, Secco mit Himbeersirup und Kräuterschnaps überschaubar, bot dem jungen Publikum willkommene Abwechslung zu Wein und Schorle. „Hier gibt´s den besten Hugo überhaupt“, schwärmten drei junge Männer und bestellten den grünen Sektcocktail mehrmals.

Vor allem die Jugend mag auch Mixgetränke

„Rossho“ nannte Christian Reutter seine Hugo-Abwandlung, die Rosé-Secco enthält und Zitrone statt Limette. Den Cocktail hatten sich die Besucher dieses Jahr gewünscht wie auch die Winzerplatte (Wurst, Käse und Essiggurken). Reutter baut das Korn für seine Backwaren selbst an und hält Tiere, etwa für seinen Spanferkelbraten.

Außer Wein gab es auch Heißes von Flammkuchen-Willi und Kaltes von Peter Müller. Müller betreibt seinen Eiswagen seit 20 Jahren, kann sich vor Aufträgen kaum retten. „Ich würde gerne aufhören, krieg’ aber den Eiswagen nicht verkauft“, sagte er. Interessenten könnte Müller eine lange Liste von Stammkunden mitgeben.

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15.06.2014, 12:00 Uhr

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