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Was ist typisch deutsch? Kartenspiel als Beispiel für Zusammenleben

Beim interkulturellen Sensibilisierungs-Workshop wurden die Teilnehmer auch praktisch gefordert

Auch der zweite Teil der interkulturellen Sensibilisierung mit Trainerin Sabine Schuman brachte am Dienstagabend den Mitstreitern im Arbeitskreis Flucht und Asyl Sulz verblüffende Erkenntnisse.

19.11.2015
  • Margita Manz

Sulz. Begonnen wurde der Abend mit einem Kartenspiel. Sechs Regeln gaben die Spielzüge vor, bei denen selbst erfahrene Kartenspieler umdenken mussten. Dann wurden die Regeln geändert und kaum einer wusste mehr, was gespielt wurde. Den Beobachtern fiel die schnelle Reaktion einiger auf, andere Spieler wurden fast aggressiv, da ihre bekannten Regeln nicht mehr aktuell waren.

Was hat Kartenspiel mit Kultur zu tun? Diese Frage brachte das Handeln nach Regeln auf einen Nenner. Regeln gelten normal für alle gemeinsam, wenn einer aber andere Regeln beherrscht und diese anwendet, kommt es zu Verwirrungen. Bei interkulturellen Begegnungen treffen fiele „Regeln“ aufeinander. In Deutschland wird vieles schriftlich geregelt, aber auch Benimmregeln und Umgangsformen werden vom Einzelnen auf die Gesellschaft übertragen. Das heißt nicht unbedingt, dass andere Länder und Bevölkerungen keine Regeln haben. Diese zu kennen oder sich darüber zu informieren, erleichtert das Zusammentreffen der verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen.

Kultur als Lebenswelt im Gegensatz zur Natur wurde den Teilnehmern ins Gedächtnis gerufen mit dem einfachen Vergleich: Das Bild mit einer Katze auf einer Wiese zeigt Natur, die Katze im Bett ist „Kultur“. Unsere Kultursicht werte nicht, sie bezeichnet nur die Normalität und Vertrautheit mi Situationen. Unplausibles wird sofort erklärt, eine objektive Realität gebe es laut Schumann nicht. Alle Betrachtungen werden subjektiv wahrgenommen, und zwar von einem jeden Menschen anders.

Mit einem kurzen Zwischenspiel „Die Albatrosse“ wurde eine neue Herausforderrung der Betrachter deutlich. Ein eingespieltes Team zeigte, dass der Mann bestimmt, die Frau dies akzeptiert oder keine andere Wahl hat zu reagieren. Das vorgeprägte Verhalten der Betrachter lies alle aber auf genau das Gegenteil schließen, was ursprünglich angedacht war. Die konstruierte realitätsferne Szene hatte ihr Ziel erreicht. Alle Besucher mussten sich eingestehen, dass wir immer wieder die gesehenen Situationen werten. Die eigentliche Aufgabe war es aber, die gespielte Situation nur zu beschreiben.

Ein weiteres Kapitel wurde mit der „Höflichkeit“ im Workshop aufgeschlagen. Sabine Schumann behauptet, dass der Deutsche in der Welt als unhöflich gilt. Mit dem Wertequadrat von Schulz von Thun verdeutlichte Schumann diese Aussage. „Schwestertugenden verdeutlichten dies“.

Wenn Sparsamkeit übertrieben oder entwertet wird, entsteht daraus Geiz, wird Großzügigkeit hemmungslos wird daraus Verschwendung. Dies kann auch auf die Kommunikation angewendet werde.

Deutsch gleich Direkt? Die Eigenschaften ehrlich, aufrichtig, klar, direkt und effektiv wirken auf unser Gegenüber oft rücksichtslos, unsensibel, aggressiv und plump. Der rücksichtsvolle, sensible und wertschätzende Umgang mit den Mitmenschen wird oft als uneffektiv, falsch, verlogen und schmierig empfunden. Wird das den sich unterhaltenden Menschen klar, dass sie sich häufig damit in genau festgelegten Klischees verfangen haben?

Teil unserer Kultur: Der Feierabend und der Urlaub sind heilig

Die Kursteilnehmer mussten sich dies einige Male deutlich zu erkennen geben. Auch die Sachorientierung und die beziehungsorientierten Kulturen wurden verglichen. Wir Deutsche als „Sachorientierte“ lieben es sachlich, gerecht, für alles Offene, das nachvollziehbar ist, gelten aber als kalt, respektlos, und oft nur als „Partner als Mittel zum Zweck“. In beziehungsorientierten Kulturen wird wertschätzend, vertrauensbildend und menschlich als Ideal angesehen, was von uns wiederum als unsachliche Zeitverschwendung oder gar als „Gemauschel“ abgetan wird.

Typisch deutsch? Gibt es das überhaupt? Mit sieben deutschen Kultur-Standards, zu denen unter anderen die strikte Trennung von Beruflichem und Privatem sowie den rationalen und emotionalen Wertungen gehören. Als Schumann zum Abschluss behauptete, die Deutschen gelten als faul, wollte die schwäbische Mentalität der Kursteilnehmer dies nicht so hinnehmen.

Dass der Urlaub und der Feierabend den meisten Arbeitenden heilig ist, ist in Deutschland weit verbreitet. Auch das gehöre zu unserer Kultur. Über unsere Kultur und die der „Anderen“ nachzudenken lohne sich auf jeden Fall, waren sich alle Teilnehmer einig. Die interkulturelle Sensibilisierung war ein voller Erfolg.

Beim interkulturellen Sensibilisierungs-Workshop wurden die Teilnehmer auch praktisch gefordert
Sabine Schumann, professionelle Trainerin für interkulturelle Sensibilisation, vermittelte viel Interessantes beim Workshop in Sulz.Bild: maz

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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